Widersprüche lassen Anwälte zweifeln

Ex-Freundin wirft Flüchtling Vergewaltigung vor - Gericht spricht ihn frei

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Vor dem Freispruch: In Handschellen wurde Zion O. ins Gericht geführt.

Wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung muss sich ein Flüchtling vor dem Gericht verantworten. Der Richter hakt bei der Verhandlung sehr genau nach. Doch am Ende ist der Angeklagte ein freier Mann.

München - Zion O. (24) sitzt zusammengesunken auf der Anklagebank. Um seine Hände baumelt ein roter Rosenkranz. Sein Blick ist leer. Doch für ihn geht es um alles: Seit Januar saß der Nigerianer in Untersuchungshaft, weil er im Dezember 2017 seine damalige Freundin (33) vergewaltigt haben soll. Über mehrere Tage hinweg, wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, soll er die Frau geschlagen, zum Sex gezwungen und sie dabei auch gewürgt haben - bis sie ohnmächtig wurde.

Doch Zion O. bestreitet die Vorwürfe - und wirkt wütend, als die Dolmetscherin ihm die Anklage übersetzt. „Alles Unsinn!“ Er und Kerstin B. (Name geändert) hätten sich im November 2017 in der Tram kennengelernt, Nummern getauscht und eine Beziehung begonnen. In ihrer Wohnung in der Nymphenburger Straße sei es dann auch mehrfach zum Geschlechtsverkehr gekommen, allerdings nur im gegenseitigen Einvernehmen.

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Ex-Freundin ließ sich sogar von Arzt untersuchen

Somit steht Aussage gegen Aussage - vor Gericht eine der schwierigsten Konstellationen überhaupt. Denn auch im vorliegenden Fall gab es keine unmittelbaren Zeugen für die angeklagte Tat. Kerstin B. hatte Zion O. wegen Vergewaltigung angezeigt und sich sogar von einem Arzt untersuchen lassen. Der Angeklagte hingegen fiel aus allen Wolken, als die Polizei ihn im Februar verhaftete. Denn: Er berichtet von „einer ganz normalen Beziehung“.

Richter Carsten Freiherr von Chiari musste deshalb genau nachfragen, „auch wenn Ihnen das unangenehm ist“. Und dann ging es zur Sache: Wie man sich den Geschlechtsverkehr vorzustellen habe, fragte der Richter - und wollte Details, die er mehrfach gezielt nachfragte. „Das ist wichtig.“ Doch O. schien damit überfordert. Achselzuckend antwortete er: „Wir hatten normalen Sex, wie jeder andere auch.“ „Auch mal etwas härter?“, fragte der Richter. Zion O. überlegte lange, dann sagte er: „Klar, aber sie ist ja kein Hund.“ Immer wieder beteuerte er, dass die Beziehung zur Kerstin B. harmonisch war: „Wir haben getrunken, ferngesehen und gekocht.“ Alles ganz normal. So auch der Sex, zu dem es fast bei jedem Treffen gekommen sein soll - ohne Kondom.

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Klägerin soll unter Alkoholabhängigkeit leiden

Doch plötzlich stand die Vergewaltigung im Raum. Für den Flüchtling, der im Winter 2015 nach Deutschland kam, änderte sich alles: „Ich wurde heftig kontrolliert und kam sofort in Haft.“ Doch bei der Polizei verstrickte sich Kerstin B. in Widersprüche, wie auch am Donnerstag im Prozess. Dort kam auch heraus, dass sie unter Alkoholabhängigkeit leidet, wie ein früherer Partner der 33-Jährigen aussagte. „Sie war deswegen auch schon in Behandlung.“ Vor Gericht bestätigte sie aber ihre Vorwürfe - und war erleichtert nach ihrer Aussage. „Man fühlt sich selbst wie ein Angeklagter, weil alles, was gesagt wird, auf dem Prüfstand steht.“

Schwierig auch die Situation für den Richter - denn Kerstin B. hatte nachweislich Verletzungen am Körper. Doch die Beweislage war „nicht eindeutig“, sagte von Chiari. Deshalb sprach er den Angeklagten am Ende frei. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigerin hatten darauf plädiert.

Kerstin B. akzeptierte das und versucht, „nach vorne zu blicken“. Für Zion O. fand sie aber harte Worte: „Ich hoffe, dass er durch die Zeit im Gefängnis seine Lektion gelernt hat.“

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Ann-Kathrin Ulbricht

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