Andrang von Flüchtlingen reißt nicht ab

Chaos in Österreich, Kontrollen an Bayerns Grenzen

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In dieser Tiefgarage im Salzburger Bahnhof sind derzeit knapp 900 Flüchtlinge untergebracht.

München - Während die Bundespolizei an der Grenze zwischen Österreich und Bayern kontrolliert, ist der Flüchtlingsandrang in Österreich ungebrochen. Alle aktuellen Entwicklungen finden Sie in unserem Ticker.

  • Der Flüchtlings-Andrang in Österreich reißt nicht ab, das Bundesheer soll jetzt an den Grenzen aushelfen.
  • SPD-Chef Sigmar Gabriel rechnet für 2015 mit einer Million Flüchtlingen in Deutschland.
  • Der Zugverkehr zwischen Deutschland und Österreich rollt wieder, an den Grenzübergängen staut sich der Autoverkehr.

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+++ Über die Lage am Montag in München und an den Grenzen informieren wir Sie in unserem aktuellen Ticker zur Flüchtlings-Krise

+++ Kanzlerin Angela Merkel (CDU) ist weiter davon überzeugt, dass Deutschland den Zustrom der Flüchtlinge meistern wird. "Wir schaffen das", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. "Aber niemand hat gesagt: Wir schaffen das über Nacht."

+++ Im Internet kursiert ein makabres Video: Im Stil von Super Mario muss der Hauptcharakter die schwierige Flucht nach Europa meistern. Das steckt hinter dem Clip...

+++ SPD-Chef Sigmar Gabriel rechnet für das laufende Jahr mit der Ankunft von einer Million Flüchtlingen in Deutschland. Vieles spreche dafür, dass die bisherige Prognose von 800.000 Flüchtlingen im Jahr 2015 nicht zu halten sei.

+++ Auf dem Bahnhof in Salzburg spitzt sich die Lage zu. "Es ist eine Live-Übung im Chaos", so Sprecher Johannes Greifeneder zu Merkur-Reporter Sebastian Horsch. In einer Tiefgarage am Bahnhof sind knapp 900 Flüchtlinge untergebracht. Die Helfer müssen sich darauf einrichten, diese über Tage zu versorgen. Hält der Andrang ab, muss eventuell der Bahnhof komplett gesperrt werden.

+++ In München sind bis zum Mittag keine Flüchtlinge am Hauptbahnhof angekommen. Ob das für den gesamten Tag gelten wird, ist unklar. "Wir können aktuell nur ein bis zwei Stunden in die Zukunft blicken", sagte Bundespolizeisprecher Simon Hegewald. Beamte und Helfer am Bahnhof seien auf die Ankunft neuer Flüchtlinge vorbereitet.

+++ In Österreich wird das Bundesheer die Polizei an den Grenzen unterstützen. Das kündigte Bundeskanzler Werner Faymann(SPÖ) an. Humanitäre Hilfe im Inland stehe im Mittelpunkt. Doch auch der Grenzeinsatz gehöre dazu, berichtet der ORF. Unterdessen drängt Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) vehement darauf, wie Deutschland Grenzkontrollen einzuführen.

+++ Zwar rollen die Züge wieder von Österreich nach Deutschland. Doch Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) schließt neue Einschränkungen im Zugverkehr nicht aus: "Man kann heute noch nicht sagen, dass es die letzte Maßnahme war", sagte Dobrindt am Montag. Flüchtlinge sollen zudem nicht mehr mit regulären Zügen aus Österreich nach Deutschland einreisen, sondern in Sonderzügen. "Das gibt uns die Möglichkeit, die Züge zu steuern, und auch deren Ankunftsort".

+++ Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) hat am Montag eingeräumt, dass die Grenzkontrollen keine umfassende Lösung des Flüchtlings-Problems bedeuten. Doch man habe damit jetzt die Chance, "in das gesamte System Ordnung zu bringen". Seehofer will auf rasche Entscheidungen auf europäischer Ebene drängen.

+++ Wie der ORF gerade berichtet ist in Österreich der Grenzübergang nach Ungarn an der A4 bei Nickelsdorf wieder offen. Doch weitere Sperren des Übergangs seien möglich.

+++ Nach Bayern bereitet sich auch Sachsen auf Grenzkontrollen vor. Kontrolliert werde, falls sich der Flüchtlingsstrom angesichts der Checks in Bayern nach Sachsen verlagere. Das berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk.

+++ Die Politik ist dafür, Flüchtlingsorganisationen dagegen: Pro Asyl hat Grenzkontrollen in Bayern scharf kritisiert: "Die Flüchtlinge werden wie Bauern auf dem Schachbrett herumgeschoben. Ihr Leid wird benutzt, um innerhalb der EU Druck auszuüben", sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt am Montag.

Flüchtlinge im österreichischen Nickelsdorf: Die Polizei hat den Grenzübergang jetzt wegen des hohen Andrangs geschlossen.

+++ In Österreich hat die Polizei den Grenzübergang zu Ungarn in Nickelsdorf (Burgenland) geschlossen. Grund ist der große Andrang von Flüchtlingen. Unterdessen droht auch die Situation im südburgenländischen Heiligenkreuz zu eskalieren. Dort werden rund 10.000 Flüchtlinge erwartet, berichtet der ORF.

