„Meine Kinder fühlen sich nicht mehr wohl“

Wie an der Isar in München: Sittenpolizei sorgt für Ärger am Feringasee

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Seit über 20 Jahren sonnen sich am nordöstlichen Ufer des Feringasees Nackerte neben Angezogenen.

Die Sittenwächter sind nicht nur in München an der Isar unterwegs. Auch am Feringasee klagen Badegäste über Kontrollen, die es früher nicht gab.

Unterföhring - Nach der Aufregung um Sicherheitsleute, die Oben-ohne-Badende an der Isar gerügt hatten, gehen nun auch die Nackerten vom Feringasee auf die Barrikaden. Denn auch sie fühlen sich massiv von der Sittenpolizei belästigt! „Es laufen täglich, stündlich, manchmal sogar halbstündlich bis zu vier Security-Leute um den See und fordern einen auf, sich anzuziehen“, beklagt sich Delphine Barnowski (69).

Zwar hat der See auch einen FKK-Bereich, aber im nördlichen Teil gibt es zudem einen Bereich, in dem sich oftmals Nackedeis und Bekleidete gemeinsam sonnen. „Wir sind schon 25 Jahre lang am Feringasee. Dort liegen seit jeher Nackerte und Angezogene bunt durcheinander“, erzählt Barnowski. So war es auch am Freitagnachmittag, aber „früher war hier viel mehr los - meine Kinder kommen schon gar nicht mehr, weil sie sich nicht mehr wohl fühlen“, so Barnowski. Seit zwei Jahren patrouilliere ein Security-Dienst am Badesee. Die Sheriffs seien schwarz gekleidet, manchmal mit gelben Westen. Zudem hätten die Sicherheitsleute Ausweise vom Landratsamt dabei. 

Security am Feringasee in Unterföhring (Landkreis München)

„Am Anfang waren die noch nicht so streng. Da hieß es dann nur, dass wir uns was anziehen sollen, wenn wir auf die Wege gehen“, erzählt Susanne Woelfel (69). Dieses Jahr werde es aber immer schlimmer. Barnowski berichtet: „Letzte Woche wollte mir ein Mann vorschreiben, wie weit ich meine Hose hochziehen muss.“

Die Gemeinde Unterföhring, zu der der Feringasee gehört, hat bereits 2014 eine Verordnung erlassen, die das Tragen von Badekleidung in der Öffentlichkeit vorschreibt. Der FKK-Bereich am Feringasee ist eine Ausnahme. Der Sicherheitsdienst wird vom Landratsamt beauftragt und ist heuer seit dem 30. Mai im Einsatz. Kontrolliert wird immer in Zweierteams. Der Landkreis regelt mit seinen Benutzungssatzungen auch das Verhalten der Badegäste. Die Security-Leute kümmern sich darum, dass die Benutzungsregelungen eingehalten werden. Dem Landratsamt zufolge sind bei diesen Regelungen Vorschriften über das Tragen von Badekleidung aber nicht enthalten.

Wollen sich doch einfach nur sonnen und am Feringasee die Seele baumeln lassen: Delphine Barnowski (l.), Winfried Mühlbauer und Susanne Woelfel fühlen sich von der Sittenpolizei gegängelt.

Ausweichen auf FKK-Bereich für Feringasee-Familie keine Option

Viel Bürokratie - und viel Enttäuschung… „Wir waren früher wie eine Familie, jeder kannte jeden. Hier gibt es keine Spanner, keiner macht Fotos“, erinnert sich Woelfel (69) sehnsuchtsvoll. Auf den FKK-Bereich ausweichen wollen Barnowski & Co. aber nicht - der Parkplatz sei immer voll. „Außerdem hat man da das andere Extrem: Wer nicht komplett nackt ist, wird von den Leuten geschimpft“, sagt Winfried Mühlbauer (65). Zudem machten manche Menschen Fotos. Barnowski fragt sich: „Was ist aus Leben und Leben lassen geworden?“

München: Badekleiderverordnung an der Isar weniger streng

Nicht nur in Unterföhring ­diskutiert man übers Nacktbaden. Auch innerhalb der Stadtgrenzen ist es ein heißes Thema, zuletzt sogar diskutiert im Stadtrat. Die jüngste Entscheidung: Frauen dürfen sich oben ohne an der Isar sonnen - auch außerhalb der FKK-Bereiche. Zuvor gab es Ärger, weil ein Sicherheitsdienst, der im Auftrag der Stadt unterwegs war, Frauen aufgefordert hatte, sich Bikini-Oberteile anzuziehen.

Die Badekleiderverordnung schreibt vor: Wer außerhalb der ausgewiesenen FKK-Flächen unterwegs ist, muss (mindestens) Badebekleidung tragen. Das gelte auch für das Sonnenbaden. Da „Badekleidung“ aber nicht eindeutig definiert wurde, verlangte die CSU Klarheit. Deshalb ergänzte der Stadtrat die Verordnung: Badebekleidung muss die „primären Geschlechtsorgane“ vollständig bedecken. Heißt: Eine Badehose reicht.

Ein Security-Mann soll einer Frau an einem Badesee mit Bußgeld gedroht haben, weil sie oben ohne in der Sonne lag. Wir haben sechs Probleme von Münchner an der Isar aufgelistet - aber der siebte Punkt sorgt für Freude. Traurigerweise ist erst am Donnerstag ein Mann im Feringasee ertrunken. Auch am Starnberger See ereignete sich eine Tragödie.

laf, sb

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