Alarm bei den Rettern

Bei der Feuerwehr mangelt's am Brandschutz

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Das Feuerwehrhaus in Großhadern entspricht nicht mehr den Vorschriften. Ein Neubau ist nötig

München - Alarm bei den Rettern: Die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr bröckeln. Bei den Brandschützern mangelt es am Brandschutz! Die Probleme sind lange bekannt.

Alarm bei den Rettern: Die Gerätehäuser der Freiwilligen Feuerwehr bröckeln. Jetzt will die Stadt ein millionenschweres Sanierungsprogramm beschließen, um zunächst wenigstens sechs der 22 Wachen auf den Stand der Technik zu bringen. Bei den Brandschützern mangelt es am Brandschutz!

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Die Probleme sind lange bekannt: „Die meisten Gerätehäuser wurden in den 70er-Jahren gebaut. Da muss man nach 30 Jahren über eine Sanierung nachdenken“, sagt Kommandant Rupert Saller. Vor vier Jahren hat der Stadtrat eine Untersuchung beschlossen. Bislang aber hatten die Profis von der Berufsfeuerwehr Vorrang, erklärt Kommunalreferent Axel Markwardt (SPD). Die Stadt saniert die Hauptfeuerwache und baut die Wachen 4 (Schwabing) und 5 (Ramersdorf) neu.

Für die Münchner sind die Freiwilligen genauso überlebenswichtig: Die 22 Standorte der 932 Feuerwehrler liegen eher am Stadtrand, wo München am stärksten wächst. Dort sind die Amateure oft schneller vom Arbeitsplatz über die Wache zum Feuer geeilt als die Profis, die sich durch den Stau quälen müssen. Die Freiwillige Feuerwehr leistet 2000 Einsätze im Jahr, alle Kräfte können unter Atemschutz arbeiten. Sie übernehmen dazu wichtige Spezialaufgaben – in Hubschrauber, ABC-Zug oder bei Katastrophen.

Die Gerätehäuser sind nicht mitgewachsen. Sechs Standorte haben deshalb hohe Priorität:

In Großhadern stammt das Gebäude aus den 30er-Jahren. „Da passen neue Fahrzeuge gar nicht mehr rein“, sagt Kommandant Saller. Hier ist ein Neubau fällig. In vielen anderen Hallen beträgt der Abstand zwischen Wand und Auto 30 Zentimeter. Quetschgefahr für den Feuerwehrler!

In Freimann liegt das Gerätehaus in einer 30er-Zone zwischen Kirche und Wohnhäusern. Einrückende Kameraden und ausrückende Löschfahrzeuge kommen sich in die Quere. Wertvolle Sekunden gehen verloren. Jetzt sucht die Stadt einen besseren Standort. Gerade hier können nur die Freiwilligen die Hilfsfrist von zehn Minuten zwischen Alarm und Einsatz vor Ort einhalten. Aus dem gleichen Grund besteht auch in Allach dringender Handlungsbedarf.

Höchste Priorität haben außerdem die Häuser in Oberföhring, Sendling und Michaeliburg – dort sitzen Spezialeinheiten. Diese sechs Häuser dürften die Stadt bis zu 20 Millionen Euro kosten, schätzt das Baureferat. Kommandant Saller ist mit dem Programm zufrieden.

Für die weiteren Standorte könnte noch einmal das Doppelte fällig werden. Die Probleme sind fast überall gleich: Heizung und Wasserleitungen müssen erneuert werden. Der Brandschutz liegt im Argen, weil zum Beispiel in den Autos immer mehr anfällige Elektronik eingebaut ist, erklärt Saller. Die Gerätehäuser sind nicht einmal an das städtische Computer-Netz angeschlossen!

Eng ist es überall: Fast nirgendwo gibt es Umkleiden. Die Schutzkleidung hängt in den Wagenhallen und wird völlig eingerußt. Geschlechtergetrennte Bäder gibt es auch nicht – dabei ist mittlerweile fast jeder zehnte vermeintliche Feuerwehrmann eine Feuerwehrfrau!

Immerhin: Die Gerätehäuser stehen sicher. Nachdem in Obermenzing Einsturzgefahr bestand, wurden schnell Stahlträger eingebaut.

David Costanzo

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