Stau auf der S-Bahn-Stammstrecke und Störung bei Höllriegelskreuth

Stau auf der S-Bahn-Stammstrecke und Störung bei Höllriegelskreuth

Kann OB Reiter einschreiten?

Wegen Radlweg: Lerchenauer Kleingärten in Gefahr

+
Sie hoffen, dass sich die Stadtspitze für ihre Nöte interessiert: Die Pächter der Kleingartenanlage an der Feldbahnstraße in der Lerchenau.

Einige der Pächter an der Feldbahnstraße müssen um ihre Kleingärten fürchten. Denn sie sollen für die geplante Nord-Süd-Verbindung einer Rampe für Radfahrer weichen. Hilfe erhoffen sie sich von Oberbürgermeister Dieter Reiter.

München - Wenn Georg Gotter (68) und seine Frau Christl (68) von ihrem Kleingarten an der Feldbahnstraße sprechen, dann merkt man sofort, wie viel Herzblut und Arbeit sie in den Jahren hineingesteckt haben. Seit 1979 haben sie den Garten gepachtet und sich dort in Norden der Stadt eine kleine Oase geschaffen. Viele Sommer haben sie hier zusammen mit ihrer Familie gebracht. Nun sind sie in Rente und könnten den Garten noch mehr genießen – doch nun könnte diesem Idyll ein jähes Ende gesetzt werden. Denn der Garten von Familie Gotter und fünf weitere sollen der geplanten Nord-Süd-Verbindung weichen.

Mit dieser soll eine durchgängigen und funktionsfähige Fuß- und Radwegeverbindung zwischen Sapporobogen im Münchner Süden und dem DB-Nordring im Norden geschaffen werden. Dem geplanten Anschluss von der östlichen Brücke über die Triebstraße zur Unterführung am Nordring sollen in der Kleingartenanlage bis zu sechs Kleingärten geopfert werden.

„Der Erholungswert ist nicht bezahlbar“

Diese Grafik zeigt, welche Kleingärten weichen sollen. 

Für diese Wegeverbindung wurden mehrere Varianten geprüft, 2014 wurden sie bereits im Rahmen eines Runden Tischs besprochen. Hier gab es noch Vorschläge, wie man eine Entfernung oder Umsiedlung der Gärten verhindern könnte, beispielsweise durch eine Verbindung nicht über die östliche, sondern die westliche Brücke über die Triebstraße. Doch in dem im April dieses Jahres vorgestellten Nutzungskonzept finden sich diese Alternativen nicht mehr – eine Tatsache, die die Kleingärtner aus der Zeitung erfuhren.

Betroffen sind auch Inge (65) und Gerhard Kestel (67) und Roswitha und Peter Schünemann (beide 74). Auch sie haben ihre Gärten bereits seit 1979 und über die Jahre viele Erinnerungen gesammelt. „Die ersten Schritte der Kinder und der Enkelkinder waren hier“, erzählt Inge Kestel.

Neben dem emotionalen gibt es auch einen finanziellen Faktor. Denn alle Pächter haben im Laufe der Jahre große Summen investiert. Als sie die Parzellen von der Bahn verpachtet bekamen, war von den heute blühenden Gärten noch nichts zu sehen. Überall reines Brachland, wie sich Peter Schünemann erinnert. „Wir haben alles wegbringen und neuen Humus und Erde herfahren lassen“, erzählt er. „Alles auf eigene Kosten.“ 100 Mark habe damals eine solche Fuhre gekostet, daran erinnern sie sich alle noch genau. Und dabei sei es nicht geblieben. „Allein unser Häuschen hat damals sicher zwischen 8000 und 10 000 Mark gekostet“, sagt Georg Gotter. Insgesamt dürfte jede Partei um die 12 000 Euro für die Erstanlage ausgeben haben. Aber das Geld steht für sie nicht im Vordergrund. „Der Erholungswert ist nicht bezahlbar“, sagt Georg Gotter und erntet einstimmiges Kopfnicken. „Unsere Kinder konnten hier Naturerfahrungen mitten in der Stadt sammeln“, ergänzt Inge Kestel. „Das ist unbezahlbar.“

OB Reiter: Kleingärten „Teil unserer grünen Lunge“

Bei einem Ortstermin vor einigen Wochen mit zwei Mitarbeitern des Baureferats habe man die Alternativen nochmals besprochen. Auf Nachfrage erklärt ein Sprecher des Baureferats: „Vorrangiges Ziel ist es, die Eingriffe in die Kleingartenanlage so gering wie möglich zu halten.“ Dass jedoch auch die Variante über die westliche Brücke, sprich auf Kosten der Kleingärten, gewählt werden könnte, kann nicht ausgeschlossen werden. In diesem Fall würde jedoch für Ersatzstandorte beziehungsweise nach den Regularien des Kleingartenrechts eine Entschädigung angeboten werden, so der Sprecher weiter.

Große Hoffnung setzen die Kleingärtner nun auf Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Denn schließlich hatte dieser mehrfach betont: „Die Kleingärten sind ein Teil von München. Sie sind ein Teil unserer grünen Lunge.“ An Aussagen wie diese wollen die Betroffenen den OB erinnern. Sowohl Georg und Christl Gotter, als auch das Ehepaar Kestel haben bereits Briefe an Reiter, sowie an Bürgermeister Josef Schmid (CSU) und Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) verfasst. Bisher hat nur Strobl geantwortet und zugesagt, sich über den Sachstand zu informieren und sich erneut zu melden. Jetzt wo die Wiesn vorbei ist, hoffen erhoffen die bangenden Gartler auch auf Rückmeldungen von Reiter und Schmid. Und eine Lösung, mit der alle zufrieden sind. „Hier ist doch Platz für alle – für die Kleingärten und die Radfahrer“, betont Georg Gotter. Und Inge Kestl redet OB Reiter ins Gewissen: „Er kann uns gerne hier mal besuchen. Dann sieht er, wie schön wir es hier haben.“

Lisa-Marie Birnbeck

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Stau auf der S-Bahn-Stammstrecke und Störung bei Höllriegelskreuth
Stau auf der S-Bahn-Stammstrecke und Störung bei Höllriegelskreuth
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
München, du hast noch immer ein Problem mit Homophobie!
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 
Münchens größte Werkstadt: Das neue Viertel hinterm Ostbahnhof 

Kommentare