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Stadtteil-Serie

Viertelbewohner erzählen: So verwandelt sich Feldmoching-Hasenbergl

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„Es lebt sich gut hier. Nur die Schulsituation ist mangelhaft“, sagt Manuela Massaquoi, Mitglied im BA 24.

Wie sich München wandelt, welche Traditionen Bestand haben und welche Großprojekte anstehen - das erzählen uns Viertelbewohner in unserer großen Stadtteil-Serie.

München - Glasscherbenviertel? Von wegen! Der Münchner Norden mausert sich. Und wer das nicht glaubt, soll gefälligst mal vorbeischauen, sagen viele Bewohner. Aber wie in allen Stadtteilen gibt es auch in Feldmoching-Hasenbergl Herausforderungen: Schulnotstand. In Moosach treibt der geplante Neubau einer ganzen Siedlung die Bewohner um. Und in Milbertshofen muss eine weltberühmte denkmalgeschützte Veranstaltungsstätte profitabel gehalten werden. Wie sich der Norden wandelt, was gut läuft und wo es Unsicherheiten gibt, lesen Sie hier.

Es ist noch gar nicht so lange her, da sei sie gefragt worden, ob man im Hasenbergl eigentlich schon Fenster und Türen habe. Solche Fragen ärgern Manuela Massaquoi. „Die Leute sollen erst mal hierherkommen. Dann sehen sie selbst, was für ein schöner grüner Stadtteil das ist“, sagt die Leiterin des Kulturzentrums 2411, die auch für die SPD im Bezirksausschuss Feldmoching-Hasenbergl sitzt. Als Mitglied des Unterausschusses Schule, Sport, Soziales liegt ihr vor allem die Situation der Kinder und Jugendlichen am Herzen. Inwiefern die Jungen im Viertel vergessen werden, erzählt die 51-Jährige im tz-Interview.

Frau Massaquoi, wie lange leben Sie schon im Hasenbergl?

Manuela Massaquoi: Seit 22 Jahren, im Münchner Norden seit 51 Jahren. Ich bin im Harthof aufgewachsen.“

Hatten Sie dort eine schöne Kindheit?

Massaquoi: Sie war sehr schön: viel Grün, viele andere Kinder zum Spielen. In meiner Jugendzeit haben uns unsere Eltern allerdings schon gewarnt: Geht nicht ins Hasenbergl, da kann es gefährlich sein. Damals mangelte es in dem Viertel an wichtigen In-frastruktureinrichtungen wie Schulen, Kirchen, Gewerbe oder Verkehrsanbindung.

Wie ist die Situation heute?

Massaquoi: In den 70er-Jahren hat sich die Situation total gewandelt. Bauprojekte wie die Verlängerung der U2 oder der Bau des Kulturzentrums 2411 haben zur Aufwertung des Stadtteils beigetragen. Heute befindet sich im Hasenbergl mit der Willy-Brandt-Gesamtschule die einzige bayerische städtische Gesamtschule. Und unsere Stadtteilbibliothek ist die modernste in München. 2012 wurde unser Kulturzentrum 2411 für den 24. Stadtbezirk eingeweiht. Für Jugendliche gibt es die große Skate-Anlage am Goldschmiedeplatz und unsere Jugendzentren.

Was sind die Herausforderungen im Stadtbezirk?

Massaquoi: Eine große Herausforderung ist die enorme Expansion. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist die soziale Infrastruktur: Wir haben kein einziges Gymnasium im Stadtteil. Die Gymnasien im Münchner Norden sind voll oder zu weit weg. Es ist zwar ein Gymnasium in der Bergwachtsiedlung geplant, aber bis das steht, kann es dauern. Wir brauchen eine Zwischenlösung.

Warum wurde nicht längst ein Gymnasium gebaut?

Massaquoi: Vielleicht wurde das bisher nicht als notwendig erachtet. Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch, das ich vor einigen Jahren mit einem Lehrer aus Bayern bei einer Veranstaltung der Bayerischen Schulvereinigung hatte, als ich noch Elternbeiratsvorsitzende an der Schule meiner Tochter war. Der Lehrer meinte damals, ein Gymnasium sei im Hasen-bergl nicht notwendig. Es gebe dort ja nicht so viele intelligente Kinder. Wenn ich solche Aussagen höre, habe ich schon manchmal den Eindruck, dass wir etwas vernachlässigt werden.

Eltern kämpfen für Gymnasium

Baten Bürgermeister Josef Schmid um Hilfe: die Eltern von der Initiative „Gym24“ um Mutter Anke Blankenburg (M.).

Anke Blankenburg hat schlaflose Nächte: Ihre Tochter – sie geht jetzt in die vierte Klasse – hat für nächstes Schuljahr noch keinen Platz an einem Gymnasium. So geht es vielen Eltern in Feldmoching. „Die Situation ist fatal. Alle Schulen in Reichweite sind voll, unsere Kinder werden sonstwohin geschickt. Gröbenzell, Unterschleißheim: über eine Stunde Fahrt – für Fünftklässler!“

Die Eltern haben jetzt die Initiative „Gym24“ gegründet, um sich für eine besserere Schulversorgung im Norden einzusetzen. „Es wird permanent gebaut. An der Ratold- und Raheinstraße entstehen 1000 Wohneinheiten, weitere 2500 sind am Lerchenauer Feld geplant. Was da noch gar nicht berücksichtigt ist, ist die massive Nachverdichtung.“ Seit der Ensembleschutz für den Feldmochinger Ortskern aufgelöst worden sei, schlagen Investoren zu: „Ein altes Haus wird abgerissen und sechs bis acht Wohnhäuser werden hingebaut.“

Einen Hoffnungsschimmer gibt es: „Das Bildungsreferat hat uns versprochen, bis Ende des Jahres kurzfristige Lösungen in Form von Container-Schulen bereitzustellen.“

Wo Astor seine erste Liebe fand

Willy Astor ist im Hasenbergl groß geworden. Der Kabarettist erinnert sich gern an seine alte Heimat. „Mit meinen zwei besten Freunden, dem Bock Herbert und dem Riedel Peter, fing ich an der Volkshochschule in der Schleißheimer Straße das Gitarrespielen an – das hat mein Leben nachhaltig verändert.“

Willy Astor ist im Hasenbergl groß geworden.

Auch seine erste große Liebe fand Astor im Viertel: „In der Ittlingerschule war ich in der Ersten verliebt in die Frau Gimple, für mich als Sechsjähriger das hübscheste Bunny im Hasenbergl. Sie hat aber meine Liebe nur zögerlich erwidert, da hab ich knallhart Schluss gemacht.“

Umso mehr habe er sich dann über die Post gefreut, die er vor drei Jahren erhielt: „Sie hat mir einen entzückenden Brief geschickt, handgeschrieben. Da ging mir das Herz auf.“

Stolz seien die Hasenbergler schon immer gewesen auf ihre Herkunft. „Aber klar, es gab ,Problemzonen‘, in die wir uns abends nicht begeben haben – wie zum Beispiel die Wettersteinstraße oder der Stanigplatz. Da ging es schon oft härter zu.“ Auch im Freizeitheim an der Dülferstraße habe es öfters Schlägereien gegeben. Astor wagte sich trotzdem hin: „Ich hatte meinen ersten Auftritt im Büro des Freizeitheimleiters vor circa acht Zuschauern.“

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Daniela Schmitt

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