+++ Auch Gerd Landsberg vom Deutschen Städte- und Gemeindebund sieht die eingeführten Grenzkontrollen positiv. Sie hätten den Kommunen eine "Atempause" verschafft. Diese sei dringend nötig, so Landsberg im Deutschlandfunk. Denn: "In manchen Städten ist es schon fünf nach Zwölf".

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD)

+++ Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hat die Wiedereinführung von Grenzkontrollen gegen Kritik verteidigt. "Für mich sind damit zwei Signale verbunden: Es ist das Signal nach Europa bei allem guten Willen, Deutschland wird dieses Riesenproblem alleine nicht lösen können ohne europäische Mithilfe", so Weil am Montagmorgen.

+++ Ungarn meldet Rekordzahl: Am Sonntag seien 5809 Menschen und damit so viele wie noch nie an einem Tag ins Land gekommen, teilte die ungarische Polizei am Montag mit. Ab Dienstag an gilt illegaler Grenzübertritt in Ungarn als Straftat, es drohen den Flüchtlingen Haft oder Abschiebung.

+++ Insgesamt 19.100 Flüchtlinge kamen am Wochenende am Münchner Hauptbahnhof an. Diese Zahl nannte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern am Montagmorgen. Eine Prognose für den Tag kann sie keine abgeben: "Wir werden sehen müssen, wie sich die Lage weiter entwickelt".

+++ Innenminister Joachim Herrmann rechnet damit, dass die Grenzkontrollen mindestens für Wochen anhalten. "Wir müssen insgesamt hier eine stärkere Kontrolle haben", so Herrmann am Montagmorgen zum BR. Man habe festgestellt, dass "hier viele unterwegs sind, die keine wirklichen Flüchtlinge sind."

+++ Pendlern rät die Bundespolizei wegen den Kontrollen an den Grenzen mehr Zeit einzuplanen - besonders auf der A8. Dort werden Autofahrer stichprobenartig kontrolliert, der Verkehr staute sich auf drei Kilometern. Die Stausituation könne sich viertelstündlich ändern, so Bundespolizei-Sprecher Matthias Knott am Montagmorgen. Auch Grenzübergänge an Bundesstraßen werden kontrolliert. Wo und wann genau, will Knott nicht sagen.

+++ Bei den am Sonntagabend gestarteten Kontrollen an der deutsch-österreichischen Grenze hat die Polizei Freilassing nach kurzer Zeit einen Schleuser gefasst. Der Mann hatte in seinem Van acht syrische Flüchtlinge bei sich. Der Mann wurde ins nahe Bad Reichenhall gebracht. Die Flüchtlinge wurden in Erstaufnahmeeinrichtungen gebracht.

+++ Der Zugverkehr zwischen Deutschland und Österreich wurde am Montagmorgen ab 7 Uhr wieder aufgenommen, außer an der Strecke Salzburg-München. Dort befänden sich Menschen auf den Gleisen, so ein Bahn-Sprecher.

+++ Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International vor fatalen Folgen. „Flüchtlinge in Ungarn drohen im lebensgefährlichen Chaos zu versinken“, hieß es am Sonntag in einer gemeinsamen Erklärung der deutschen und der österreichischen Sektion von Amnesty.

+++ Kurz nach der Wiederaufnahme der deutschen Kontrollen an der Grenze zu Österreich kam es auf der Autobahn A3 vom Linz nach Passau zu einem acht Kilometer langen Stau, ebenso staute es sich auf der A 8 von Salzburg nach München beim Grenzübergang Bad Reichenhall.

Das passierte am Wochenende

+++ Am Münchner Hauptbahnhof hat sich die Lage nach derweil deutlich entspannt.

+++ Bundesinnenminister Thomas de Maizière will sich nicht festlegen, wie lange Deutschland wieder Kontrollen insbesondere an der Grenze zu Österreich vornehmen wird. Die Rechtslage lasse nur vorübergehende Kontrollen aus Gründen der öffentlichen Sicherheit zu, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in einem ARD-„Brennpunkt“. „Darum geht es hier. Und das wäre nicht gut, wenn wir vorher sagen würden, wir lange das geht. Das machen wir jetzt mal eine Weile.“

Der Innenminister betonte: „Wir haben uns das nicht leicht gemacht. Die Dinge sind aber jetzt aus dem Ruder geraten.“ Zehntausende kämen ins Land, die überwiegend Schutz verdienten und brauchten. „Aber wir brauchen wieder Ordnung an der Grenze. Wir wollen wissen, wer einreist. Wir wollen die Identität feststellen und wir brauchen Verzögerung des Prozesses, damit die Belastungsgrenzen in Deutschland nicht so erreicht schnell werden, wie wir es jetzt haben.“

Hunderte müssen Züge in Salzburg verlassen

+++ Nach der Einstellung des Bahnverkehrs von Österreich nach Deutschland haben Hunderte Flüchtlinge in Salzburg die Züge verlassen müssen. Ob und wann es für sie weitergeht - unklar.

+++ Offenbar ist der Zugverkehr - entgegen früherer Angaben - nur von Österreich nach Deutschland gestoppt. Nach Österreich fahren Züge, meldet der Bayerische Rundfunk auf Twitter.

