"Mama, du hast nichts zu befürchten"

Polizei will nicht gegen Raquels Mutter vorgehen

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München - Was hat die Mutter nur dazu bewogen, ihr Baby in einem Hausflur in der Borstei abzustellen? Die Polizei sucht händeringend nach Raquels Mama - aber nicht, um sie zu bestrafen.

Was hat die Mutter nur dazu bewogen, ihr Baby in einem Hausflur in der Borstei abzustellen? War es soziale Not? Oder hat sie psychische Probleme? Die Polizei sucht jetzt händeringend nach Raquels Mama – aber nicht, um sie zu bestrafen, sondern um der Kleinen eine gute Zukunft zu bereiten.

In diesem Korb stellte die Mutter das Kind, eingewickelt in ein blaues Tuch, in einem Treppenhaus in der Borstei ab.

Nur mit einer leichten Unterkühlung wurde das Mädchen am Mittwoch ins Klinikum Dritter Orden in Nymphenburg gebracht. „Ansonsten ist die Kleine gesund“, so die Sprecherin des Klinikums. „Es ist ein zartes Mädchen.“ Gerade mal gut zweieinhalb Kilo bringt das Baby auf die Waage, das eine Bewohnerin der Wohnsiedlung in Moosach in ein Tuch gewickelt in einem Korb entdeckte (tz berichtete). Darin lag auch ein Zettel: „Bitte kümmern Sie sich gut um sie. Ich kann es nicht! Ein Tag alt und heißt Raquel.“

Das Jugendamt ist jetzt für das kleine Mädchen zuständig. In den kommenden Tagen wird es zu Pflegeeltern kommen, wenn sich die Mama nicht doch noch meldet.

„Unser erstes Ziel ist es, dass wir Mutter und Kind zusammen führen können“, so Polizeisprecher Sven Müller. „Wir ermitteln auch nicht wegen Kindsaussetzung, weil das Baby ja nicht ungeschützt an einer viel befahrenen Straße abgelegt worden war.“

Müller geht davon aus, dass die Frau in einer sozialen oder psychischen Notlage war. Mütter leiden oft nach der Geburt ihres Kindes an einer so genannten postnatalen Depression, die mit dem Geburtsstress und den hormonellen Änderungen zusammenhängen kann. Polizeisprecher Müller: „Es gibt viele Hilfsangebote für junge Mütter in Nöten.“

Der Hausflur in der Borstei

Es wäre nicht das erste Mal, dass eine Mutter ihr ausgesetztes Kind doch noch annimmt. So erinnert man sich im Klinikum Dritter Orden noch an das Findelkind Emmy Lovery, das im März 1999 von einer Frau in Gröbenzell entdeckt wurde. Nachdem die Mutter ihren kleinen Sohn in der Zeitung gesehen hatte, meldete sie sich und bekam das Kind zurück.

Auch im Fall einer Rumänin, die 2009 ihr Kind kurz vor Weihnachten in einer Kirche in Pöttmes bei Augsburg abgelegt hatte, wurden die Ermittlungen eingestellt, da die Mutter das Kind keiner konkreten Gefahr ausgesetzt hatte.

Johannes Welte

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