Schockierte Anwohner berichten

Nach Feuer-Drama: "Wir hatten einen Schutzengel"

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In diesem Haus am Linus-Funke-Weg brannte es am Samstag.

München - Es sind bange Minuten im Linus-Funke-Weg am Samstagmorgen. Nach einer Explosion brennt es im vierten Stock. Schon von weitem konnte man den schweren Brand am Samstag sehen.

Als Christine Kapfer (75) den dumpfen Knall um 8.30 Uhr hörte, wusste sie gleich, dass etwas nicht stimmt. „Kurz darauf rannten die Nachbarn durch den Hausflur und schrien ,Feuer, Feuer! Bringt euch in Sicherheit!‘“

Es sind bange Minuten im Linus-Funke-Weg am Samstagmorgen: Nach einer Explosion im vierten Stock lodern die Flammen meterweit aus dem Fenster. Dichter, schwarzer Rauch verhüllt das Treppenhaus. Panik bricht unter den Bewohnern aus – aber sie sitzen in der Falle und können nicht fliehen. „Gott sei Dank war die Feuerwehr schnell da“, sagt Kapfer.

Leben über der Brandwohnung: Christine Kapfer (75) und Ehemann Harry (85).

Sie lebt seit 50 Jahren in dem Mehrfamilienhaus in der Fasanerie – direkt über der Wohnung, in der das Feuer ausbrach. „Wir hatten einen Schutzengel“, sagt sie am Sonntag, als die tz sie im Treppenhaus antrifft. Noch immer riecht es dort beißend nach Rauch. Die Wände sind pechschwarz vom Ruß. Es wird noch lange dauern, bis man hier wieder in Frieden wohnen kann. „Das war ein Schock für uns“, sagt Kapfer.

Schon von weitem konnte man den schweren Brand am Samstag sehen. Mit drei Löschzügen bekämpfte ihn die Feuerwehr – 90 Minuten lang, erst danach war das Feuer unter Kontrolle. Mit Fluchthauben mussten die Einsatzkräfte etliche Bewohner aus dem Gebäude retten. 14 von ihnen ließen sich im Sanka behandeln, fünf mussten in die Klinik. Dort schwebt der Wohnungseigentümer (30) noch in Lebensgefahr.

„Er ist ein netter Mann und hat viele Modellflugzeuge“, sagt Christine Kapfer. Ein technischer Defekt löste laut Polizei den Brand in dessen Wohnung aus, die völlig zerstört ist. Der Schaden: rund 100.000 Euro. „Ich wollte an diesem Tag eigentlich mit meiner Tochter ins Theater“, sagt Kapfer und schaut traurig zu Boden. Ihr pflegebedürftiger Mann wäre dann mit der Enkelin alleine gewesen. „Wer weiß, ob sie das Feuer rechtzeitig bemerkt hätten“, sagt sie. „Ich bin froh, dass nicht mehr passiert ist.“

Brand in Mehrfamilienhaus - Bilder

Brand in Mehrfamilienhaus - Bilder

Probleme mit der Elektrik?

Flamme ­lodern aus dem vierten Stock.

Auch drei Tage nach dem Brand im Linus-Funke-Weg ist Susanne L. (Name geändert) noch immer entsetzt. „Wir hätten alle sterben ­können“, sagt sie. „Das Haus hier ist aus meiner Sicht eine Todesfalle.“ Harte Worte der Anwohnerin – aber sie meint es ernst. „Bei dem Brand hat die Rauchabzugsanlage nicht funktioniert“, behauptet sie. „Wenn der Rauch aber nicht entweichen kann, ist das für die Anwohner in solcher einer Situation lebensgefährlich.“ Ein Feuerwehrler habe sie am Tag des Brands zudem darauf hingewiesen, dass etliche Kabel im Haus falsch verlegt seien. „Es gibt Probleme mit der ­Elektrik, das ist schon länger bekannt“, sagt ­Susanne L.

Andreas Thieme 

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