Filmreife Verfolgung: Hollywood in Haidhausen

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„Ein Dank an die Bürger“, sagen die Beamten Jürgen Scheffler (li.) und Stephan Funk

München - Sind wir hier in Hollywood? Es war eine filmreife Verfolgungsjagd, die sich da in Haidhausen abgespielt hat. Weniger spektakulär war hingegen die Beute. Es ging um fünf Euro.

Ein älterer Herr hat am vergangenen Donnerstagnachmittag verdutzt geschaut, als plötzlich die Mercedes-Tür aufging und zwei Polizisten Platz reinsprangen: „Verfolgen Sie bitte die Täter!“ Es war eine filmreife Verfolgungsjagd, die sich da in Haidhausen abgespielt hat.

Zuvor hatte ein 14-jähriger Schüler im Park hinter dem Gasteig eine Gruppe Jugendlicher beobachtet, die einer Schülerin (16) den Geldbeutel aus der Handtasche klauten. Er verständigte die Polizei – die war sofort da und heftete sich an die Fersen zweier Flüchtiger. Die anderen waren schon zuvor abgehauen. „Der Vorsprung betrug fast 150 Meter“, berichtet Polizeioberkomissar Jürgen Scheffler. Kurzerhand bedienten sein ziviler Kollege und er sich also des Mercedes’ eines Fahrers, der an der Ampel stand.

Die Täter flitzten über die Kellerstraße und die Preysingstraße, Beamte hinterher. Zu spät: Die Jugendlichen sprangen in die Tram 25 stadtauswärts. Scheffler versuchte, den Fahrer zum Halten zu bewegen. Der dachte, es handele sich um einen verspäteten Fahrgast und fuhr deshalb weiter.

In diesem Augenblick hupte der Fahrer eines roten Jeeps, die Beamten sollten einsteigen. An der Haltestelle Rosenheimer Platz konnte die Polizei die Bahn zum Halten zwingen. Ein Täter sprang raus. Scheffler spurtete hinterher, quer über den Haidhauser Christkindlmarkt. „Die Bürger haben gerufen ,Haltet den Dieb!’ und haben uns den Weg des Täters gezeigt.“ Ein Passant versuchte vergebens, den Täter umzurempeln. Der nächste hatte Erfolg: Er stellte ein Bein – der Jugendliche fiel und die Beamten konnten ihn festnehmen.

Derweil kümmerten sich die Kollegen um den zweiten Flüchtigen. „Der dachte wohl, er könne sich in der überfüllten Trambahn verstecken“, sagt Polizeioberrat Stephan Funk. „Aber die Fahrgäste führten uns zu ihm.“ So ging auch der ins Netz.

Unterdessen war auch ein dritter Beteiligter ausfindig gemacht, der vierte ist noch nicht gefasst. Funk: „Ich bin schon viele Jahre dabei, aber die Kooperation der Bürger bei diesem Einsatz war einmalig. Wir haben nur unseren Job gemacht – aber das war Teamwork mit den Passanten.“ Die Ausbeute der Diebe waren übrigens fünf Euro.

nba.

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