Fiese Falle am Uptown-Munich-Hochhaus

Hier zerschellen täglich Vögel

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Das Uptown Munich-Hochhaus

München - Auf dem Gelände des Uptown-Munich-Hochhauses kracht es alle paar Minuten. Grund dafür sind Vögel, die nichtsahnend gegen die riesigen Glasscheiben klatschen. Jetzt will der Vogelschutz aktiv werden.

An manchen Herbsttagen knallte es an den gläsernen Verbindungswänden der Campusgebäude auf dem Gelände des Uptown Munich-Hochhauses alle paar Minuten. Dann mussten Mitarbeiter und Patienten des Instituts für Präventive und Rehabilitative Sportmedizin der TU München machtlos mitansehen, wie wieder so ein armer Vogel mit gebrochenem Genick an der Scheibe herunterrutschte und sein kleines Leben aushauchte.

Viele kleine Piepmatze müssen sterben.

Oft kamen dann die Krähen und zerlegten die Kadaver. „Das ist einfach ein furchtbarer Anblick und ein völlig sinnloses Sterben,“ empörte sich die Sportwissenschaftlerin Melanie Rank und beschloss, etwas zu unternehmen. Bei Sylvia Weber vom Münchner Landesbund für Vogelschutz rannte sich damit offene Türen ein. „Wir kämpfen schon so lange gegen dieses vielfältige Glasproblem und sind der Meinung, dass solche großen Flächen künftig nur noch mit Auflagen zum Vogelschutz genehmigt werden sollten. Irgendwo ist doch mal Schluss mit der gestalterischen Freiheit der Architekten.“

Die durchsichtigen Trennwände auf dem TU-Campus sind leicht 50 Meter hoch und werden von Vögeln nicht als Hindernis erkannt. Im Falle des Uptown-Towers durchschneiden sie sogar Grünflächen. „Auf dem Weg von Baum zu Baum knallen die Vögel dann in vollem Flug gegen die Scheiben.“ Im letzten Herbst – immer zur Vogelflugzeit – ist auf diese Weise eine ganze Gruppe von zehn Kohlmeisen gestorben. Auch ein Kuckuck, ein Turmfalke, Wintergoldhähnchen und einen Fasan hat es schon erwischt. Insgesamt haben die Mitarbeiter heuer bereits über 50 Vogelkadaver gefunden und mehrfach die Tierrettung „für die wenigen Überlebenden“ gerufen.

Melanie Rank hat nun die zuständige Münchner Hausverwaltung Jones Lang La Salle verständigt, die versucht, das Problem zu lösen. Mit ein paar aufgeklebten Greifvogel-Silhouetten oder Punkten ist es allerdings nicht getan. Damit Vögel ein Glas-Hindernis erkennen, muss die gesamte Fläche gekennzeichnet werden. Der LBV hat dazu eine Informationsbroschüre (info@lbv-muenchen.de) erarbeitet.

Die Campus-Vorfälle wurden dokumentiert. Der LBV lässt prüfen, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz vorliegt.

Dorita Plange

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