Gäste grillen in Waldnähe

„Was passiert, wenn wir abbrennen?“ - Anwohner am Lerchenauer See schlagen Alarm  

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Brandspuren am Wald: Anwohner Bernhard Averbeck-Kellner ist in Sorge. 

Am Lerchenauer See grillen im Sommer häufig Menschen außerhalb der ausgewiesenen Zonen. Die Anwohner sorgen sich vor einem Waldbrand vor ihren Häusern.

München - Die Lage ist hübsch. Etwas abgeschieden, nah am Wald und am See. Doch gerade im Sommer bleibt von diesem Idyll wenig übrig. Im Gegenteil. Wenn es richtig heiß wird und die Sonne die Menschen ins Freie lockt, fühlt sich Bernhard Averbeck-Kellner wie inmitten einer riesigen öffentlichen Toilette. Und das direkt vor seinem Garten. Dem Münchner gehört ein Haus in der Heidelerchenstraße am Lerchenauer See. Dort lebt sein Vater, außerdem sind Zimmer an Mieter vergeben. Unmittelbar an das Grundstück grenzt ein Wald. Dahinter breitet sich eine Grünfläche aus. Dann folgt der See. Averbeck-Kellner verbringt jedes Wochenende dort. Richtig wohl fühlt er sich im Sommer allerdings nicht mehr. Es stinkt und ist brandgefährlich.

Grillen am Wald ist verboten - Trotzdem werde dort häufig Grills aufgebaut

„Ich finde es schön, dass Menschen, die keinen Garten haben, am See grillen können“, erklärt er. Doch der Andrang nehme Überhand. „Manchmal kommen Großgruppen von 200 bis 300 Leuten.“ Doch nicht die Lautstärke sei das Problem. Vielmehr gehe es um die Abfälle und den Brandschutz. Zum Grillen ausgewiesen ist nämlich nicht das ganze Grün im Südosten des Gewässers. Zum Würstl- und Fleischbraten stehen einzelne Areale zur Verfügung. Ganz nah am Wald etwa ist Grillen eigentlich verboten. Schilder verweisen darauf, dass mindestens zehn Meter Abstand zum Gehölz einzuhalten sind. 

„Genau dort aber ist es bei großer Hitze schattig“, sagt Averbeck-Kellner. „Daher sitzen viele unter den Bäumen.“ Manche bauen dort nicht nur ihren Grill auf. Sie entzünden ein offenes Feuer. Das tun sie freilich nicht aus Bosheit, vermutet der Münchner. Einige der Verbotsschilder liegen sehr versteckt, sind oft kaum sichtbar. Auch auf dem Internetplan der Stadt reicht die zugelassene Grillfläche bis an die Bäume heran. Laut Baureferat ist das nur die „ungefähre Lage“ der Grillzone.

Averbeck-Kellner sorgt sich: „Was passiert, wenn wir abbrennen?“

Averbeck-Kellner bereitet all das Sorgen. „Wir wohnen direkt hinter dem Wald. Wenn die Bäume Feuer fangen, brennen wir mit ab.“ Auch sein 91-jähriger Vater ist alarmiert. Er ist Fachmann für Holzarbeit und nennt die Situation „brandgefährlich“. Bei einer Ortsbegehung mit dem Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl entdeckte der Sohn eine volle Flasche Brandbeschleuniger hinter dem Haus – und das direkt neben einem Haufen entsorgter Glut am Wald. „Ein Großteil der Kohle wird unter den Bäumen entsorgt. Im Wald selbst am Rand finde ich oft zwischen zehn und 20 Brandstellen. Was passiert, wenn wir abbrennen? Wir haben nur Bestandsschutz“, sorgt sich der Hausbesitzer. Im Münchner Osten hielten diesen Frühling schon zahlreiche Waldbrände die Feuerwehr in Atem.

Die Siedlung an der Heidelerchenstraße stammt aus den 20er- und 30er-Jahren und liegt im Außenbereich. Dem Flächennutzungsplan zufolge handelt es sich um eine allgemeine Grünfläche. Ein Baurecht ist heute nicht mehr vorhanden. Laut Planungsreferat wäre aber durch den Bestandsschutz „im Fall einer Zerstörung durch Brand grundsätzlich eine alsbaldige Neuerrichtung eines gleichartigen Gebäudes an gleicher Stelle möglich.“ Riskieren will diesen Fall jedoch kein Anwohner.

Viele Griller erleichtern sich im Wald vor den Gärten der Anwohner

Weniger gefährlich, aber ekelig ist die hygienische Situation. „Ein Toilettenhäusl liegt am Spielplatz an der Lassallestraße, wird jedoch von vielen Grillern nicht genutzt“, sagt Averbeck-Kellner. „Die verrichten ihre Notdurft dann im Wald vor den Gärten der Anwohner. Und das nicht zu knapp.“ Averbeck-Kellner hat die Stadt nun mit Unterstützung des Bezirksausschusses Feldmoching-Hasenbergl gebeten, die Lage zu verbessern. Das Baureferat hat den Reinigungsturnus bereits erhöht. Außerdem sind am Wochenende und in den Ferien Securitykräfte eingesetzt. Und auch Aschebehälter werden installiert. Die betroffenen Anwohner hoffen nun, dass vor allem die Brandgefahr sinkt.

Katrin Hildebrand

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Er wollte sich nur abkühlen, geriet dann aber in Not. Ein Nichtschwimmer hat am Lerchenauer See für Aufregung bei den Einsatzkräften gesorgt.

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