+++ Entwarnung am Hauptbahnhof! Wie die Bundespolizei mitteilt, handelte es sich um einen Fehlalarm. Die Sperrung wird aufgehoben.

+++ Der Eingang der Haupthalle ist mit einem Gitter gesichert. Das meldet Merkur.de-Kollege Franz Rohleder vom Hauptbahnhof. Ein Großaufgebot an Polizei und Feuerwehr ist vor Ort. Er hat zwei Videos von der Szenerie gemacht. 

Bombenalarm am Hauptbahnhof München. Haupthalle wurde evakuiert. So sieht die Lage vor Ort aus. Alle Infos hier: http://bit.ly/1Nqn6cd

Posted by Merkur-Online on Sonntag, 13. September 2015

+++ Mittlerweile wurden auch die anderen Bahngleise im Münchner Hauptbahnhof geräumt. Hunderte Reisende mussten die Schalterhalle verlassen. Die Sperrung gelte für mindestens eine Stunde, sagte ein Polizeisprecher.

Am Wochenende sind tausende Flüchtlinge in München angekommen.

+++ Die vorübergehende Wiedereinführung der Grenzkontrollen gilt nach Worten von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zunächst nur für die deutsch-österreichische Grenze. Die Kontrollen seien „gegenwärtig nicht befristet“, sagte Herrmann am Sonntagabend nach einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts in München. Falls es „Ausweichbewegungen“ gebe, werde man darüber nachdenken, ob auch an anderen Grenzen wieder Kontrollen einzuführen seien.

+++ Der Münchner Hauptbahnhof ist am Sonntagabend abgesperrt und evakuiert worden. Ein Sprengstoff-Spürhund habe in der Nähe des Infopoints angeschlagen, teilte die Bundespolizei mit. „Das hat nichts mit den Flüchtlingen zu tun“, betonte ein Polizeisprecher. Der Zugverkehr auf den Gleisen 16 bis 21 sei eingestellt worden.

Bombenalarm am Hauptbahnhof München. Menschenmassen wurden evakuiert. Überall Feuerwehr und Polizei auf der Straße. Aktuelle Infos hier: http://bit.ly/1Nqn6cd

Posted by Merkur-Online on Sonntag, 13. September 2015

+++ Nach der vorläufigen Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Deutschland hat auch Tschechien für die Grenze zu Österreich entsprechende Maßnahmen angekündigt. Die Sicherung der Grenze zu Österreich werde verstärkt, weitere Maßnahmen würden je nach Entwicklung der Lage ergriffen, sagte der tschechische Innenminister Milan Chovanec am Sonntag im Fernsehen.

Alarm am Münchner Hauptbahnhof: Hier rückt der Bomben-Roboter an

+++ CSU-Chef Horst Seehofer hat die vorübergehende Wiedereinführung von Grenzkontrollen als dringend notwendig bezeichnet. „Es ist ein ganz wichtiges Signal an die ganz Welt und auch nach innen, in die Bundesrepublik Deutschland“, sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntagabend nach einer Sondersitzung des Kabinetts in München. Die Maßnahme sei auf Wunsch Bayerns in einem Telefonat zwischen Kanzlerin Angela Merkel (CDU), SPD-Chef Sigmar Gabriel und ihm vereinbart worden, unter Hinzuziehung des Außen- und des Innenministers. „Das war eine bayerische Initiative“, betonte Seehofer.

+++ Rund 4500 Flüchtlinge sind am Sonntag bis zum späten Nachmittag am Münchner Hauptbahnhof angekommen. Das teilte eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern mit. Insgesamt etwa 5200 Flüchtlinge wurden von München aus in Unterkünfte innerhalb Bayerns sowie in andere Bundesländer gebracht. Dafür wurden fünf Sonderzüge sowie 42 Busse eingesetzt.

De Maizière: Hilfsbereitschaft nicht überstrapazieren

+++ Die Deutsche Bahn unterbricht den Zugverkehr von und nach Österreich bis Montagmorgen um 6.00 Uhr. „Die DB hat auf Weisung der Bundesbehörden ab sofort für die kommenden zwölf Stunden den Zugverkehr zwischen Österreich und Deutschland eingestellt“, sagte eine Bahnsprecherin.

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere (CDU) äußert sich vor Journalisten in Berlin.

+++ De Maizière betonte, die Wiedereinführung vorübergehender Grenzkontrollen sei „in der Koalition einvernehmlich beraten und beschlossen worden“. Die Innenminister der Länder seien unterrichtet worden, sie stimmten diesem Schritt zu. Die Opposition habe er persönlich unterrichtet. Die Regierung in Wien sei konsultiert worden. Die Hilfsbereitschaft dürfe nicht überstrapaziert werden. Der Schritt sei auch ein Signal an Europa. Deutschland stelle sich seiner humanitären Verantwortung, betonte der Minister. Die Lasten müssten aber solidarisch verteilt werden. Die Einführung der Grenzkontrollen werden nicht alle Probleme lösen.

