Romana Langwieder von der Berufsfeuerwehr München

„Ein Schreibtischjob kam nicht in Frage“

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Auch wenn die Kleidung nicht immer passt, ist Romana Langwieder von der Berufsfeuerwehr München glücklich im Beruf.

Bei der Feuerwehr arbeiten – das ist oft ein Traum von Buben und jungen Männern. Doch mittlerweile rücken auch die Frauen nach. Bei der Berufsfeuerwehr München gibt es mittlerweile 18 aktive Feuerwehrfrauen – Romana Langwieder ist eine von ihnen.

Wenn die Münchnerin Romana Langwieder an Einsatzorten den Helm abnimmt, sind Passanten überrascht – viele Menschen erwarten keine junge Frau in der Uniform der Feuerwehr. Die 26-Jährige nimmt das gelassen – schließlich folgt auf die überraschten Gesichter meist die Neugierde. In der Hauptfeuerwache in der Münchner Altstadt schiebt Langwieder Dienst. Bei der Berufsfeuerwehr München ist sie eine von 18 aktiven Feuerwehrfrauen, fährt also zu Einsätzen und verbringt zehnmal pro Monat 24 Stunden in der Hauptwache. Angefangen hat sie bei der Freiwilligen Feuerwehr in ihrem Heimatort Freilassing im Berchtesgadener Land. „Ich wollte etwas Sinnvolles in meiner Freizeit tun.“ Auf dem Land sei es zwar nicht ganz so üblich, als Frau zur Feuerwehr zu gehen. Aber es sprach sie an, dass die Vereine Tradition lebten. Und Romana Langwieder war auch nicht die erste Frau bei den Floriansjüngern in Freilassing. „Ich musste mich trotzdem erst einmal beweisen, habe aber gemerkt, dass mich das motiviert.“ Dass sie einmal als Feuerwehrfrau arbeiten würde, hatte Langwieder bei der Vereinstätigkeit immer im Hinterkopf. „Ein Schreibtischjob kam nicht in Frage, etwas Technisches sollte es schon sein.“

Sport, schlafen und essen

Als herausfordernd hat Langwieder den Sporttest empfunden, auf den sie sich mit einem Trainingsplan lange vorbereitete. „Ich habe nichts gemacht außer Sport, schlafen und essen“, berichtet sie lachend. Ohne Kraft geht es in dem Beruf nicht, denn die Ausrüstung der Feuerwehrleute wiegt gut 20 Kilo, und im Einsatz kann es vorkommen, dass schwere Gegenstände zu bewegen sind. Deswegen ist die bestandene Sportprüfung auch Voraussetzung, um am schriftlichen und handwerklichen Test teilzunehmen. Dabei müssen Bewerber etwa unter Beweis stellen, dass sie Kopfrechnen können und mit einer Säge umzugehen wissen. Ist auch diese Prüfung geschafft, gibt noch der Amtsarzt das Okay. Gleich im ersten Anlauf schaffte Langwieder den Test und begann im Oktober 2015 die Ausbildung, übrigens als einzige Frau in ihrem Jahrgang. „Ich stand dabei schon im Mittelpunkt, das mag ich allerdings nicht so.“ Zuerst besuchen angehende Feuerwehrleute die Feuerwehrschule, wo zunächst der theoretische und praktische Unterricht im Vordergrund stehen. Zum Beispiel wird der Einsatz bei einem Zimmerbrand geübt – „so oft, bis jeder Handgriff sitzt.“ Die Azubis werden außerdem zu Rettungssanitätern ausgebildet und absolvieren Praktika in Kliniken. Dabei hat Romana Langwieder auch den Führerschein für Rettungswagen erworben, den Löschwagen darf sie aber erst nach einem zusätzlichen Lehrgang fahren. Natürlich sind für die jungen Berufsfeuerwehrleute auch Praktika auf der Feuerwache Pflicht.

Immer zuerst vor Ort

Als Feuerwehrfrau auf der Hauptwache fährt Romana Langwieder vor allem zu First-Responder-Einsätzen. Geht im Rathaus die Brandmeldeanlage los, zieht die 26-Jährige ihre Ausrüstung an und ist innerhalb weniger Minuten mit ihren Kollegen vor Ort. Auch wenn über den Notruf eine nicht ansprechbare Person gemeldet wird, rückt Langwieder mit aus. Großbrände sind selten. Ein richtiges Wochenende gibt es für Feuerwehrleute nicht, auf drei 24-Stunden-Schichten folgen vier freie Tage. Da macht es dann bei der Feuerwehr keinen Unterschied, ob Frau oder Mann, Familie oder kinderlos, mit dem Schichtdienst müssen sich alle arrangieren. „Am Anfang musste ich mich immer noch einmal bei den Kollegen beweisen, aber mittlerweile spielt das Frausein keine Rolle mehr.“ Auch Feuerwehrmann Stefan Osterloher, der im Pressedienst arbeitet, bestätigt: „Die Zeiten, in denen das Geschlecht eine Rolle gespielt hat, sind vorbei.“

Bei einer Sache ist Romana Langwieder allerdings recht unzufrieden damit, dass bei der Feuerwehr nicht zwischen Männern und Frauen unterschieden wird: Es passiert schon einmal, dass sie viel zu große Pullover oder T-Shirts anziehen muss. Frauenkleidung gibt es von Herstellerseite nicht.

Andrea Dittmar

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