37°-Reporter decken Missstände auf

ZDF-Doku: So verzweifelt sucht diese Familie eine passende Wohnung

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Zu viert auf 54 Quadratmetern: In der Küche der vierköpfigen Familie aus München ist kaum Platz für einen Esstisch.

Eine Familie quetscht sich im Münchner Hasenbergl in eine Wohnung mit 54 Quadratmetern, weil sie keine größere findet. Das ZDF hat die verzweifelte Suche dokumentiert - zum Ärger der Vermieter. 

München - Wenn Angelina H. (34) und ihr Mann Sven (29) mit ihren Kindern Alessandro (9) und Lautaro (2) essen wollen, haben nicht einmal alle Teller und Schüsseln auf ihrem winzigen Küchentisch Platz. Und wenn das Paar schlafen will, muss es erst die halbe Wohnung umräumen: Das Wohnzimmer ist gleichzeitig Elternschlafzimmer. 

Ihre Zwei-Zimmer-Wohnung im Hasenbergl ist mit 54 Quadratmetern viel zu klein für die Familie. Schon seit über zwei Jahren suchen sie nach etwas Größerem. Immer verzweifelter! Das ZDF zeigt das Schicksal der Münchner am Dienstag (22.15 Uhr) in der 37°-Reportage „Zu teuer, zu klein, schon weg“

Das Wohnzimmer ist gleichzeitig Elternschlafzimmer. 

Als sie vor sechs Jahren in ihre Wohnung einzogen, waren sie noch zu dritt, und dachten, dass sie schon was Größeres finden würden, wenn noch Nachwuchs kommt, erzählt Angelina H. verbittert: „Wir waren naiv.“ Dann kam der zweite Sohn, und die Situation spitzte sich zu. Besonders abends ist es schlimm: Der Neunjährige darf länger aufbleiben, kann aber nicht mehr in sein Zimmer, weil dort der Kleine schläft. 

Mutter Angelina H. hat MS und bräuchte dringend mehr Ruhe

Die Enge belastet die ganze Familie. „Wir hatten schon Situationen, wo wir sagten: Einer von uns muss jetzt aus dem Haus, sonst gehen wir uns an die Gurgel.“ Hinzu kommt: Angelina H. hat Multiple Sklerose, bräuchte oft dringend Ruhe. Unmöglich!

Dabei könnten sich die Patent-Anwalts-Fachangestellte und der Spediteur gut eine teurere Wohnung leisten, aber sie finden nichts – obwohl sie nun Zugang zu einer App zur Vermittlung von städtisch gefördertem Wohnraum haben. Sven H. ist verzweifelt: „Ich bin hier aufgewachsen, ich wohne hier. Es kann doch nicht sein, dass die Leute Mieten verlangen, die sich nur noch irgendwelche Manager leisten können!“ 

Das Wohnhaus im Hasenbergl. 

Zumal die Familie aus dem Hasenbergl gern noch ein Kind hätte. Unmöglich in ihrer momentanen Situation. Auch ins Umland hinauszuziehen, wäre keine Option für die Familie. Angelina H.: „Da gibt es kaum Kita-Plätze, und ich müsste vielleicht meinen Job aufgeben.“ 

Angela Lutz-Plank, stellvertretende Geschäftsführerin des Münchner Mietervereins, betont, dass Familien es auf dem angespannten Wohnungsmarkt in München besonders schwer haben. „Vermieter können sich in München ja aussuchen, wen sie nehmen. Da ist das kinderlose Akademikerpaar ohne Haustiere eben der Wunschmieter.“ Inzwischen sei die Wohnungsnot in München so groß, dass selbst gutbürgerliche Doppelverdiener wie die Familie H. aus dem Hasenbergl keine Wohnung mehr finden, die sie bezahlen können. „Generell ist in München immer mehr auch der Mittelstand betroffen. Das ist längst nicht mehr nur ein Thema der Geringverdiener.“ 

ZDF-Autorin: Darum drehten wir diese 37°-Reportage

„Wohnungssuche ist ein Thema, das viele angeht“, so ZDF-Autorin Almut Faass. Es sei schwierig gewesen, Leute zu finden, die sich dabei filmen ließen: „Viele hatten Angst, als unbequem zu gelten und potenzielle Vermieter zu verschrecken.“ Kein einziger Vermieter gab eine Dreherlaubnis für eine Wohnungsbesichtigung. „Vielleicht, weil auch ihnen bewusst ist, dass 17 Euro pro Quadratmeter kaum zu rechtfertigen sind.“

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