Elektronische Codes von Luxus-Schlitten geknackt

München in Angst vor den Schlüssel-Hackern: 7 Autodiebstähle per Funk in nur zwei Wochen

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Hier wurde geklaut: Die Hochlandstrasse in Feldmoching.

Ein Feldmochinger ist das siebte Münchner Opfer innerhalb von zwei Wochen: Sein Mercedes ist weg - und das vermutlich ohne einen Kratzer. Diebe haben elektronisch den Code geknackt.

München - Erst dachte Suad B. (42), dass seine Frau das Auto umgeparkt hat. Dann, dass es abgeschleppt wurde. Aber beides war nicht der Fall – und den Münchner beschlich eine schreckliche Vorahnung: Vielleicht haben Diebe seinen Mercedes gestohlen? Ein Anruf eines Polizisten bestätigte dann den Verdacht: Üble Ganoven hatten in der Nacht auf Montag sein Luxusauto geklaut. S-Klasse, AMG-Version, 630 PS, ein edles Geschoss! Direkt vor der Haustür an der Hochlandstraße in Feldmoching, lautlos, ohne Spuren. „Keiner hat etwas bemerkt!“, sagt Suad B.

Der Münchner ist offenbar bereits das siebte Opfer einer Profi-Autoknackerbande in und um München seit Anfang Dezember. Schaden insgesamt: mehr als 600 000 Euro!

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Täter spezialisieren sich auf „Keyless-Go“-Autos

Die Täter haben sich wohl auf Autos mit Keyless-Go-System spezialisiert. Das heißt, dass die Autos ohne aktive Benutzung eines Autoschlüssels (also „keyless“, zu Deutsch „schlüssellos“) entriegelt und nur durch das Drücken des Knopfs gestartet werden können. Die Diebe müssen dieses System ausgenutzt haben und das Funksignal von der Wohnung zum Auto überbrückt haben (siehe Grafik unten).

270 000 Euro hat der schwarze Luxus-Schlitten von Suad B. neu gekostet. „Der war das Beste vom Besten“, sagt der sechsfache Familienvater. Er ist Inhaber eines Autogeschäftes. Den Schlüssel für sein Lieblingsauto hatte B. wie immer auf dem Sideboard im Flur. „Nie hätte ich gedacht, dass man das Auto einfach ohne Schlüssel klauen kann“, sagt er. „Klar hab ich mal davon gehört, aber man denkt ja nicht, dass einem das passiert…“

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Diebe sind Profis: Ortungsysteme entfernt

Dass es sich bei den Dieben um Profis handeln muss, habe die Polizei laut Suad B. schon am nächsten Mittag geahnt. „Die haben mich angerufen und meinten, sie hätten Papiere aus meinem Aktenkoffer, der im Wagen war, und Elektroteile aus dem Auto, mit denen man es orten könnte, auf einer Wiese am Fasaneriesee gefunden.“ Hoffnungen, dass er das Auto wieder bekommt, hat Suad B. nicht. Schlimmer ist aber ohnehin die Angst, mit der die Familie jetzt leben muss. „Vor zwei Jahren wollten sie schon bei uns einbrechen. Meine Frau fühlt sich jetzt noch unsicherer im Haus.“ Zur Angst kommt auch noch eine große Portion Wut bei dem Feldmochinger. „Das kann doch nicht sein, dass die Hersteller da nichts dagegen tun, dass es den Dieben so einfach gemacht wird!“

Wie Suad B. erging es in den vergangenen zwei Wochen auch sechs anderen Besitzern hochwertiger Autos. Ebenfalls in der Nacht auf Montag wurde einem Oberschleißheimer ein BMW gestohlen. In allen Fällen in Stadt und Landkreis München schlugen die Täter mitten in der Nacht und in Autobahn-Nähe zu. Das Präsidium bittet um Hinweise unter der Nummer 089/29 100.

N. Bautz, S. Wegele

Die besten und wichtigsten Geschichten aus diesem Teil Münchens posten wir auch auf der Facebook-Seite „Feldmoching/Hasenbergl – mein Viertel“.

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