tz-Interview mit Gregor Böhm

Flowerstreet: Traum eines Musikers

+
Der Flowerstreet-Gründer und Musiker Gregor Böhm sah sich nie als Geschäftsmann

München - Flowerstreet ist zum Markenzeichen für Münchens Independent-Szene geworden. Das Plattenlabel wurde vor vier Jahren von Gregor Böhm gegründet und wächst seitdem kontinuierlich. Wir sprachen mit dem 30-Jährigen.

Herr Böhm, was war Ihre Motivation, ein Label zu gründen?

Gregor Böhm: Jugendlicher Wahnsinn? Eine geniale Idee zu einer Zeit, wo alle Verkaufszahlen im Keller sind. Ich hatte gerade eine Band, die ganz gut lief. Unsere CDs standen selbst in Tokyo in den Plattenläden. Ein wenig blauäugig beschloss ich dann, ein Soloalbum bei einem eigenen Label zu veröffentlichen. Die Gründung war eigentlich kein Problem. Aber es gibt kein Handbuch darüber, was dann alles zu erledigen ist.

Haben Sie es inzwischen bereut?

Böhm: Nein. Ich hätte nie gedacht, dass sich unser Label so weit ausbreitet. Um uns herum sind alle pleite gegangen. Ich habe mich immer gefragt, woran das liegt, dass es bei uns klappt. Vielleicht war es sogar ein Vorteil, dass wir zu einer schlechten Zeit angefangen haben. Wir sind klein, wendig und kreativ und können jeden Tag einen völlig neuen Plan verfolgen. Gut war auch, dass es keine Rolle spielte, ob wir Gewinn machten. Die Begeisterung hat die Menschen im Laden einfach angesteckt.

War der Anfang schwer?

Böhm: Wir hatten Glück. Die erste Band verkaufte sofort die erste Auflage ihres Album aus. Somit hatten wir Geld für den nächsten Künstler. Der verkaufte die Auflage sogar viermal aus. Wir hatten kaum Rückschläge, und nach zwei Jahren konnten wir davon leben. Es fühlt sich immer noch seltsam an, dass es funktioniert. Ich habe immer davon geträumt, von der ­Musik zu leben, habe mich aber nie als Geschäftsmann gesehen.

Wie ist die Firma strukturiert?

Böhm: Es gibt zwei Labels, Flowerstreet und In Bloom sowie den Verlag In Bloom. Außerdem noch eine Agentur für Booking, Event und Promotion. Insgesamt sind wir sechs Leute.

Wie viele Künstler haben Sie mittlerweile unter Vertrag?

Böhm: In den Labels sind 23 Bands vertreten. Im Verlag sind es inzwischen 150. Es bewerben sich täglich Musikgruppen bei uns.

Haben Sie sich inzwischen auf eine Richtung festgelegt?

Böhm: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Hardcore-Metal-Band bei unserem Label unterkommt, ist eher gering. Unsere Kontakte liegen eher woanders. Im Verlag ist es etwas anderes: Wir vermitteln auch Bands an geeignete Label. Bei uns geht es meistens in die Richtung Indie-Gitarren, Elektro, Garagenrock, Folk.

Sie schicken Ihre Bands auch regelmäßig auf Konzerte …

Böhm: Wir veranstalten etwa 150 Konzerte im Jahr. Darunter die Flowerstreet-Festivals. Die sind wie eine Geburtstagsfeier des Labels. Da kommen die Künstler zusammen, tauschen sich aus. Da entstehen oft weitere Projekte.

Was ist das nächste große Ziel?

Böhm: Ich bin bisher immer gut damit gefahren, mir keine Ziele zu setzen. Ich denke vielleicht ein bis zwei Jahre im Voraus, und da entwickelt man natürlich Pläne. Eine Sache, die wir gerade angehen, ist das Booking. In München und Umgebung klappt das schon prima. Aber unsere Bands wachsen – und wir müssen auch mal in Hamburg auftreten.

Interview: Antonio Seidemann

Ein Label von und für Musiker

Elektrik Kezy Mezy heißt die Band des 30-jährigen Gitarristen und Sängers Gregor Böhm. Gelegentlich tritt er auch unter dem Namen „Amadeus“ auf. Vor vier Jahren gründete er die Firma Flowerstreet, die seitdem kontinuierlich expandiert. ­Neben Böhms eigenen Projekten sind auch Acts wie Exclusive, Tuó und Lucky Fish, Sarah Sophie, Tecnosaurus Rex, Stray Colors oder Die Supersieger mit von der Partie. Im In-Bloom-Verlag sind sogar 150 Bands unter Vertrag. Für sein Engagement erhielt Gregor Böhm den Musikförderpreis der Stadt. Junge Gruppen werden regelmäßig in Münchner Clubs wie dem Atomic Café oder Strøm präsentiert, und bei den Flowerstreet-Festivals treten die Labelkünstler wie eine geschlossene ­Familie vors Publikum. Bei der letzten Auflage im vergangenen September folgten immerhin knapp 40 Bands der Einladung von Flowerstreet ins Gelände vom Feierwerk und traten auf fünf verschiedenen Bühnen auf. Die meisten Flowerstreet-Mitarbeiter sind selbst Musiker.

Auch interessant

Meistgelesen

Kommentare