Vorwürfe gegen Kita und Stadt

Urteil: Kinderschänder wird weggesperrt

Der 56-Jährige wird weggesperrt.

München - Und so einer nahm in einer Kita der Stadt die Kleinen auf den Schoß! Günther K. (56, alle Angaben geändert) wurde jetzt wegen hundertfachen Missbrauchs dreier Kinder außerhalb der Kita zu siebeneinhalb Jahren und Psychiatrie verurteilt.

„Dieser Mann stellt unbehandelt eine erhebliche Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar“, sagte der Vorsitzende Richter Stephan Kirchinger. Die Psychiatrie könne auch lebenslänglich bedeuten. Und sein Zutritt zur Kita wird nach einem Geständnis endgültig zum Skandal. Jetzt reicht’s dem früheren Elternbeiratsvorsitzenden Ralph Henkler (62): Er will Kita und Stadt anzeigen!

Der Prozess drehte sich eigentlich gar nicht um den Kindergarten in der Toni-Pfülf-Straße (Fasanerie) – der tauchte aber plötzlich in Zeugenaussagen und Geständnis auf. Günther K. hatte zeitweise selbst ein Kind in dem Haus, verbrachte aber nach eigener Aussage über Jahre praktisch täglich ein bis zwei Stunden in der Kita. Er war mit der Leiterin bekannt und habe sich gefühlt „wie im Schlaraffenland“. Und er gab im Prozess zu: Ja, es gab auch dort sexuellen Missbrauch!

Die Verteidiger des Kinderschänders bestätigten der tz seine Aussage: Er habe einen Buben – im Kindergarten sind sie gerade einmal drei bis sechs Jahres alt – auf dem Schoß gehabt. Dem habe er das T-Shirt in die Hose gesteckt und ihn darunter unsittlich angefasst. Als ob die bislang bekannten Tatschereien nicht schlimm genug seien! Günther K. habe ansonsten erklärt, dass er immer wieder Kinder auf dem Schoß hatte, die er über und auch unter dem Pulli streichelte. Seine Anwälte Joachim Schwarzenau und Michaela Schlierf legten Wert darauf, dass ihr Mandant entgegen der Aussage eines Vaters nicht mit Buben auf der Toilette verschwunden sei. Im Prozess habe der Kinderschänder eine „Lebensbeichte“ abgelegt. Es sei nicht zu befürchten, dass weitere Vorfälle auftauchten.

Allerdings muss sich die Stadt die Frage gefallen lassen, ob sie den Missbrauch des Buben hätte verhindern können: Laut Verteidiger geschah dieser schwerste bekannte Übergriff im Laufe von 2008, bevor der Täter im Herbst wegen eines anderen Sex-Delikts in Untersuchungshaft musste. Der Elternbeiratsvorsitzende Ralph Henkler (63) bleibt dabei, dass er schon im September 2007 gegen den Mann bei der Kita-Leitung protestiert hatte, nachdem er ihn mit seiner Tochter auf dem Schoß erwischt hatte. Demnach lägen Monate zwischen der Warnung und der Tat: Genug Zeit, um einen Missbrauch zu verhindern! Die Stadt will dagegen erst im September 2008 von Vorwürfen erfahren haben (s. unten).

Der Elternvertreter hat nach eigener Aussage auch die Bezirksleitung der städtischen Kitas alarmiert – vergeblich. „Man hat mir gesagt, der Mann sei über jeden Zweifel erhaben“, sagt Henkler. Der Kinderschänder war im März 2008 für die SPD in den Bezirksausschuss gewählt worden, um ein Jahr später sein Mandat niederzulegen – angeblich aus „beruflichen Gründen“. In Wahrheit wurde er kurz darauf zum dritten Mal wegen eines Sex-Delikts verurteilt.

Stadt: "Nichts bekannt"

„Nach jetzigem Kenntnisstand haben wir im September 2008 – während der Beschuldigte in Untersuchungshaft saß – erstmals von Anschuldigungen, die nicht die Kita betrafen, erfahren. Nach unseren Recherchen gab es davor keine Beschwerden von Eltern über den Beschuldigten. Von Vorfällen in der Kita ist uns bislang nichts bekannt.

Wir schätzen die Situation sehr ernst ein und wollen, dass alle Vorkommnisse umfassend aufgeklärt werden. Deswegen haben wir erneut Strafanzeige gegen den Verurteilten erstattet. Wir gehen davon aus, dass in diesem Rahmen die Geschehnisse geklärt werden. Die Landeshauptstadt wird über einen möglicherweise konkreten Vorfall in der Kita bei der Staatsanwaltschaft Erkundigungen einholen und gegebenenfalls weitere Schritte – auch zum Wohl des Kindes – einleiten. Darüber hinaus sind wir derzeit dabei, die Adressen der damaligen Eltern zu recherchieren, um die Eltern umfassend zu informieren, zu beraten und gegebenenfalls konkrete Unterstützungsangebote zu machen.“

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