+++ Nach dem geltenden europäischen Recht sei Deutschland für den größten Teil der Schutzsuchenden gar nicht zuständig. Die Regeln des Dublin-Abkommen seien unverändert gültig, betonte de Maizière. Er forderte alle EU-Mitgliedsstaaten auf, sich wieder daran zu halten, also die in die EU einreisenden Flüchtlinge nicht nur zu registrieren, sondern auch das Asylverfahren durchzuführen.

+++ Ziel sei es, den derzeitigen Zustrom von Flüchtlingen nach Deutschland zu begrenzen und zu einem geordneten Verfahren zu kommen. Das sei auch aus Sicherheitsgründen nötig, sagte de Maizière.

Innenminister gibt Erklärung ab

+++ Die Bundesregierung führt angesichts des starken Andrangs von Flüchtlingen vorübergehend wieder Grenzkontrollen ein. Das kündigte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Sonntagabend in Berlin an.

+++ Baden-Württemberg nimmt an diesem Sonntag 1000 Flüchtlinge aus Bayern auf. Das teilte das Staatsministerium in Stuttgart mit. „Die Bundesländer sind in der Verantwortung, Bayern mit dieser herausfordernden Situation nicht alleine zu lassen. Für Baden-Württemberg kann ich unseren Nachbarn versichern, dass wir auch weiterhin Bayern bei der Aufnahme von Flüchtlingen unterstützen werden“, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

+++ Die Österreichischen Bundesbahnen ÖBB haben den Zugverkehr nach Deutschland am Sonntagnachmittag gegen 17.00 Uhr eingestellt. Das sei auf Wunsch der Deutschen Bahn geschehen, sagte ÖBB-Sprecherin Sonja Horner der Deutschen Presseagentur.

Flüchtlinge: Bald wieder Grenzkontrollen

Flüchtlinge kommen am Sonntag mit Bussen in an der Donnersberger Brücke an.

+++ Angesichts der Flüchtlingskrise will die Bundesregierung nach Medienberichten vorübergehend wieder Grenzkontrollen einführen. Das berichteten am Sonntag die "Bild"-Zeitung und "Spiegel Online". Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) kündigte für 17.30 Uhr eine Stellungnahme zur Flüchtlingslage an.

+++ Am Sonntag trafen bis Mittag etwa 1400 Flüchtlinge am Hauptbahnhof ein. Wegen der verbesserten Weiterverteilung entspannte sich die Lage etwas. Zwei Sonderzüge brachten erneut mehrere Hundert Flüchtlinge nach Nordrhein-Westfalen.

+++ Nach der Errichtung  von rund 1.000 zusätzlichen Plätzen in der Nacht auf Sonntag, gibt es nun eine „Notkapazität von 6000 plus“, wie der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, am Sonntag sagte.

 +++ Vor dem EU-Sondertreffen zur Flüchtlingskrise hat der tschechische Regierungschef Bohuslav Sobotka seinen Widerstand gegen ein verbindliches Quotensystem bekräftigt. „Wir dürfen nicht nachgeben“, sagte der Sozialdemokrat am Sonntag im tschechischen Fernsehen.

+++ Die Münchner Polizei bittet wieder um die Mithilfe aus der Bevölkerung.

63.000 Flüchtlinge seit Ende August in München

+++ Die bayerische Landeshauptstadt München hat seit Ende August 63 000 Flüchtlinge empfangen und versorgt. Das entspreche der Bevölkerung einer Kleinstadt, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, am Sonntag in München.

Erstmals ICE für Flüchtlinge geräumt

Erstmals wurde nun auch ein regulärer ICE für den Transport von Flüchtlingen geräumt.

Auf der Verbindung München-Berlin hat die Deutsche Bahn aufgrund des Flüchtlingsandrangs erstmals einen regulären ICE zum Weitertransport von Flüchtlingen eingesetzt. Die regulären Passagiere mussten auf andere Züge umbuchen.

Ausdrücke für Flüchtlinge zum „Unwort des Jahres“ vorgeschlagen

+++ Für die Wahl zum „Unwort des Jahres 2015“ sind bereits mehrere Ausdrücke zum Thema Flüchtlinge eingereicht worden. „Flüchtlingsfront“, „Asylantenflut“ und „Gutmenschen“ seien mehrmals vorgeschlagen worden.

Olympiahalle soll bis zu 2.000 Flüchtlingen Platz bieten

Die Münchner Olympiahalle soll Flüchtlingen eine Zwischenstation bieten.

+++ Bezüglich der geplanten Unterbringung von Flüchtlingen in der Olympiahalle ist für Mittag ein weiteres Treffen der Verantwortlichen geplant. Im nördlichen Teil des oberen Umlauf-Geländes der Halle soll Platz für 1.500 bis 2.000 Menschen ermöglicht werden. Die Arena sowie der südliche Teil des oberen Umlauf-Geländes kann wegen Umbauarbeiten nicht genutzt werden.

Dabei soll es sich allerdings weniger um eine feste Unterkunft, als vielmehr eine stundenweise Zwischenstation handeln. Flüchtlinge sollen hier nach ihrer Ankunft etwa Essen und neue Klamotten bekommen, bevor sie in andere Unterkünfte weitergeleitet werden.

