Ideale Integration beim Syrer

Obaidah: München ist meine Chance

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Obaidah Alsaleh (32) fühlt sich in München wohl – und geht jeden Tag arbeiten.

München - Er ließ seine Heimat hinter sich, um seine Familie zu retten. In München ist Obaidah nun ein Beispiel für ideal gelungene Integration.

Es ist Dezember 2014. Zusammen mit seiner Familie sitzt Obaidah Alsaleh (32) in seiner Wohnung in Damaskus. Der Syrier hat einen Entschluss gefasst, der sein ganzes Leben verändern wird: „Ich gehe nach Deutschland“, sagt er seiner Mutter und seiner Schwester. Der Krieg, die Zerstörung – Obaidah sieht keine andere Möglichkeit. „Ich wollte eine Zukunft haben“, erklärt der junge Mann heute seinen Schritt. Er hat ihn nie bereut: Jetzt ist der Syrer das, was man einen Idealfall nennt. Er hat einen Job in München, viele Freunde und fühlt sich in der Weltstadt mit Herz pudelwohl.

Die Integration von arabischen Kriegs-Flüchtlingen in unsere Gesellschaft – ist sie überhaupt möglich? Immer wieder wird derzeit über dieses Thema in TV-Talk-runden diskutiert. Man möchte den Skeptikern nur den Fall des 32-Jährigen schildern: Seine Familie legte damals Geld zusammen, um einen Flug ins ferne Deutschland zu ermöglichen. Als Obaidah landete, fühlte er sich wie auf einem fremden Planeten. „Ich konnte ja kein Wort der Sprache“, schildert er in ausgezeichnetem Deutsch. „Für mich war alles anders.“

Schon wenige Wochen nach seiner Ankunft belegt der ehemalige Agrarwissenschafts-Student über das Jobcenter einen Integrationskurs für Flüchtlinge. Jeden Tag paukt er von nun an Vokabeln, lernt Fakten über die Geschichte Deutschlands. „Ich wollte schnellstmöglich arbeiten, Geld verdienen. Und ich wusste sofort: Ich liebe Deutschland. Es ist großartig hier.“

Der Fleiß zahlt sich aus: Mittlerweile arbeitet der Syrer für die Firma New Flag, die Schönheitsprodukte herstellt. „Ich bin zuständig für größere Bestellungen“, erzählt Obaidah zufrieden. „Und ich habe jetzt auch einen Gabelstaplerschein gemacht.“

Sein Traum für die Zukunft? Irgendwann wieder zu studieren. „Und meine Mutter und Schwester hierher zu holen. Das wäre so schön.“ Die Angst um die zwei Liebsten, sie wäre endlich verschwunden.

Flüchtlinge und die Arbeitssuche

Kein Zweifel: In den letzten Monaten hatte Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier mit vielen Flüchtlingen zu tun. Und fast immer machte sie die gleiche Erfahrung: „Diese Menschen sind hochmotiviert, hier Fuß zu fassen.“ Zudem seien sie – vom Arzt bis zum Schneider – oft beruflich hochqualifiziert. „Genau hier müssen wir helfen, den Weg ins Arbeitsleben zu erleichtern.“

Zusammen mit dem Jobcenter München stellte die Referentin daher gestern die neuesten Arbeitszahlen rund um die Flüchtlinge in München vor: So hat das Jobcenter bis zum 12. Oktober rund 2350 gemeldete Flüchtlinge (mit Bleiberecht) in ihrer Kartei (somit stieg die Zahl der erwerbsfähigen leistungsberechtigen Ausländer im Jobcenter auf insgesamt 27 355 an). Von diesen 2350 sind fast ein Drittel unter 25 Jahre alt. Gut 1400 sind für einen Sprachkurs angemeldet. Auch interessant: 400 von ihnen besitzen bereits ausreichende Sprachkenntnisse und Qualifikationen, um sofort eine Arbeit aufzunehmen und 180 sind in der Lage, eine Ausbildung zu beginnen.

Stellt sich die Frage: In welchen Berufszweigen wird derzeit überhaupt nach Arbeitnehmern gesucht? „Da gibt es viele“, erklärt Brigitte Meier. „Unter anderem im Bereich als Pförtner, im Sicherheitsdienst, im Catering oder der Gastonomie.“ Jobs wären also da. Dazu kommt: Würden Arbeitgeber schneller Bescheid wissen, ob Flüchlinge längerfristig in Deutschland bleiben dürfen, wäre die Zahl der eingestellten Flüchtlinge laut Meier schon weitaus höher.

Die Welle an Asylbewerbern seit August hat das Jobcenter noch nicht in seiner Statistik. „Wir bereiten uns auf 6000 Menschen vor“, so Geschäftsführerin Anette Farrenkopf.

Armin Geier

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