So geht’s dem Ex-Goldgrund-Bewohner

tz-Besuch: Ramadan ist jetzt Flüchtlingshelfer

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Ramadan war 2013 der wohl berühmteste Flüchtling Münchens.

München - Vor gut zwei Jahren renovierten die als Gorillas verkleideten Aktivisten von Goldgrund eine städtische Wohnung in einem Haus an der Müllerstraße, das abgerissen werden sollte. Das Haus ist gerettet. Und was macht der damalige Bewohner Ramadan Ahmed (23)?

Er hilft jetzt selbst Flüchtlingen …

Die Wohnung in dem Eckhaus war im März 2013 die wohl bekannteste Bleibe der Stadt, als die Aktivsten von Goldgrund – unter ihnen das Kabarett-Genie Dieter Hildebrandt, seine Kollegin Luise Kinseher, die Sportfreunde Stiller, ­Ex-Bayernkicker Mehmet Scholl und viele andere – die heruntergekommene Bleibe von Ramadan renovierten und die Rapper von Moop Mama davon ein Video auf YouTube stellten. Damit wollten die Aktivisten darauf hinweisen, dass das damals zum Großteil leerstehende Anwesen mit drei Gebäuden nicht abbruchreif, sondern für Flüchtlings- und Kulturprojekte geeignet ist. Mit Erfolg: Das Haus bleibt stehen, dort soll das Flüchtlingsprojekt Bellevue di Monaco verwirklicht werden.

Ramadan Ahmet war damals von den Socken, als er die renovierte Wohnungen wieder betrat: „Ich dachte, die streichen ein bisschen. Dass die ganze Wohnung danach wie neu ist, ahnte ich nicht!“ Eine anonyme Spenderin ließ Ramadan über die tz 500 Euro zukommen. Die schickte Ramadan an seinen kranken Vater weiter, der in Äthiopien lebt.

Ramadan wuchs in der Nähe der somalischen Hauptstadt Mogadischu auf. Warlords kidnappten ihn und wollten ihn zum Krieger ausbilden. Sein Vater befreite den Buben und setzte den Zwölfjährigen 2007 in ein Flugzeug nach Moskau. Der Bub schlug sich nach Rumänien durch, schlief auf der Straße und schaffte es 2010 nach München.

Und was macht Ramadan heute? Er hat eine deutsche Freundin, wohnt in einer Sozialwohnung der Gewofag und hilft Flüchtlingen – in der Arbeitszeit und in der Freizeit. Nach dem Quali in der Schlauschule machte – einem Qualifizierungsprojekt für junge Migranten – ließ er sich zum Pflegehelfer und Sozialbetreuer ausbilden.

Heute arbeitet Ramadan selbständig als Dolmetscher. „Ich übersetze, wenn Flüchtlinge beim Arzt sind oder helfe beim Ausfüllen von Unterlagen von neu angekommenen Asylbewerbern.“ Voraussetzung war ein Kurs an einer staatlichen Dolmetscherschule. Bis nach Memmingen und Ingolstadt führt ihn sein Dolmetscher-Job.

Heute hilft Ramadan selbst Neuankömmlingen.

Zweiter Job ist die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Jugendlichen, die in Unterkünften in ganz München und Umgebung verstreut leben. „Ich helfe bei den Hausaufgaben und schlafe auch nachts im Haus und bin für die Leute da, wenn es nachts Probleme gibt.“ Eine der Unterkünfte beherbergt über 60 Jugendliche, in Karlsfeld betreut er eine Wohngruppe des Kinderschutzbundes mit drei Jugendlichen. Zwei Somalis und ein Syrer. Wie er sich verständigt? „Ich kann Hocharabisch, da kann man sich auch mit Syrern verständigen.“

Auch in der Freizeit besucht Ramadan Flüchtlinge, die sich nicht helfen können. So besucht er regelmäßig den Somali Abdi Abdullahi, der als allein erziehender Vater drei Kinder betreut und noch nicht gut Deutsch kann. „Da gibt es viel Schriftverkehr, da helfe ich ihm einfach so, außerhalb meiner Arbeitszeit.“

Und was macht er mit dem Geld, das ihm bei all seinen Jobs übrig bleibt? „Ich schicke immer wieder etwas an meine Eltern in Äthiopien. Die können jeden Euro brauchen.“

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