Weitere Hunderte Flüchtlinge über Nacht in München angekommen

+++ Weitere 750 Flüchtlinge haben am frühen Sonntagmorgen den Hauptbahnhof erreicht. Das teilte ein Sprecher der Bundespolizei am Sonntagmorgen mit. Prognosen zur erwarteten Zahl neu ankommender Menschen wollte die Bundespolizei nicht nennen. Ein rückläufiger Trend sei jedoch nicht zu erwarten, hieß es.

Bis Mitternacht waren am Samstag insgesamt 12.200 Flüchtlinge angekommen.

+++ Angesichts des enormen Flüchtlingsansturms soll die Olympiahalle prophylaktisch mit Betten ausgestattet werden. In der Richelstraße wurden am späten Samstagabend Zelte mit Bierbänken aufgestellt, wo Flüchtlinge die Nacht im Sitzen verbringen konnten.

Zwei Sonderzüge mit jeweils 500 Menschen waren am Samstagabend nach Nordrhein-Westfalen gefahren. Abgesehen davon seien am Samstag lediglich acht Busse mit insgesamt 400 Menschen in andere Bundesländer gestartet. „Das ist einfach lächerlich“, ärgerte sich Reiter.

Dieter Reiter "bitter enttäuscht"

+++ Dieter Reiter wandte sich am Abend mit klaren Worten an seine Amtskollegen: "Jeder Bürgermeister im Land muss akzeptieren, dass dies eine nationale Aufgabe ist", sagte Reiter und fügte hinzu: "Ich bin bitter enttäuscht, dass wir hier auf die Situation zulaufen, dass wir für ankommende Flüchtlinge keinen Platz haben".

Die Entscheidung über weitere Drehkreuze für neu ankommende Flüchtlinge in Deutschland ist weiterhin offen. „Die Diskussion ist nicht abgeschlossen“, sagte ein Sprecher der Bundesinnenministeriums am Samstag auf Anfrage der Deutschen Presseagentur.

+++ "10000 plus X" Flüchtlinge wurden laut Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand für Samstagnacht erwartet. Dadurch sei mit einer Lücke von 1000 bis 5000 Notschlafplätzen zu rechnen. "Wenn mehr kommen als erwartet, werden wir sie schwer bis gar nicht unterbringen können", so Hillenbrand, der für Sonntag den Aufbau weiterer Zelte ankündigte.

Sondersitzung im bayerischen Kabinett

+++ Wegen der sich dramatisch zuspitzenden Flüchtlingslage in München kommt das bayerische Kabinett an diesem Sonntag zu einer Sondersitzung zusammen. Dies teilte die Staatskanzlei am Samstagabend mit. Ministerpräsident Horst Seehofer habe den Ministerrat für 16.00 Uhr einberufen, um weitere Sofortmaßnahmen zur Bewältigung der Krise zu beschließen, hieß es.

+++ Am Samstagabend äußerte sich Kultusminister Ludwig Spaenle, der am Münchner Hauptbahnhof war. Merkels Entscheidung, Flüchtlinge aus Ungarn reinzulassen, stufte der Münchner CSU-Chef "in ihren Folgen für schwierig und damit für falsch" ein. "Es kann nicht sein, dass die Schengen-Außengrenze jetzt am Starnberger Flügelbahnhof ist", so Spaenle, der befürchtet, dass die Leistungsfähigkeit in München bald nicht mehr mit den hohen Zugangszahlen Schritt hält.

Alle Infos von Samstag 

+++ München steht vor der größten Aufnahme von Flüchtlingen innerhalb eines Tages. Wie die Regierung von Oberbayern am Samstagabend mitteilte, könnten bis Mitternacht insgesamt bis zu 13.000 Menschen den Münchner Hauptbahnhof erreicht haben. Bis zum Abend seien es etwa 9000 Menschen gewesen. Abhängig davon, wie viele es letztlich sein werden, könne eine Anzahl zwischen 1000 und 5000 Menschen nicht mehr unmittelbar untergebracht werden, hieß es. Die Behörden erwägen daher, die Olympiahalle kurzfristig als Übernachtungsstätte herzurichten. Auch sei ab Sonntag die Errichtung einer Zeltstadt geplant.

+++ An der österreichisch-ungarischen Grenze in Nickelsdorf sind am Samstag rund 6600 Flüchtlinge angekommen. Das sagte Polizeisprecher Helmut Marban der österreichischen Nachrichtenagentur APA. 

+++ In mehreren deutschen Großstädten haben Menschen am Samstag mit dem Anti-Nazi-Song „Schrei nach Liebe“ gegen Fremdenhass demonstriert. In München und Nürnberg trafen sich insgesamt rund 200 Demonstranten, um das Lied der Berliner Punkrock-Band Die Ärzte gemeinsam zu singen.

Verteilung in andere Länder läuft schleppend

Flüchtlinge werden vom Hauptbahnhof in München zu einer Unterkunft begleitet.

+++ Der unverminderte Zustrom von Flüchtlingen nach München bringt Bayerns Landeshauptstadt an die Kapazitätsgrenze. Nach Schätzungen der Behörden sollten am Samstag bis Mitternacht mehr als 10 000 weitere Flüchtlinge eintreffen. Bis zum Nachmittag kamen 7200 Menschen an, wie eine Sprecherin der Regierung von Oberbayern sagte. Weitere knapp 2000 Menschen wurden bis 18.30 Uhr erwartet.

