Statiker nach Explosion: Jedes Haus prüfen!

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Prof. Norbert Gebekken von der Bundeswehr-Uni.

München - Welche Auswirkungen hat die Bombe auf die Gebäude in der Umgebung? Wie groß ist die Gefahr, dass die Statik so beeinträchtigt wurde, dass ein Haus einstürzen könnte?

Prof. Norbert Gebbeken (57) von der Bundeswehr-Universität in München beschäftigt sich tagtäglich mit den Folgen von Explosion. Er hat die Wirkungen von Anschlägen auf Soldaten in Afghanistan ebenso ausgewertet wie die Folgen der Bomben-Attacke des norwegischen Massenmörders Anders Breivik in Oslo. Sein erste Einschätzung nach der Bomben-Nacht von Schwabing: „Ich gehe davon aus, dass kein Gebäude so schwer beschädigt wurde, dass es einsturzgefährdet ist. Es sei denn, es lag schon eine Vorschädigung vor.“

Der Tag danach: Bilder aus Schwabing

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Ein Grund dafür: Die Statik der Gebäude ist bei uns in der Regel für die doppelte Gebrauchslast ausgelegt. Das heißt: Wenn sie eine Tonne tragen soll, dann hält sie zwei Tonnen aus. Trotzdem, so Gebbeken, müsse jedes Gebäude genau untersucht werden. „Es könnte ja beispielsweise eine Zwischendecke, die zwar mit der Statik nichts zu tun hat, drohen herabzufallen. Und jede Gefahr für Leib und Leben muss natürlich ausgeschlossen werden, ehe die Bewohner in ihre Häuser zurückkehren. Aber THW und Feuerwehr können diese Risiken sehr gut einschätzen.“ Statiker seien dagegen gefragt, wenn es um die Bewertung von Gebäuderissen gehe.

Feuerball über München: Bombe in Schwabing gesprengt

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Aber in vielen Fällen, so Gebekken, werde es nun um sogenannte Schönheitsreparaturen gehen: Wenn die Kacheln heruntergefallen sind oder die Scheiben zerstört wurden. „Diese Schäden werden die Bausachverständigen begutachten, die von der IHK zugelassen sind“, so Gebekken. Der Experte ist sich sicher, das die Feuerwerker mit der Sprengung alles richtig gemacht haben: „Man muss sich klar machen, dass ein Abwarten zu einer freien Sprengung hätte führen können – mit erheblich größeren Schäden. Was vor allem zählt ist, dass niemand verletzt wurde. Aus unserer Erfahrung wissen wir, dass vor allem Splitter und die Luftstoßwelle extrem gefährlich sind. In Oslo waren sie die Hauptursache für die Toten und Verletzen.“

Evakuierung! Entschärfung Bombenfund unter Schwabinger 7

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WdP

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