Heimatverein ist entsetzt

Streit um Gedenken zwischen Gebrauchtwagen

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Sorge ums Gedenken: Adam Walter (li.) und Roland Nitter zwischen Autos und Kriegerdenkmal (hinten).

In der Fasanerie bieten Händler am Kriegerdenkmal Autos feil. Der Heimatverein ist fassungslos und sucht einen alternativen Standort. 

Umziehen muss es sowieso. Spätestens, wenn die Bauarbeiten zur Untertunnelung des S-Bahnhofs Fasanerie beginnen, kann das Kriegerdenkmal nicht mehr auf dem bewaldeten Grundstück gegenüber des Edekas bleiben. Wann das passiert, steht noch in den Sternen. Nun allerdings erscheint ein Umzug dringlich. Seit Dezember liegt die Mahnstätte in ihrer Grünfläche nämlich nicht mehr allein zwischen Bäumen, Hecken, Wiesen und Ruhebänken. Ein Autohändler stellt hier seit ein paar Wochen seine Gebrauchtwagen zum Verkauf aus.

Dem Heimat- und Kameradschaftsverein Fasanerie-Nord gefällt das gar nicht. „Dies ist mit der Würde eines Kriegerdenkmals als Ort des Gedenkens, der Totenehrung und Mahnung nicht vereinbar“, sagt der zweite Vorsitzende Roland Nitter. Der Verein hat beim Bezirksausschuss (BA) Feldmoching-Hasenbergl einen Eilantrag zur Verlegung des Denkmals eingereicht. Der BA will nun das Baureferat bitten, so schnell wie möglich die Voraussetzungen für einen Ortswechsel zu schaffen. Die Frage ist nur, wohin.

Der Heimatverein hat schon eine klare Präferenz. Östlich der Kirche St. Christoph, direkt an der Feldmochinger Straße, liegt ein weiterer kleiner Park. Der Grund gehört der Stadt. Mit ihr würde der Verein gerne einen Gestattungsvertrag zur Unterbringung des Denkmals abschließen. Schon 2009 hat das Baureferat diese Grünfläche als neuen Standort in Aussicht gestellt. Als es vor einiger Zeit jedoch an die Planung des S-Bahnhof-Umbaus ging, schlug die Behörde plötzlich ein kleines Straßendreieck auf der anderen Seite der S-Bahnlinie vor. „Dagegen protestieren wir“, sagt Nitter. „Das ist eher eine Verkehrsinsel. Dort ist nicht ausreichend Platz, um Gedenkfeiern abzuhalten.“

Gedenkfeiern wie etwa jene am Volkstrauertag, an dem der Verein auch 2016 mit geistlicher Begleitung das Ehrenmal besuchte. Dieses unterscheidet sich deutlich von klassischen Kriegerdenkmälern. Es gibt keine Namenslisten von Gefallenen, keine „Heldenhinweise“, wie Nitter es formuliert, und keine Soldatenplastiken. Vielmehr besteht es aus einer Mauer. Darauf befinden sich zwei Mahntafeln, und im linken Bereich steht ein großes Holzkreuz. Bürger und Handwerker aus der Fasanerie haben es in den 50er-Jahren vorwiegend aus den Steinen kriegszerstörter Häuser errichtet. Roland Nitter ist sehr stolz darauf. „Es kann gut und gern als Friedensmal bezeichnet werden.“

Seit seinem Bau befindet es sich in dem kleinen Park an den S-Bahn-Gleisen. Dieser gehörte früher der Bahn, wurde jedoch 2004 an den Autohändler verkauft. Aktuell ist das Denkmal lediglich auf dem Grundstück geduldet. Jahrelang stand es dort ohne größere Beeinträchtigung, bis vor Kurzem die Verkaufsautos dazu kamen.

Der Heimatverein Fasanerie hofft nun auf ein schnelles Handeln der Stadt. Das Baureferat teilte in seinem letzten Schreiben vom Januar 2017 mit, dass eine Verlegung voraussichtlich durch den Umbau des S-Bahnhofs notwendig sei. Dafür allerdings müsste der Stadtrat erst Geld bewilligen.

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