+++ Innenminister Thomas de Maizière hat die Entscheidung von Kanzlerin Merkel verteidigt, Zehntausende Flüchtlinge unregistriert aus Ungarn nach Deutschland einreisen zu lassen. „Es war die richtige Entscheidung, um in einer humanitären Ausnahmelage vielen Flüchtlingen zu helfen und um die weitere Zuspitzung in einer Notlage zu verhindern“, sagte der CDU-Politiker dem Berliner „Tagesspiegel“. Zugleich machte de Maizière allerdings deutlich, dass die Aufnahme unregistrierter Flüchtlinge eine Ausnahme bleiben müsse: „Wir müssen jetzt schnell wieder zu den geregelten Verfahren zurückkehren“, sagte er. „Wichtig ist, dass wir das Tempo verringern, in dem die Flüchtlinge nach Deutschland kommen.“

+++ Die Unterbringung Tausender Menschen in der kommenden Nacht ist offenbar noch ungeklärt. Rund 3000 bis 5000 Notplätze fehlten, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand. Die Verteilung in andere Bundesländer laufe weiter schleppend.

"Handhabung der Flüchtlingskrise ist erschreckend"

+++ Der Präsident des Bayerischen Landkreistages, Christian Bernreiter, hat in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise den Bund zum Handeln aufgefordert. Nötig sei ein Masterplan zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms, sagte Bernreiter am Samstag in München. Bisher aber reagiere der Bund planlos: „Die Handhabung der Flüchtlingskrise ist erschreckend“, sagte Bernreiter, der auch Deggendorfer Landrat ist.

Hillenbrand: "München schon über dem Limit"

+++ Regierungspräsident Hillenbrand findet klare Worte: "Die Innenminister der Länder sagen, wir sind am Limit. Wir in München sind schon weiter."

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter und der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand am Hauptbahnhof.

+++ In Bayerns Landeshauptstadt werden nach Schätzungen der Behörden bis Samstagabend 10.000 weitere Flüchtlinge erwartet. Bis 10.30 Uhr kamen etwa 3600 Menschen am Münchner Hauptbahnhof an. Das sei die größte Zahl, die es an einem Morgen je gegeben habe, sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand. Mit 3200 Neuankömmlingen wurde für den Nachmittag gerechnet. Derzeit stehen laut der Behörde in München 5200 Plätze in Notunterkünften bereit. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sagte, die Stadt sei an der Kapazitätsgrenze angelangt. Für tausende Menschen, die für diesen Samstag erwartet werden, sei derzeit unklar, wo sie untergebracht werden können. Man erwäge nun, Großzelte aufzustellen.

Reiter und Hillenbrand wiederholten ihren Appell an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die anderen Bundesländer, München und die Region nicht allein zu lassen. Jeder Zug, der in einer anderen Kommune ankomme, sei eine Entlastung für München.

Österreich stellt sich auf neue Flüchtlingsrouten ein

+++ Österreich stellte sich auf neue Flüchtlingsrouten für den Fall ein, dass Ungarn seinen Kurs gegen Migranten weiter verschärft. „Es besteht natürlich die Möglichkeit, dass Ungarn umgangen wird“, sagte der Sprecher des Wiener Innenministeriums, Karl-Heinz Grundböck, am Samstag der österreichischen Nachrichtenagentur APA. Migranten könnten künftig verstärkt über Slowenien nach Österreich kommen.

Neue Notunterkunft in Dornach eröffnet - Helfer und Sachspenden gesucht

+++ Im Aschheimer Ortsteil Dornach haben die Johanniter am Samstag eine neue Notunterkunft für Flüchtlinge mit aktuell rund 1500 verfügbaren Plätzen geöffnet - 1000 weitere sollen noch dazukommen. In der vorübergehenden Bleibe können Flüchtlinge zunächst zu Kräften kommen und menschliche Grundbedürfnisse nach Sicherheit, Hygiene, Verpflegung und Schlaf stillen, bevor sie zu Erstaufnahmeeinrichtungen in Deutschland oder in andere EU-Länder gebracht werden.

Am Wochenende und auch in der nächsten Woche benötigen die Johanniter weitere Hilfe, um die Menschen in der Notunterkunft bestmöglich versorgen und unterbringen zu können. Freiwillige können sich unter 0173 9101249 melden.

Zudem werden noch weitere Güter benötigt, darunter Unterwäsche, Socken und Herrenbekleidung in kleinen Größen (Konfektionsgrößen bis 50 bzw. S und M) sowie Büromaterial - von Tischen und Kaffeemaschinen über Farbdrucker, Flipcharts und Pinwände bis hin zu einem Großkopierer. Die Ansprechpartner für Sachspenden erreicht man unter 0172 2512521.

Innenminister Herrmann erwartet Schritte der anderen Bundesländer

+++ Um München zu entlasten, soll in der Lüneburger Heide ein Drehkreuz für Flüchtlinge in Norddeutschland entstehen. Asylbewerber sollen direkt per Bahn von Österreich nach Bad Fallingbostel gebracht werden, dort in Busse umsteigen und auf die norddeutschen Länder verteilt werden, wie das niedersächsische Innenministerium mitteilte.

