Kein Scherz

"Führer-Kabel": Hitler brachte "Skype" nach München

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Adolf Hitler ließ eine "Fernsehsprechverbindung" bauen.

München/Haßberge - Ein spektakuläres, aber weitgehend in Vergessenheit geratenes Projekt von Adolf Hitler erfährt nun neue Aufmerksamkeit: Er brachte eine Art "Skype" nach München.

Hitler-Dokus und vermeintliche Neuigkeiten zum menschenverachtenden Diktator haben immer noch Konjunktur. TV-Nachrichtensender wiederholen ihre Stücke rauf- und runter, und jede noch so kleine Nichtigkeit wird ausgeschlachtet. Vom durchaus spektakulären so genannten "Führer-Kabel" ist aber selbst manchem geschichtlich Interessierten noch nichts bekannt.

Am Mittwoch widmete sich nun die Main-Post dem Thema. Die Zeitung sprach mit Helmut Hey. Er lebt seit dem Siebzigern auf einem kleinen Hof bei Königsberg (Kreis Haßberge). In seinem Keller liegt eine Verstärkerstation für das Kommunikationsnetz, das die Nazis installiert haben. Dabei war der Hof selbst womöglich nur Tarnung. Die Gebäude wirken von außen sehr harmlos. "Das sollte mit Sicherheit der Tarnung dienen", vermutet Hey. Die Häuser seien unterirdisch verbunden, berichtet er. Ein Keller sei besonders geschützt. "Das war ein abhörsicherer Raum", so Hey.

Kabel von Berlin nach München - zur Bildtelefonie

2011 schrieb der Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Alberg aus Rhön-Grabfeld in einem Aufsatz über das Thema - und trug interessante Details zusammen. Die Verstärkerstation in Heys Hof war nur eine von vielen. Laut Albert gab es insgesamt 48, alle 35 Kilometer, dazwischen noch je eine unbemannte. Das Kommunikationsnetz, das am 12. Juli 1938 eröffnet wurde und aus 1800 Kilometern von 18 Millimetern dickem Kabel besteht, führte laut Albert von Berlin über den Thüringer Wald und Unfinden bei Königsberg bis nach München. Dazu gab es Abzweigungen nach Leipzig und Nürnberg. Von 1939 an sollte es eigentlich bis zum Führerhauptquartier auf dem Obersalzberg erweitert werden - doch dann begann der Zweite Weltkrieg. Gerüchten zufolge war sogar eine Verlängerung bis Rom zu Benito Mussolini in Planung.

Über die Verbindung konnte nicht nur telefoniert werden. Von einer "Fernsehsprechverbindung" ist laut Main-Post in den alten Dokumenten die Rede. Das "Führer-Kabel" (so wird es im Volksmund genannt) von Berlin nach München diente einer Art "Skype". Die Idee der Bildtelefonie gab es also schon vor rund 80 Jahren. Dass das Netz nur für die zivile Nutzung gedacht war, ist unwahrscheinlich - im Zweiten Weltkrieg wurden auch Luftlagebilder übertragen.

Die geringe Aufmerksamkeit für das so genannte "Führer-Kabel" könnte daran liegen, dass weite Teile davon nach Kriegsende an die UdSSR übergeben wurden. Und kleine Schnipsel erst 2011 wieder bei Bauarbeiten am Main entdeckt wurden.

lin

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