YouTube-Video aufgetaucht

Mysteriöser Feuerball: Irre Spekulationen

Ein Screenshot aus dem YouTube-Video.

München - Es dauerte nur wenige Sekunden - doch das Himmelsspektakel versetzte am Montagabend viele Münchner in Aufregung. Was steckte hinter dem mysteriösen Feuerball?

Christian Ude auf dem Weg nach Mykonos – das war wohl die witzigste Theorie für das mysteriöse Objekt, das Montagnacht am Münchner Himmel auftauchte. Ein Leser kommentierte so auf merkur-online.

Gegen 22.30 Uhr war über München mehrere Sekunden lang ein heller Punkt am Himmel zu sehen, der sich rasend schnell von Westen nach Osten bewegte. Zu schnell, um ein Flugzeug zu sein. Auch fehlten die dafür typischen Positionslichter. Zu langsam aber für eine klassische Sternschuppe. Ein Ufo also? Ein Spionagesatellit? Ein neuer Wiesnwirt auf dem Weg in den Wirte-Olymp?

„Nein“, sagt Peter Stättmayer, der Leiter der Volkssternwarte München. Auch dort wurde das Objekt registriert. „Es handelt sich dabei wahrscheinlich um einen Boliden. Um einen Feuerball.“ Das sei im Prinzip eine sehr große Sternschnuppe, ein Meteor. Es könnte sich bei dem Objekt jedoch auch um Weltraumschrott gehandelt haben. „Dafür spricht die Flugbahn von Westen nach Osten, die ist für Weltraumschrott typisch“, erklärt Stättmayer.

Was in München wegen des Hochnebels größtenteils nur als schneller, weißer Punkt wahrnehmbar war, sorgte in anderen Teilen Deutschlands und Europas für ein Himmelsspektakel. Ein Mitglied der Volkssternwarte, das in Ludwigsburg (Baden-Württemberg) wohnt, beschrieb den Boliden als „leuchtend orange“ und „funkensprühend“. Er sei in drei Teile zerbrochen und dabei so hell gewesen, dass Gegenstände am Boden Schatten geschlagen hätten.

Auf einer Seite im Internet, die derartige Beobachtungen archiviert, beschreiben Zeugen aus ganz Deutschland das nächtliche Spektakel. Inwieweit die Beobachtungen zutreffend sind, kann jedoch nicht überprüft werden. Ein Zeuge aus Darmstadt (Hessen) schreibt, nach dem Überflug des Objekts habe es „verbrannt gerochen“. Ein Zeuge aus München-Haar ist überzeugt, dass einige Minuten später aus der Flugrichtung noch ein entferntes Knallgeräusch zu hören gewesen sei. Der Zeuge grenzt jedoch - streng wissenschaftlich - ein: „Ob das mit dem UFO im Zusammenhang steht, kann nicht beurteilt werden.“

War Feuerball ein Spionage-Satellit?

Beobachtet wurde die Sternschnuppe unter anderem in Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen, aber auch in Österreich, Frankreich und der Schweiz. Im Raum Basel gingen Medienberichten zufolge zahlreiche Notrufe bei der Polizei ein. In München hingegen verzeichnete die Polizei – vermutlich wegen der trüben Sicht – keinerlei Meldungen.

Laut Rainer Kresken, Weltraum-Ingenieur bei der Europäischen Raumfahrtorganisation Esa, könnte es sich auch um einen Satelliten gehandelt haben. Das sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Das Objekt sei „auffallend langsam“ gewesen. Da offiziell kein Satellit vermisst werde, könnte es sich sogar um ein geheimes Objekt – um einen Spionage-Satelliten – gehandelt haben. Es sei aber auch nicht auszuschließen, dass es ein natürlicher Felsbrocken war. Die Christian Ude-Theorie hingegen scheint indes zu bröckeln. Ude war Dienstag Vormittag im Wirtschaftsausschuss im Rathaus.

YouTube-Video aufgetaucht

Ein YouTube-Nutzer hat hier ein Video des Feuerballs online gestellt. Die Echtheit ist nicht bestätigt, die Beschreibung wirkt allerdings plausibel. Der User schreibt: "Das Ding flog über den gesamten Himmel, fast durch den Zenit. Das dauerte sicher15 Sekunden und immer wieder sind kleine orange Teile von dem hellgrünen Kopf abgebrochen. Eine Rauchspur konnte ich nicht erkennen, kann aber gut sein, das ich in diesen Momenten einfach wie gelähmt war. Ich schaute auf die Uhr : 22:34 MESZ und habe mich erst mal auf den Boden meiner Sternwarte gesetzt und es realisiert. Das Video ist von meiner Meteor-Kamera auf dem Dach meines Hauses."

