Der Feuerteufel vom Westfriedhof

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Wut auf Gott: Bernd H. gab zu, die Grabkreuze angezündet zu haben

München - Bernd H. (50) hat vor Gericht zugegeben, aus Wut im Westfriedhof mindestens 16 Grabkreuze angezündet zu haben.

Eines der schwer beschädigten Grabkreuze auf dem Westfriedhof

Lange war Bernd H. ein frommer Mensch gewesen. 17 Jahre hatte der 50-Jährige beim Bundesnachrichtendienst (BND) als Computer-Experte gearbeitet, war ein gefragter Mann bei der Pullacher Agententruppe. Gesundheitliche Probleme erschütterten seinen Glauben jedoch zutiefst: „Ich glaube nicht mehr an Gott“, sagte er am Donnerstag vor Gericht. Er gab zu, aus Wut im Westfriedhof mindestens 16 Grabkreuze angezündet zu haben. In der Kirche St. Benno hatte er außerdem versucht, zwei Beichtstühle in Brand zu setzen.

Die unheimliche Serie der brennenden Grabkreuze begann am 1. Oktober 2009. Entsetzte Angehörige des Verstorbenen Michael H. mussten feststellen, dass das hölzerne Kreuz angebrannt und völlig verrußt war. In der folgenden Zeit gingen immer wieder hölzerne Kreuze im Westfriedhof in Flammen auf, wobei der unheimliche Feuerteufel Kruzifixe bevorzugte.

Der Täter ging immer auf gleiche Weise vor: Er befestigte Grillanzünder an den Kreuzen, zündete diese an und machte sich aus dem Staub.

Am 5. Dezember stieg Rauch in der Kirche St. Benno (Neuhausen-Nymphenburg) auf: In zwei Beichtstühlen hatte der Täter brennende Grillanzünder unter die Vorhänge gelegt. Ein Glück, dass die Vorhänge aus feuerhemmendem Stoff bestanden, so dass die Flammen nach einiger Zeit von selbst erloschen. Eine Brandermittlerin der Polizei: „Wenn der Vorhang in Brand gerät, dann fängt auch der Beichtstuhl definitiv Feuer.“ In der Kirche wäre zumindest ein großer Rußschaden entstanden!

Nach 20 zerstörten Grabkreuzen konnte die Polizei am 8. Dezember den Feuerteufel auf dem Westfriedhof endlich fassen. Er war wieder dabei, ein Kreuz anzuzünden! Nach anfänglichem Leugnen legte er ein Geständnis ab. Der BND feuerte ihn fristlos.

Weitgehend geständig war er auch am Donnerstag vor dem Schöffengericht, nur vier Fälle gab er nicht zu. Das Motiv? Sein Anwalt Bernhard Beer: „Er fühlte sich veranlasst, dem lieben Gott seinen Unmut zum Ausdruck zu bringen.“ 1998 habe er einen Kehlkopfkrebs überstanden, berichtete der Angeklagte. Dann habe er unter Magenbeschwerden gelitten: „Ich hatte Angst, dass es wieder Krebs ist.“ Er hatte zudem Zweifel an Gott bekommen, als er über Kinderschänder in der Kirche gelesen hatte: „Ein lieber Gott kann so etwas nicht zulassen.“

Wegen gefährlicher Brandstiftung (in der Kirche), gemeinschädlicher Sachbeschädigung und Störung der Totenruhe forderte Oberstaatsanwalt Kai Gräber zwei Jahre Haft auf Bewährung . Das Schöffengericht blieb drei Monate darunter.

Eberhard Unfried

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