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Zahl der Organspender sinkt

Der flammende Appell ans Herz der Münchner

Ursula Drumm (62) lebt seit 20 Jahren mit einem neuen Herzen – und denkt jeden Tag dankbar an die unbekannte Spenderin

München - Schock für viele Betroffene: Die Zahl der Organspender sinkt dramatisch. Dabei sind viele Menschen auf Spenden angewiesen, wie auch die bewegende Geschichte von Ursula Drumm zeigt.

Herzspezialist Professor Rüdiger Lange appelliert an die Münchner: „Zeigen Sie Herz – als Organspender!“

Frisierte Laborwerte und manipulierte Krankenakten, Ärzte im Visier der Staatsanwaltschaft – der Imageschaden für die deutschen Transplantationszentren ist gewaltig, auch das Klinikum rechts der Isar steht im Kreuzfeuer der Kritik. Der Bayerische Rundfunk berichtet jetzt auch noch von zwei Fällen, in denen Blutproben mit Urin manipuliert wurden – vermutlich um den Patienten so leichter ein Spenderorgan zu besorgen. Seit Freitag ist deshalb die Warteliste für Lebertransplantationen geschlossen.

Der Skandal ist fatal, besonders dramatische Folgen drohen aber den schwerkranken Patienten. „Viele von ihnen sind ohne eine Spenderorgan zum Sterben verdammt“, warnt Professor Rüdiger Lange. „Es wäre aus medizinischer Sicht fatal und aus menschlicher Sicht niederschmetternd, wenn die Bereitschaft zur Organspende jetzt nachlassen würde.“

Die Statistik sei besorgniserregend, sagt der erfahrene Chefchirurg des Deutschen Herzzentrums: „Schon seit Jahresbeginn werden in Deutschland etwa zehn Prozent weniger Organe gespendet als im Vorjahr. Und damals waren die Vorfälle in den Transplantationszentren noch gar nicht bekannt.“ Was, wenn die lebenswichtige Zahl weiter schrumpft?

In der tz appelliert Professor Lange leidenschaftlich an das Herz der Münchner – im besten Sinne des Wortes: „Als Organspender können sie verzweifelten Menschen die Chance auf ein neues, lebenswertes Leben schenken.“

Wie wertvoll dieses Geschenk ist, beweist Ursula Drumm. Die 62-Jährige hat 1992 ein neues Herz bekommen, Professor Lange stand damals am OP-Tisch. Im November jährt sich die Operation zum 20. Mal: „Mir geht es immer noch gut – und ich danke meiner Spenderin und beinahe jeden Tag dafür“, sagt die Patienten. In der tz erzählt Ursula Drumm ihre bewegende Geschichte.

Andreas Beez

„Ich denke jeden Tag an meine Spenderin“

Ursula Drumm weiß, wie sich Todesangst anfühlt. Seit diesem Moment in der Herzklinik, als ihr der behandelnde Kardiologe reinen Wein einschenkte: „Ihr Herz ist so groß wie ein Luftballon. Da ist nicht mehr viel zu machen. Es kann jederzeit platzen.“

Auch heute noch, mehr als zwei Jahrzehnte später, kann sich die 62-Jährige an jedes einzelne Wort des Arztes erinnern. Dem unauslöschlichen Albtraum zum Trotz lebt die tapfere Patientin immer noch. „Sehr gut sogar“, wie die Hockenheimerin betont. Das hat die lebensfrohe Mutter einer Toten zu verdanken. Ihr Herz schlägt nun schon seit 1992 in Ursula Drumms Brust.

