Festnahmen bei BMW

Milbertshofen - Dreiste BMW-Mitarbeiter wollten sich wohl etwas dazuverdienen: Im großen Stil ließen sie Ersatzteile des Automobilkonzerns mitgehen, um sie dann weiterzuverkaufen. Mit welchen Tricks sie erfolgreich waren:

Wie haben die dreisten Betrüger das ganze Zubehör in diesen Mengen aus dem Werk geschafft? Diese Frage beschäftigt zurzeit brennend die Münchner Polizei und den firmeneigenen BMW-Ermittlungsdienst, die im Münchner Werk einen florierenden Handel mit gestohlenen Autoteilen aufgedeckt haben.

Im Zentrum des äußerst professionell aufgezogenen Betrugs stehen zwei langjährige BMW-Mitarbeiter (44 und 45 Jahre alt) und ein Zulieferer (45), die gemeinsame Sache machten. Der groß angelegte Coup begann bereits im Februar 2009 und flog nun erst im Oktober auf. In dieser Zeit hatte die Bande bereits einen Schaden von zwei bis drei Millionen Euro angerichtet. Im Umfeld der drei Drahtzieher machten die Beamten des Kommissariats 61 bislang weitere 15 Abnehmer und Helfer ausfindig. Ein Großteil des Geldes wurde offenbar in die Türkei transferiert.

Bevorzugte Ware der Täter waren vor allem die hochwertigen Autositze bzw. Sitzgarnituren. Mit einem relativ einfachen Trick überwanden die drei Täter die strengen Sicherungsmaßnahmen. Sie vergaben Produktionsaufträge und deklarierten einzelne Stücke als „Musterstück für Qualitätskontrolle“. Damit waren diese Sitze automatisch der Produktion entnommen. Auf dieselbe Weise verschwanden auch raue Mengen kleinerer Teile wie BMW-Embleme oder Schaltknäufe. Da der 44-Jährige in der Abteilung für Qualitätskontrolle arbeitete, konnte er offenbar unbemerkt beliebig viele Produktionsaufträge eingeben. Heißt: Er bestellte Sitze, die nur für den Diebstahl gebaut wurden. Das Geschäft florierte prachtvoll: Die Täter waren in der Lage, jeden beliebigen Sitz mit jedem gewünschten Bezug zu organisieren und zu liefern. Um die Lagerkosten klein zu halten, nutzten die Täter alle möglichen privaten Kontakte. Als die Polizei vor wenigen Tagen 21 Objekte in Eching, Freising und Fürstenfeldbruck sowie in Bayreuth, Amberg und Fürth durchsuchte, wurden sogar in Wohnungen die bis zu 7000 Euro teuren Sitze gefunden.

Kleine Werkstätten und Händler gehörten zum Abnehmerkreis, aber auch Privatpersonen. Sogar bei ebay und in diversen Fachforen entdeckte der BMW-Ermittlungsdienst, der eng mit der Polizei zusammenarbeitete, die Angebote der Betrüger-Gang. Die drei Haupttäter sitzen bereits wegen gewerbs- und bandenmäßigen Dienstahls, Hehlerei und Betrugs in U-Haft. Sie geben nur zu, was man ihnen ohnehin schon nachweisen kann.

Dorita Plange

Rubriklistenbild: © dpa

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