+++ Österreich hat die Sperre der Autobahn an einem Grenzübergang nach Ungarn am Samstagmorgen wieder aufgehoben. Am Vortag war die Strecke im Bereich von Nickelsdorf im Burgenland für Autos wegen des großen Flüchtlingsandrangs aus Ungarn für den Verkehr geschlossen worden, wie der Autobahnbetreiber Asfinag mitteilte.

Der Bahnverkehr zwischen Österreich und Ungarn soll am Wochenende ausgesetzt bleiben. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) hatten den grenzüberschreiten Zugverkehr am Donnerstag gestoppt.

+++ Wie viele Menschen in München zu erwarten sind, war bis Samstagmittag noch nicht absehbar. Die Regierung von Oberbayern rechnet jedoch mit weiter steigenden Flüchtlingszahlen und hat neue Plätze in Notunterkünften geschaffen. Um die Flüchtlinge vorübergehend unterzubringen, wurden auf dem Messe-Gelände, in der Innenstadt und in Aschheim im Landkreis München neue Betten aufgestellt worden. Dabei halfen auch Bundeswehrsoldaten, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. „Wir wollen in den nächsten Tagen Kapazitäten im Tausenderbereich schaffen“, sagte eine Sprecherin. Unterdessen hat München zunehmend Schwierigkeiten, Busse und Fahrer zu finden, um die Ankommenden in die Notunterkünfte zu bringen. Zu den leichter erreichbaren Schlafplätzen in der Innenstadt werden Flüchtlinge daher teils zu Fuß begleitet und von der Polizei eskortiert.

1600 Flüchtlinge erreichen München am Samstagmorgen

Am Samstagmorgen erreichten 1600 Flüchtlinge den Münchner Hauptbahnhof. 

+++ Nach einer Prognose von Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier sollen an diesen Wochenende rund 40 000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. Die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoguz, hat sich zurückhaltend zu dieser Zahl geäußert. Noch sei nicht klar, dass sich diese Zahl bewahrheite, sagte die SPD-Politikerin am Samstag im rbb-Inforadio. Fraglos seien aber viele Menschen unterwegs: „Es ist schon atemberaubend, das Tempo, in dem jetzt aus der Region (um Syrien) geflüchtet wird.“

+++ München bereitet sich auf die Ankunft weiterer Zehntausender Flüchtlinge vor. Am Samstag kamen bis um 6 Uhr morgens etwa 1 600 Menschen in der Landeshauptstadt an, wie die Polizei mitteilte. Am Freitag zählte die Bundespolizei rund 5800 Flüchtlinge. Die Bundesregierung rechnet an diesem Wochenende mit der Ankunft von bis zu 40 000 Flüchtlingen in Deutschland.

Bilder: Tausende Flüchtlinge erreichen München

+++ Die zweite bayerische Erstaufnahmeeinrichtung für Asylbewerber mit wenig Aussicht auf ein Bleiberecht geht in Bamberg in Betrieb. Das sogenannte "Balkanzentrum" ist auf einem ehemaligen Gelände der US-Streitkräfte eingerichtet worden. Vom Wochenanfang an sollen dort Menschen vor allem aus den Balkanländern unterkommen, deren Asylantrag aller Voraussicht nach abgelehnt wird. Sozialministerin Emilia Müller (CSU) will sich am Mittwoch vor Ort ein Bild machen. Die Einrichtung ist für bis zu 1500 Menschen vorgesehen, wie das Innen- und das Sozialministerium im August angekündigt hatten. Das erste "Balkanzentrum" richtete der Freistaat in einer ehemaligen Kaserne im oberbayerischen Manching ein.

Alle Infos vom Freitag

+++ Der Flüchtlingsandrang in München ist ungebrochen. Am Freitag wurden bis Mitternacht 10.000 Menschen in der Landeshauptstadt erwartet, wie die Regierung von Oberbayern mitteilte. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) forderte die anderen Bundesländer dringend zur Unterstützung auf. München sei angesichts von 40.000 am Wochenende erwarteten Flüchtlingen mit seinen Kapazitäten am Limit. Tausende hätten sich auf den Weg gemacht. Es sei Aufgabe der Bundeskanzlerin und der anderen Länderchefs, mehr zu tun.

+++ Einfach nur großartig! Vielen Dank an die Kollegen des Radiosenders M94.5 für die hilfreiche Übersichtskarte.

In München kommen weiterhin Züge mit Flüchtlingen an.

+++ Gut 600 der 1000 zusätzlichen Stellen für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) sind vergeben. Verglichen mit 2014 sollen dann 450 weitere „Entscheider“, die über Ablehnung oder Annahme von Asylanträgen befinden, eingestellt sein.

+++ Es gibt wunderbare Nachrichten aus der Richelstraße: Im Hof hat sich ein verlobtes Paar, das sich während der Flucht verloren hat, wiedergefunden.

+++ Die Bundeswehr soll bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise verstärkt anpacken: Als ersten Schritt hat Verteidigungsministerin von der Leyen 4000 Soldaten in Rufbereitschaft versetzt.

+++ Unsere Kollegin war am Freitag vor Ort. In der Richelstraße schnibbelte sie Gemüse. Dort wurden in der Volksküche von freiwilligen Helfern warme Mahlzeiten an die Flüchtlinge verteilt.

