Betrug in zwölf Fällen

Fernheiler verspricht Liebes-Comeback - für 48.000 Euro

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Ursula G. zahlte 48 000 Euro - ohne Erfolg. Alberto M. (r.) zahlt die Summe jetzt zurück.

München - Der selbst ernannte Parapsychologe Alberto M. versprach Ursula G., sie per Fernheilung wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen zu bringen. Wie die Sozialpädagogin dem Scharlatan auf dem Leim ging:

Von Esoterik und „kosmischer Energie“ hat Ursula G. (44) die Nase voll. Die Sozialpädagogin war dem selbst ernannten Parapsychologen Alberto M. (51) aus Zürich auf den Leim gegangen. „Er hat mir versprochen, mir innerhalb eines halben Jahres meinen Ex-Freund zurückzuführen“, berichtete sie am Freitag als Zeugin vor Gericht. 48.000 Euro überwies sie ihm für seine Dienste – ohne Erfolg.

Wegen Betrugs in zwölf Fällen und eines Schadens von 392.000 Euro muss sich der Angeklagte vor dem Landgericht München I verantworten. Zehn Frauen und zwei Männer aus Deutschland fielen auf ihn herein. Er säße in U-Haft, hätte er nicht eine dicke Kaution hinterlegt. In der Schweiz macht er weiter (mittlerweile aber nicht mehr mit deutschen Kunden).

Liebes-Comeback dank "kosmischer Energien und Kräfte"

„Als Parapsychologe sind die erfolgreichsten Werkzeuge allein meine geistigen Kräfte, positiven Gedanken und die mehr als 25-jährige Erfahrung in Sachen Lebensberatung“, schreibt er auf seiner Internetseite. Mittels „kosmischer Energien und Kräfte“ sei er in der Lage, den Partner zurückzubringen. „Die Erfolgsquote ist sehr gut,“ schreibt er. Eine kleine Korrektur. Damals hatte er behauptet, es seien über 90 Prozent. Vorsitzender Richter Max Boxleitner zitiert die Internet-Versprechungen des Angeklagten: „Die Fernbehandlung verlangt den Einsatz außergewöhnlich großer mentaler Krafte …“

Die kosmische Energie reichte für Alberto M. jedoch nicht aus, der deutschen Justiz zu entkommen. „Er setzte die Kunden psychisch unter Druck, um die Behandlung fortzusetzen“, heißt es in der Anklage. In der Hoffnung, den Partner zurückzugewinnen, zahlten die Kunden hohe Summen, eine Frau aus Siegertsbrunn sogar 83.000 Euro!

Alberto M. vertraut seinen Anwälten Peter Federau, Robert Jofer und Till Gontesweiler. Diese vereinbarten hinter verschlossenen Türen einen Deal: Der Angeklagte gesteht, zahlt den Opfern alles zurück und weitere 50 000 Euro an einen gemeinnützigen Zweck. Dafür kriegt er Bewährung.

Angeklagter entschuldigt sich

Für Ursula G. war der Freitag deshalb ein Freudentag. Alberto M. zahlte ihr alles bis auf den letzten Cent zurück! Verteidiger Jofer entschuldigte sich im Namen des wortkargen Angeklagten: „Es tut ihm leid, dass Erwartungen erweckt wurden, die nicht erfüllt werden konnten.“

Glaubt sie an parapsychologische Phänomene? „Damals schon“, sagt sie auf die Frage von Richter Boxleitner – heute nicht mehr. Vor Prozess-Ende sollen noch einige Zeugen gehört werden.

Eberhard Unfried

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