So steuert er die Stadtwerke

Florian Bieberbach: SWM-Manager mit ­ Rückenwind

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Florian Bieberbach auf der Windkraftanlage in Wales.

München - Mit gerade mal 41 ist Florian Bieberbach seit eineinhalb Jahren Chef der Stadtwerke (SWM). Bei einem Besuch des SWM-Windparks in Wales sprach er mit der tz über Ziele, Karriere und die Energiewende.

Sein Lebenslauf ist makellos, seine Karriere bilderbuchmäßig: Mit gerade mal 41 ist Florian Bieberbach seit eineinhalb Jahren Chef der Stadtwerke (SWM). Ehrgeizig und geradlinig arbeitet er an seinem Ziel, München zur Ökostrom-Metropole zu machen. Bei einem Besuch des SWM-Windparks in Wales sprach er mit der tz über Ziele, Karriere und die Energiewende.

Herr Bieberbach, nur noch elf Jahre bis zum großen Ziel: dann werden die SWM so viel erneuerbare Energie produzieren wie München verbraucht!

Florian Bieberbach (41): Richtig! Das ist natürlich noch ein schönes Stück Arbeit bis 2025. Wir brauchen bzw. verbrauchen etwa 7,5 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr. Mit unseren Anteilen in Großbritannien und dem am Montag besiegelten Projekt Sandbank in der Nordsee werden wir unser Ökostrom-Volumen auf über 3,5 Milliarden Kilowattstunden steigern. Das entspricht dann knapp 47 Prozent des Münchner Stromverbrauchs. Wir sind auf einem sehr guten Weg.

Im Wahlkampf waren vor allem den Ökoparteien die fossilen Heizkraftwerke in der Stadt ein Dorn im Auge. Wie ist da der Stand?

Bieberbach: Diese Kraftwerke werden in den nächsten Jahren und Jahrzehnten außer Betrieb gehen, wenn sie das Ende ihrer Lebensdauer erreicht haben. Gaskraftwerke wird man jedoch weiterhin benötigen.

Die Stadt ist darüber hinaus noch am Kernkraftwerk Isar 2 beteiligt!

Bieberbach: Historisch bedingt sind wir zu 25 Prozent daran beteiligt, es ist eigentlich ein Eon-Kraftwerk. Das wird 2021/22 abgeschaltet und zurückgebaut.

Sie investieren in Windräder vor allem auf dem Meer und auf dem Festland außerhalb Bayerns. Wieso ist Windkraft im Freistaat so schwer vermittelbar?

Bieberbach: Wir planen draußen an der Arena noch ein zweites Windrad. Doch einen großen Park wird es dort wegen fehlender Abstandsflächen nicht geben. Generell gilt bei uns: Gegen den Widerstand der betroffenen Gemeinden werden wir keine Anlagen bauen, egal wo.

Wo lässt sich in München noch regenerative Energie gewinnen?

Bieberbach: In puncto Photovoltaik passiert in München da leider sehr, sehr wenig. Denkmalschutz, Statik der Dächer und die vielen Eigentümergemeinschaften, in denen nur einer dagegen sein muss, sind große Hindernisse. Und das, obwohl die Stadt viele Sonnenstunden hätte. Die Wasserkraft ist eigentlich ausgeschöpft. Somit bleibt uns eben nur, überregional nach Anlagen zu suchen. Mit denen leisten wir dann quasi über Bande unseren Anteil an sauberer Energie am europäischen Stromsee.

Die Stadtwerke fuhren in den vergangenen Jahren immer mindestens 200 Millionen Euro ein. Ihr Betrieb gilt als Goldesel für seine „Mutter“, die Landeshauptstadt München. Auf wie viel darf sich der neue OB Dieter Reiter freuen?

Bieberbach: Durch die vielen Investitionen sieht das gar nicht mehr so rosig aus. Aber es ist nach wie vor so, dass wir jedes Jahr 100 Millionen Euro Gewinnausschüttung leisten. Dazu kommen die Konzessionsabgaben von gut 90 Millionen und Gewerbesteuer von 60 bis 80 Millionen.