Patrick Wehner

 

UFOs? Von wegen! Himmelsphänomene und ihre Ursachen

Wenn in Werner Walters Ufo-Zentrale in Mannheim das Telefon klingelt, kann er manche Himmelsphänomene ganz einfach erklären. Wir zeigen Ihnen eine Auswahl. © dpa
HALE-BOPP: Er schrieb Geschichte: Hale-Bopp war für mehrere Jahrzehnte einer der hellsten und meist beobachtesten Kometen. Erstmals wurde er am 23. Juli 1995 unabhängig voneinander von Alan Hale und Thomas Bopp in den USA entdeckt. Kometen sind Schweifsterne, die die Sonne auf Bahnen umlaufen und zum Großteil aus kleinen, locker verbundenen Staub- und Mineralienteilchen sowie Eis bestehen. © dpa
Sie können einen Durchmesser bis zu 100 Kilometern haben. Wenn der Komet ins Sonnensystem dringt, entreißt ihm der Sonnenwind Gaspartikel, und der Schweif ensteht. © dpa
POLARLICHTER: Polarlichter sind rote, grüne oder blaue schweifhafte, größflächige Lichterscheinungen, die im Bereich der Pole fast täglich vorkommen. Sie entstehen, wenn Elektronen oder andere geladene Teilchen auf die Erdatmosphäre treffen und schließlich als ein Strom in Spiralen entlang auf die Erde treffen. © dpa
Mark Vornhusen von Meteomedia: „Für gewöhnlich werden sie durch das Magnetfeld zu den Polen gelenkt. Wenn aber etwa alle 11 Jahre die Sonne ihre stärkste Aktivität hat, gerät das Magnetfeld durcheinander, und die Polarlichter können auch bei uns erscheinen – das ist übrigens in ein, zwei Jahren wieder der Fall.“ © dpa
GLÜHENDE HIMMELSSPINNE: Von der spektakulärsten UFO-Sichtung hat im November 2009 eine Lufthansa-Crew auf der Strecke zwischen Norwegen und Grönland berichtet. Ufologe Walter klärte damals auf, dass in ihrer Sichtweite der russische Spionagesatellit Kosmos 2455 gestartet war. © dpa
Eispartikel im Raketenschweif und die nur sehr niedrige Umlaufbahn von 195 Kilometern sorgten unter spezieller Beleuchtung für diese glühende Himmelsspinne. © dpa
VENUS: Ein leuchtendes rundes Objekt, das für einen Stern viel zu hell leuchtet! Wenn Augenzeugen dieses Phänomen beobachten, sei es oft die Venus, erklärt Wetterexperte Marc Vornhusen: „Ist sie nahe an der Sonne, sieht man sie nicht. In den Abend- oder ganz frühen Morgenstunden aber kann man sie hell leuchtend tief am West- beziehungsweise Ost-Horizont sehen.“ © dpa
Dieses Foto zeigt einen über Singapur © dpa
DIE ISS: Die Internationale Raumstation kreist in 350 Kilometern Höhe alle 90 Minuten um die Erde. © dpa
Wenn die ISS unsere Breiten überfliegt, erscheint laut Ufologe Werner Walter ein gelbliches Licht „etwas größer als ein Scheinwerfer“, das minutenlang von Westen nach Osten zieht. © dpa
DIE HALOS: Ein Halo (vom griechischen „Halo“ für „Mond“ oder „Sonne“) ist ein Lichteffekt, der durch Reflexion und Brechung von Licht an Eiskristallen in Cirrus-Wolken, an fallenden Schneekristallen oder im Eisnebel entsteht. © dpa
Der Effekt kann laut Vornhusen bis zu 30 unterschiedliche Formen haben. © dpa
„Je nach Form der Kristalle, nach dem Winkel, in dem das Licht auf die Kristalle trifft und nach der Windstärke entstehen am Himmels weißliche oder farbige Kreise, Bögen, Säulen oder Flecken.“ © dpa

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