Flächen für 320.000 Menschen

Wo in der Region neuer Platz zum Wohnen entsteht

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So lesen Sie die Karte: Für jeden der umliegenden Landkreise gibt es einen Flächennutzungsplan – darin sind auch Bauflächen aufgeführt. Für die Stadt München selbst gibt es Schätzungen, wie viele Wohnungen man bauen kann. Wir haben außerdem notiert, wie viele neue Einwohner bis zum Jahr 2035 voraussichtlich zuziehen werden. Die Differenz zeigt, ob es enger wird (negativ) oder luftiger werden kann (positiv).

München wächst unaufhaltsam. Das Statistische Landesamt rechnet mit 400.000 zusätzlichen Einwohnern in der Region – in weniger als 20 Jahren. Doch wie viel Platz kann die Region ihren neuen Einwohnern überhaupt bieten?

München - Die Landeshauptstadt wächst unaufhaltsam. Das Statistische Landesamt rechnet mit 400.000 zusätzlichen Einwohnern in der Region – in weniger als 20 Jahren. Doch wie viel Platz kann die Region ihren neuen Einwohnern überhaupt bieten. Dieser Frage ist der Planungsverband Außerer Wirtschaftsraum München (PV) nachgegangen und kommt zu dem Schluss: Der Platz reicht nicht. PV-Chef Christian Breu fordert ein Umdenken: „Der Platz reicht sonst nicht.“

In seiner Studie hat der PV die Flächennutzungpläne der umliegenden Landkreise durchforstet und so die theoretisch bebaubare Fläche berechnet. „Die Zahlen sind allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wir rechnen damit, dass tatsächlich nur die Hälfte dieser Flächen auch wirklich bebaut werden kann“, sagt Breu. Andererseits gebe es noch Potenzial für Nachverdichtungen bereits bebauter Flächen, die in der Statistik nicht auftauchen. 

Bis 2035 etwa 100.000 neue Wohnungen im Umland

Das gleiche gilt für brachliegende militärische Flächen oder Bahnanlagen, die sogenannten Konversionsflächen. Hier könnten in Erding, Freising, Fürstenfeldbruck, Feldafing, Penzberg und Pulluch insgesamt 25.000 Wohneinheiten entstehen. Im gesamten Umland rechnet der Planungsverband damit, dass bis 2035 etwa 100.000 zusätzliche Wohnungen gebaut werden. Die Stadt München rechnet im Rahmen ihrer langfristigen Siedlungsentwicklung zusätzlich mit 61.200 Wohnungen – ohne Nachverdichtungen. Insgesamt stehen also knapp 160.000 zusätzliche Wohnungen zur Verfügung – zu wenig. Denn nach Berechnungen des PV finden hier nur 320.000 und nicht 400.000 Einwohner Platz.

„Es kann aber nicht alles so bleiben, wie es ist“

Die Gründe sind vielfältig. „Ein Problem ist die mangelnde Verfügbarkeit von Flächen“, sagt Breu. Eigentümer scheuen den Verkauf, etwa weil die Zinsen derzeit so niedrig sind oder auch weil der Verkauf – gerade für Landwirte – steuerlich ungünstig ist. Breu beklagt zudem die geringe Akzeptanz der Bürger. „Es kann aber nicht alles so bleiben, wie es ist“, mahnt Breu. Denn letztlich hängt die wirtschaftliche Stärke der Region auch daran, ob es gelingt, die Neubürger unterzubringen.

Das bestätigt Peter Kammerer, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der IHK für München und Oberbayern, gegenüber der tz: „An der Siedlungsentwicklung und der Weiterentwicklung der Mobilität wird sich die Zukunft der Region entscheiden.“

Das Potenzial von Nachverdichtungen ist gerade in der Stadt groß. „Ein Stockwerk draufzusetzen ist eigentlich überall möglich. Das bringt bei größeren Siedlungen mehr, als ein komplett neues Baugebiet“, meint PV-Chef Breu. Für jede neue Wohnung könne eine weitere durch Nachverdichtung gebaut wird.

Interviews: Stadt oder Land – was ist Ihnen lieber?

Alexandra Krabbel (20), Schülerin, Heimstetten: München ist mir zu teuer, deswegen bin ich an Heim­stetten gebunden. Ich wohne dort aber sehr gerne! Das ist nur ein Stunde Fahrt am Tag, das müssen ja manche Münchner selbst auch fahren. Zudem brauche ich kein Auto.

Manfred Protschka (47), Erzieher, München: Ich muss bei meinem Job in Hallbergmoos extrem pünktlich sein. Da meine S-Bahnlinie oft ausfällt, muss ich vorsichtshalber immer eine früher nehmen. Trotzdem wohne ich lieber in der Stadt – in Hallbergmoos ist es auch kaum günstiger.

Fabio Del Tufo (39), selbstständig, Forstern (Lkr. Erding): Ich pendle täglich drei Stunden. Mit der S-Bahn bis Markt Schwaben und dann auch noch mit dem Auto weiter, da kommen nochmal 50 Euro an Sprit hinzu! Ich wohne persönlich lieber außerhalb der Stadt und habe großes Glück mit meinem Haus.

Sebastian Forster (19), Berufsschüler, Markt Schwaben: Ich wohne noch zu Hause, da das finanziell die einzige Lösung ist. Es ist auch gar nicht so unpraktisch, weil daheim der Bahnhof zu Fuß erreichbar ist. Allerdings bin ich 1,5 Stunden am Tag unterwegs – das hält mich vom breiten Freizeitprogramm Münchens fern.

Sara Michali (34), Lehrerin, Ismaning: Ich wohne in Ismaning, wo es früher günstig war. Aber mittlerweile findet man dort fast nichts mehr zu einem fairen Preis – fast wie in München. Außerhalb zu wohnen, kostet mich allerdings fast anderthalb Stunden S-Bahnfahrt am Tag und dazu 85 Euro monatlich!

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