Apropos Stadt: Wie sehen Sie den Wechsel im OB-Büro von Christian Ude zu Reiter?

Bieberbach: Der ist aus unserer Sicht sehr glatt gelaufen. Die Zusammenarbeit ist sowohl mit Herrn Reiter als auch dem für uns jetzt zuständigen Wirtschaftsreferenten Josef Schmid sehr gut.

Sie galten ja als ehemaliger Juso-Stadtvorsitzender in der Urfindungsphase der SPD selbst mal als OB-Anwärter und Liebling von Christian Ude. Jetzt, da gewählt ist, Hand aufs Herz: Wie sehr hätte Sie das gereizt?

Bieberbach: Gar nicht! Und wie ernst das Herrn Ude war, müssten Sie ihn selbst fragen. Nein, ich glaube nicht, dass ich jemals sein Favorit war. Ich habe immer erklärt, dass ich mich dort, wo ich jetzt bin, bei den Stadtwerken München, sehr wohl fühle.

Als 29-Jähriger sind Sie dort eingestiegen und nach dem Ausscheiden von Kurt Mühlhäuser Anfang 2013 von dessen rechter Hand zum Boss eines Unternehmens mit 8400 Mitarbeitern und 8,3 Milliarden Euro Umsatz aufgestiegen. Eine steile Karriere in sehr jungen Jahren!

Bieberbach: Ich hatte ja relativ viel Vorbereitungszeit und kannte das Haus schon sehr gut, als ich es übernommen habe. Insofern war das ein relativ glatter Übergang.

Wie kommt ein junger Mann, der Informatik und Betriebswirtschaft studiert und in London erfolgreich als Investmentbanker gearbeitet hat, eigentlich zu den Stadtwerken?

Bieberbach: Das ist tatsächlich purer Zufall. Ich bin damals von England nach München zurückgekehrt, und da waren die SWM eine Option von vielen. Und Dr. Mühlhäuser ist es gelungen, mich davon zu überzeugen, dass das eine interessante Sache ist. Das habe ich bis heute nicht bereut.

Wie schwer wiegt die Verantwortung?

Bieberbach: Die Krise der Energiewirtschaft geht nicht spurlos an uns vorbei. Aber es trifft uns längst nicht so hart wie die großen Versorger, die massiv Personal abbauen und Unternehmensbereiche verkaufen müssen.

Wie sicher sind die Jobs bei den Stadtwerken?

Bieberbach: Wir haben noch große, interessante Projekte vor uns und somit schöne Perspektiven. Wer bei uns vernünftige Arbeit leistet, muss sich um seinen Job sicher nicht allzu große Sorgen machen.

Und die Kunden um den Strompreis? Schlagen sich die großen Investitionen auf den Preis nieder?

Bieberbach: Nein, dies wird über Bankdarlehen und mit den Einnahmen finanziert, die wir mit bereits laufenden Anlagen erzielen. Wir haben einen langfristigen Plan, der genau durchkalkuliert wird.

Was machen Sie eigentlich nach 2025, wenn das 100-Prozent-Ökostrom-Projekt umgesetzt ist?

Bieberbach: Wahrscheinlich beginnen dann unsere ersten Projekte langsam schon wieder an das Ende ihrer Lebensdauer zu gelangen. Dann geht es ans kontinuierliche Erneuern.

Die SWM sind ja viel mehr als ein Stromanbieter. Was steht noch auf Ihrer Agenda?

Bieberbach: Wir bauen weiter Fernwärme und Glasfaser aus – und unsere eigene Erdgasproduktion in Norwegen. Wir fühlen uns in unserem Engagement wegen der aktuellen Ereignisse um Putin und in der Ukraine sehr bestätigt. Auch beim öffentlichen Nahverkehr stehen riesige Investitionen bei Sanierungen wie etwa beim U-Bahnhof Sendlinger Tor an.

Stefan Dorner

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