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Drumm weiß praktisch nichts über ihre 34-jährige Lebensretterin – so wollen es die Vorschriften. Und doch haben ihr die Ärzte, darunter auch Professor Rüdiger Lange, eine entscheidende Information nicht vorenthalten: „Die Verstorbene trug einen Organspenderausweis bei sich, das hat meiner Psyche sehr geholfen“, erzählt Ursula Drumm. „Ich denke jeden Tag an meine Organspenderin. Ich betrachte ihr Herz als großes Geschenk.“

Rückblende: Der 24. März 1981, vier Tage nach Ursulas 31. Geburtstag. Die Verkäuferin lag nach einem langen Arbeitstag bereits im Bett, ihr Mann Norbert war gerade noch im Bad. „Ohne Vorwarnung, ohne das geringste Zeichen einer Andeutung jagten wahnsinnige Schmerzen durch meinen Brustkorb. Ich glaubte, jemand bohrt mit einem Messer in meiner Brust herum. Mein Oberkörper war wie gelähmt. Vor lauter Schmerzen gelang es mir nicht mal, auch nur einen Finger zu heben. Ich bat Norbert, einen Arzt zu holen.“ Die Diagnose stand schnell fest: ein schwerer Herzinfarkt!

Später wurde auch noch ein Aneurysma entdeckt – eine lebensgefährliche Arterien­erweiterung.

Im Krankenhaus kämpften die Ärzte verzweifelt um ihre junge Patientin. Hinterher erfuhr Ursula Drumm, dass ihre Überlebenschance in der ersten Nacht bei unter 50 Prozent gelegen hatte.

Die zähe Kämpferin konnte zwar dem Tod entrinnen, ihr Herz hat sich aber von dem Infarkt nie mehr richtig erholt – im Gegenteil: Die Pumpe verlor von Jahr zu Jahr an Kraft, jede Lebensqualität schwand.

Kurz vor der Transplantation verstärkten sich Ursula Drumms Beschwerden so sehr, dass sie ihren Alltag nicht mehr alleine meistern konnte: „Ich träumte davon, mal wieder einen großen Korb Wäsche bügeln zu können – ohne Nitrospray, ohne Herzstolperer und ohne ständige Atemnot.“

Doch der Wunsch nach Normalität rückte immer weiter in die Ferne – und die Angst vor dem plötzlichen Ende stetig näher: „Täglich, ja stündlich konnte mein Herz bei der geringsten Anstrengung seinen Dienst aufgeben.“ Ursula Drumm kam auf die Warteliste für ein Spenderorgan.

Im November 1992 pflanzten ihr die Ärzte das Herz ein – das Martyrium war aber noch nicht zu Ende: Das Organ zeigte Abstoßreaktionen, die Ärzte mussten starke Medikamente einsetzen. Ursula Drumm meisterte auch diese lebensbedrohlichen Wochen – und inzwischen geht es ihr richtig gut: „Ich habe Blutwerte wie andere Menschen auch, muss nicht mehr viele Medikamente nehmen. Ich bin belastbar, mache Nordic Walking.“

Das Spenderherz entpuppt sich für Ursula Drumm auch zwei Jahrzehnte nach der Transplantation als besonderer Glücksfall. Denn normalerweise liegt die Chance, dass ein verpflanztes Herz auch nach 20 Jahren noch funktioniert, nur bei rund 30 Prozent. Aber Ursula Drumm lässt sich von solchen Statistiken nicht aus der Bahn werfen: „Es bringt nichts, wenn man sich ständig verrückt macht.“

So genießt das Ehepaar jeden einzelnen gemeinsamen Tag. Wie wertvoll das gemeinsame Leben ist, haben die Drumms schon unmittelbar nach der Transplantation beherzigt – und vor Gott bezeugt: Auf den Tag genau ein Jahr nach dem Eingriff holten sie ihre kirchliche Trauung nach. In seiner Rede erinnerte der Bräutigam daran, wem das Ehepaar das Lebensglück zu verdanken haben: „Gestern vor einem Jahr verstarb eine junge Frau“, sagte Norbert Drumm, „sie hatte den Spruch beherzigt, den wir in der Herzklinik gesehen haben: Nimm deine Organe nicht mit in den Himmel – der Himmel weiß, dass sie auf der Erde gebraucht werden.“

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