+++ Die Deutsche Bahn will für die Unterbringung von Flüchtlingen 20 Immobilien mit einer Gesamtfläche von 10 000 Quadratmetern zur Verfügung stellen. Das kündigte Bahnchef Rüdiger Grube im „Handelsblatt“ (Freitag) an.

+++ Die ungarische Kamerafrau Petra L., die einem Flüchtling ein Bein stellte und gegen ein Kind trat, bittet um Entschuldigung. Sie sei weder "herzlos" noch "rassistisch".

Österreich sperrt Autobahn am Grenzübergang zu Ungarn

+++ Wegen des verstärkten Flüchtlingsandrangs aus Ungarn hat Österreich am Freitagmorgen die Autobahn an einem Grenzübergang zum Nachbarland vorübergehend gesperrt. Von der ungarischen Seite aus dürften bei Nickelsdorf vorerst keine Wagen in Richtung Österreich fahren, teilte der Autobahnbetreiber Asfinag mit. Ähnlich wie in den vergangenen Tagen überquerten zahlreiche Menschen zu Fuß entlang der Fahrbahn die ungarisch-österreichische Grenze. Viele von ihnen wurden im Grenzgebiet erstversorgt, bevor sie weiter in Zügen und Bussen Richtung Wien fuhren.

+++ Neben München erreichen immer mehr Flüchtlinge den Hauptbahnhof Passau. „Die Stadt hat einen Krisenstab eingerichtet, der sich um die Versorgung der Menschen am Hauptbahnhof kümmert“, sagte Stadtsprecherin Karin Schmeller am Freitag. Hunderte Flüchtlinge erreichen derzeit täglich per Zug die Drei-Flüsse-Stadt, weil ihre Züge aus Österreich nach Passau umgeleitet werden. „Die Menschen halten sich in Passau bis zu einer Stunde auf, bis sie in andere Züge umsteigen oder mit Bussen in die Erstaufnahmeeinrichtungen weitergeleitet werden.“ Hinzu kommen in Passau, das als Einfallstor für Flüchtlinge über die Balkanroute gilt, täglich Hunderte Menschen mit illegalen Schleusern.

+++ Eine klare Mehrheit der Deutschen unterstützt die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), in Ungarn gestrandeten Flüchtlingen unkompliziert die Einreise nach Deutschland zu gestatten. 66 Prozent der Befragten äußerten sich im am Freitag veröffentlichten ZDF-"Politbarometer" in diesem Sinn. 29 Prozent bezeichnete die Entscheidung Merkels als "falsch".

Dabei ist sich eine große Mehrheit bewusst, dass die Einreiseerlaubnis dazu führen kann, dass noch mehr Flüchtlinge nach Deutschland kommen. 85 Prozent äußerten diese Erwartung. Nur zwölf Prozent glauben dies demnach nicht. Generell sagten aber 62 Prozent, dass Deutschland die vielen Flüchtlinge aus Krisengebieten verkraften könne. 35 Prozent sind in diesem Punkt allerdings anderer Ansicht.

Faktencheck zur Flüchtlingskrise in München

+++ Seit Anfang September kommen täglich Tausende Flüchtlinge nach München. Wie viele waren es bisher? Wo kommen sie unter? Und welche Alternativen gibt es zu den aktuellen Unterkünften? In unserem Faktencheck zur Flüchtlingskrise in München bekommen Sie alle Antworten.

+++ In einer Woche startet die Wiesn. Dann ist das totale Chaos am Münchner Hauptbahnhof programmiert. Darauf bereitet sich die Staatsregierung vor. Zum Start des Volksfest soll das Polizeiaufgebot verstärkt werden. Das Volksfest verursache dort ohnehin einen Ausnahmezustand, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) auf Anfrage. „Wenn vor allem abends und am Wochenende dann stark alkoholisierte Wiesnbesucher auf so viele Flüchtlinge treffen wie in den letzten Tagen, könnte es eng werden.“

+++ Mehr als 2000 Flüchtlinge haben in der Nacht auf Freitag die österreichisch-ungarische Grenze bei Nickelsdorf überquert. Bis 4.30 Uhr seien rund 2200 bis 2500 Menschen in dem Grenzort eingetroffen, meldete die österreichische Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf die Polizei Burgenland. Etwa 1000 weitere würden in den Nachtstunden noch erwartet. Die Flüchtlinge kamen demnach mit Zügen an und passierten zu Fuß die Grenze. Das bedeutet auch, dass

+++ Ist der Zustrom noch zu stoppen? Die CSU wettert kräftig gegen die Asylpolitik der Kanzlerin. Bayerns Innenminister Markus Söder und Ex-Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich behaupten: Deutschland hat bereits die Kontrolle über die Flüchtlinge verloren. Beide Politiker warnen vor möglichen IS-Kämpfern, die nach Deutschland einreisen und Terroranschläge planen.

Alle Infos vom Donnerstag

Die Zahl der Flüchtlinge, die seit Samstag in München angekommen sind, liegt mittlerweile bei etwa 37.000. Was außerdem in der Landeshauptstadt passiert ist, können Sie hier in unserem Flüchtlingsticker vom Donnerstag nachlesen.

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