Er versteht die Aufregung nicht

Fleischskandal: Das sagt Münchens Pferdemetzger

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Kaspar Wörle mit Pferdegeschirr in seiner Metzgerei am Viktualienmarkt. Er schlachtet und verkauft das Fleisch seit 1991.

München - Der Fleischskandal beschäftigt Deutschland. Die tz hat sich mit Kaspar Wörle getroffen, der die einzige Pferdemetzgerei Münchens betreibt. Er versteht die Aufregung nicht.

Kaspar Wörle (52) und seiner Frau Ursula (50) sind es gewohnt, dass vor ihrem Standl am Viktualienmarkt viel diskutiert wird. Sie betreiben die einzige Pferdemetzgerei in München und Umgebung. Seit dem Aufkommen des sogenannten Pferdefleisch-Skandals aber schalten sie sich gerne ins Gespräch ein und klären auf. „Das ist kein Pferdefleisch-Skandal, sondern ein Etikettenschwindel-Skandal.“ Sie verstehen die Aufregung nicht. „Pferdefleisch ist nicht minderwertig, sondern sehr gesund! Bei uns kommt nur Pferdefleisch in die Lasagne!“

1991 haben die Wörles hier das Geschäft übernommen. „Ich bin früher gerne geritten und habe mir erst gedacht: Die armen Pferdl! Heute aber weiß ich, dass diese Tiere weniger leiden“, sagt Ursula Wörle. Kaspar Wörle erklärt, warum: „Pferde werden nicht zum Schlachten gezüchtet, es gibt in Deutschland keine Mastbetriebe für Pferde.“

Die Tiere würden im Schnitt bis zu 15 Jahre ein gutes Leben führen, bis sie dann mit Arthrose oder Hufkrankheiten im eigenen Schlachtbetrieb in der Nähe von Odelzhausen abgegeben werden. Etwa 250 Tiere landen pro Jahr dort. Ursula Wörle: „Das Fleisch ist extrem zart, da die Pferde im Gegensatz zu den Masttieren viel Auslauf bekommen.“ Während andere Tiere aus der Züchtung oft mit Antibiotika oder Hormonfutter vollgepumpt seien, sei Pferdefleisch kaum belastet. Außerdem werde bei Pferden im sogenannten Equidenpass schon früh festgelegt, ob das Tier eingeschläfert oder geschlachtet wird. „Wenn es verzehrt werden soll, bekommt es keine Hammer-Medikamente.“

Laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung hat Pferdefleisch nur zwischen 3 und 16,3 Prozent Fett, Rindfleisch dagegen zwischen 6 und 31 Prozent. Dementsprechend geringer ist auch die Kalorienzahl. Ursula Wörle: „Das Fleisch ist so fettarm, dass wir zum Beispiel bei der Salami Fett zuführen müssen. Außerdem hat Pferdefleisch viel Eisen und zum Beispiel Vitamin A.“ Viele Münchner haben Wörles Pferdeknacker, Leberkas oder das feine Filet überzeugt – sogar Star-Köche sind hier am Viktualienmarkt Kunden.

Freilich verstehen die Wörles den Ärger der Konsumenten, wie sie betonen. „Wir wollen ja auch nicht belogen werden.“ Dass das falsch etikettierte Fleisch in der Lasagne offenbar aus Rumänien stammt, sei auch nicht unbedingt beruhigend. Ursula Wörle: „Ich empfehle, Pferdefleisch aus Deutschland zu kaufen, da es hier sehr streng kontrolliert wird.“

Strenge Kontrollen in Deutschland

Nur 53 Gramm Pferdefleisch isst der Deutsche laut Deutscher Gesellschaft für Ernährung (DGE) statistisch gesehen pro Jahr – insgesamt sind es 60 Kilo Fleisch pro Jahr. Zum Vergleich: Der Italiener isst 882 Gramm Pferdefleisch, der Portugiese 48 Gramm. Laut DGE gibt es in der Bundesrepublik 77 Pferdeschlachtereien. Seit der Fleischhygiene-Verordnung 1991 darf Pferdefleisch auch in anderen Fleischereien verkauft werden. Ein sogenannter Equidenpass gibt dem Schlachter Auskunft über alle medizinischen Behandlungen beim Pferd. Die Prüfung des Fleisches erfolgt genauso sorgfältig wie die Untersuchung anderer Warmblüter.

nba

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