Dritter Anschlag in zwölf Tagen

Feuerteufel am OEZ: Eine ganze Siedlung in Angst

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Zum Glück wurde beim Brandanschlag am Pfingstsonntag keiner verletzt.

München - Zum dritten Mal innerhalb von nur zwölf Tagen hat ein Brandstifter am Pfingstsonntag die Bewohner der Hochhaussiedlung in der Riesstraße am Olympia-Einkaufs-Zentrum (OEZ) in Angst und Schrecken versetzt.

Spielt da einer Katz und Maus mit Polizei und Feuerwehr? Diesmal traf es die 22 beziehungsweise 19 Stockwerke hohen Häuser der einstigen Olympia-Pressestadt (Ries­straße 82 und 84). Dort sind über 300 Bewohner gemeldet. Um 20.30 Uhr brannten Müllcontainer in zwei verschiedenen Räumen im dritten Untergeschoss.

Und wieder zog der Rauch über die Müllschäch­te in die oberen Stockwerke. Selbst in der 19. Etage schlug noch einer der Rauchmelder an, den sich viele Bewohner in den vergangenen Tagen privat vor ihren Türen installierten. Zwar wurde diesmal niemand verletzt, doch finden viele Bewohner und die Hausmeister keine Ruhe mehr. Sie alle wissen: Eine Rauchvergiftung kann tödlich enden …

Bilder vom Einsatz am 19. Mai

Wieder Brand in Hochhaus in der Riesstraße

Bereits 2012 brannte es sieben Mal bei den Altpapiertonnen. In der Nacht zum 8. Mai dann wurde erstmals ein Kellerabteil im 13-stöckigen Hoch­haus Riesstraße 66 angezündet. Rasch breitete sich der Rauch aus, zog auch in Wohnungen. 100 Bewohner wurden evakuiert, neun erlitten Rauchvergiftungen. Bis heute funktionieren viele Telefone nicht.

In der Nacht zum 14. Mai der nächste Großeinsatz, diesmal in der Riesstraße 74 (13 Stockwerke). Wieder brennt mitten in der Nacht ein Kellerabteil, wieder stürzen Menschen in Panik mit feuchten Tüchern vorm Gesicht durch den giftigen Rauch ins Freie.

Jetzt der dritte Brand! Viele Anwohner durften erst spät nachts wieder ins Haus, wurden vorher von der Polizei registriert und fotografiert. Die Feuerwehr brach vorsichtshalber einige Wohnungstüren auf. Auf allen Fluren hängen jetzt mehrsprachige Zeugenaufrufe der Polizei.

Anwohner berichten schon länger von Verwahrlosungs-Tendenzen in einigen Häusern – und von respektlosen Jugendlichen, die sich während der Löscharbeiten sogar mit Polizisten anlegten.

Der Feuerteufel scheint sich in den Häusern sehr gut auszukennen. Und wahrscheinlich ist er die ganze Zeit in der Nähe gewesen...

So erleben Bewohner die unheimliche Brand-Serie

Mama, sterbe ich?

"Der Flur war plötzlich voll von beißendem Qualm. Ich habe meine Kinder auf den Balkon geschickt und die Wohnungstür mit Klebeband verklebt, damit kein Rauch reinkommt. Meine Tochter Karina (4) hat geweint: 'Mama, muss ich jetzt sterben?' Wir haben Angst."

Marianne M., Hausfrau

Kontrollgänge

"Wir müssen jetzt sehr aufpassen, denn der Brandstifter ist ein Verrückter, der jederzeit wieder zuschlagen kann. Der Kerl ist vermutlich jemand aus der Gegend, der sich hier auskennt. Meine Nachbarn und ich machen jetzt Kontrollgänge im Keller."

Rudolf Henn, Rentner (67)

Sauer auf die Feuerwehr

"Als am 8. Mai im Keller von Hausnr. 66 der Brand ausbrach, hat die Feuerwehr nicht bemerkt, dass der Rauch über den Keller auch zu uns ins Haus 68 gezogen ist. Drüben wurden alle Leute evakuiert, aber nicht bei uns. Ich musste vom 13. Stock die Treppe runter, obwohl ich gehbehindert bin."

Professor Jürgen Glaser (77)

Durfte nicht rein

"Ich war nicht zu Hause, als das Feuer ausbrach. Eine Nachbarin hat mich angerufen: 'Hier brennt alles!' Ich habe mich sofort ins Auto gesetzt, aber die Polizeihat mich nicht reingelassen. Erst am Morgen konnte ich meine Parterre-Wohnung wieder betreten. Zum Glück war nichts beschädigt."

Maria R., Grafik-Designerin

Täter kennt sich aus

"Wir wohnen seit Anfang an hier – das 40-jährige Bestehen des Hauses haben wir groß gefeiert. Bisher hat es nie Zwischenfälle gegeben, aber jetzt haben wir Angst. Der Täter kennt sich in der Gegend aus, vermutlich wohnt er hier. Hoffentlich wird er bald gefasst."

Reiner und Sieglinde B., Rentner

Dorita Plange, Eberhard Unfried

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