Camp Grande-Synthe bei Dünkirchen

Bewegendes Facebook-Statement: Münchner helfen in Elends-Lager

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Die Zeltküche der Vokü München im Elends-Camp Grande-Synthe in Dünkirchen. Hier leben rund 1.500 Menschen.

München/Dünkirchen - Schlamm, Elend und Hunger - und das mitten in Europa. Eine ehrenamtliche Organisation aus München hilft an einem der elendsten Orte in Europa Flüchtlingen.

Es ist einer der desolatesten Orte in Europa: Im Camp Grande-Synthe bei Dunkerque stranden die Flüchtenden, für die es kaum mehr Hoffnung gibt irgendwann einmal anzukommen. 

Seit Jahren sammeln sich in dem Camp Grande-Synthe - das den Namen Camp kaum verdient - Menschen, die auf dem Weg nach England waren oder sind. Die nordfranzösische Stadt Dunkerque oder auch Dünkirchen liegt nur wenige Kilometer entfernt von dem Flüchtlings-Camp, das als "Dschungel von Calais" traurige Berühmtheit in den internationalen Medien erlangte. 

Circa 1500 Menschen, die teilweise in Frankreich gestrandet und teilweise dem Lager in Calais entflohen sind, leben nun in Dünkirchen unter erbärmlichen Umständen in bitterster Armut. Und das mitten in Europa. 

"Knöchel- bis knietiefer Morast, Müllberge, vergammelndes Essen"

Das Elends-Camp.

Der Verein Volxküche München e.V., auch als Vokü Muc bekannt, der sich bereits in München ehrenamtlich um die Verpflegung von ankommenden Flüchtlingen gekümmert hat, ist seit mehr als zehn Tagen vor Ort und berichtet eindrücklich von den Zuständen in dem Elendslager. In einer provisorisch dort eingerichteten Zeltküche bereiten die Helfer der Vokü Mahlzeiten zu und versuchen die Not, wie viele andere Hilfsorganisationen auch, ein wenig zu mildern. In bewegenden Posts bei Facebook schildert ein Helfer der "Volxküche" München - er nennt sich "Kiki" - seine Eindrücke und die elende Verwahrlosung der Menschen um sie herum. 

Kiki berichtet, dass die Menschen dort in Zuständen "hausen" würden, die selbst in weiten Teilen der sogenannten „dritten Welt“ als ärmlich gelten würde: "Knöchel- bis knietiefer Morast, Müllberge, vergammelndes Essen, Matratzen, Decken, zerrissene Zelte, die notdürftig Wege befestigen. Offene Holzfeuer überall, an denen sich Menschen verzweifelt zu wärmen versuchen an nasskalten Tagen oder bitterkalten Nächten", beschreibt der Vokü-Helfer das Lager Grande-Synthe. 

Schockierende Apathie und ungewisse Zukunft

Viele Menschen, die dort leben, hätten bereits resigniert. Besonders schockiert den Helfer, die Apathie, die sich nach vielen Jahren des Stillstandes bei den Menschen eingestellt hat: "Die meisten verlassen ihre Zelte nur für die notwendigsten Besorgungen, Müll wird vor die Zelttür geworfen – oder nicht einmal das." Die Menschen dort befinden sich in einer Sackgasse: Sie können weder zurück in die Länder aus denen sie gekommen sind, noch nach England weiter. "Wie viele haben uns erzählt, dass sie eigentlich nur zurück nach Deutschland wollen, aber sich nicht einmal das Busticket dorthin leisten können?", schreibt Kiki in seinem Statement. 

Am Donnerstag entschied das Verwaltungsgericht von Lille, dass die französische Regierung einen Teil des Lagers in Calais zwangsräumen darf und wies damit den Einspruch von Migranten und Hilfsorganisationen zurück. Die rund 1000 Betroffenen sollen in ein Containerlager in der Nähe umgesiedelt werden, Hilfsorganisationen warnen allerdings, dass die Räumung weit mehr Menschen betrifft als in dem neuen Lager aufgenommen werden könnten. Neue Slums an anderer Stelle wären die Folge, auch das Camp in Dünkirchen wäre indirekt davon betroffen.

"Im Dschungel von Dunkerque braucht es mehr als warmes Essen"

Die Helfer der Vokü München beobachten die Entwicklungen mit Sorge. Nach ihren Informationen richtet die Organisation "Ärzte ohne Grenzen" derzeit ein neues Lager in der Nähe ein. Dort soll es eine zentrale Küche für alle geben, die sich nicht selbst versorgen können. Zusammen mit anderen Hilfsorganisationen soll auch die "Volxküche" die Betreuung der Küche übernehmen. 

Kiki schließt sein Statement nachdenklich und bewegt: "Im Dschungel von Dunkerque braucht es mehr als warmes Essen. Deswegen werden wir vor Ort zwar weiter die Familien versorgen. Für die große Masse der Menschen können wir etwas viel einfacheres tun: Wir können uns mit ihnen beschäftigen und ihnen etwas zu tun geben."

Allerdings: Die Helfer vor Ort können die gestrandeten Migranten zwar notdürftig versorgen, eine dauerhafte Lösung des Problems ist das allerdings nicht. 

Das ganze Statement können Sie hier nachlesen: 

Salute! Hier wie versprochen mein persönliches Fazit und meine Gedanken zum Camp in Dunkerque - zumindest ein kleiner...

Posted by Vokü-Muc on Mittwoch, 24. Februar 2016

50 Kilo Reis als Beilage: Besuch in der Flüchtlingsküche

Gemüse schneiden für das Curry. © 
Der Eingang zur Volksküche. © 
"Ohne Mampf kein Kampf": das alte Transparent aus der Zeit der Uni-Besetzung. © 
Auch wenn es auf dem Bild so wirkt, ist das Spülen keine reine Männersache. © 
"Crew only": Ab hier dürfen nur noch Personen mit Hygieneeinweisung weiter. Bakterien will niemand in der Küche haben. © 
Die gespendeten Lebensmittel. © 
Noch ist es ruhig: Dann werden eben Brote mit Humus vorbereitet. © 
Kichererbsen kochen im 70-Liter-Topf. © 
Eimerweise gesunde Zutaten. © 
Alles hat hier seinen Platz. Die Schwerlastregale sind ebenfalls eine Spende. © 
VoKü-Koch Kristofer. © 
VoKü-Köchin Doro. © 

Mit Material von AFP und dpa

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