Wir sprachen mit der Macherin

Aufrüttelndes Video: Sechs Mio. Flüchtlinge in München

München - Mit dem Szenario von sechs Millionen Realitätsflüchtlingen setzte der "Postillon" die Flüchtlingskrise ironisch mit dem Oktoberfest in Verbindung. Eine Münchner Schauspielerin hat darüber ein satirisches Video gedreht und erklärt uns, wie es dazu kam.

Die Kamera zeigt schockierende Bilder. Sechs Millionen Realitätsflüchtlinge strömen in das Zeltlager auf der Theresienwiese. Genauso, wie es der Postillon schon Anfang September vorausgesagt hatte! Selbsterfüllende Prophezeiung oder doch Zufall? Weder noch. Dahinter steckt ein satirisches Werk der Münchner Schauspielerin Sushila Sara Mai, die in Kooperation mit dem Postillon von den sechs Millionen Realitätsflüchtlingen auf dem Oktoberfest berichtet.

„Ich wollte meinen Beitrag zur Flüchtlingskrise eher mit einer Prise Humor, und nicht mit dem moralisch erhobenen Zeigefinger leisten“, sagt Mai zu unserer Onlineredaktion. Kurios: „Ich hatte eine ähnliche Idee wie der Postillon, das Flüchtlingsthema auf satirische Art und Weise mit dem Oktoberfest in Verbindung zu bringen“, erzählt sie. Das Drehbuch war bereits fertig, als sie plötzlich den Artikel des Postillon über sechs Millionen Realitätsflüchtlinge bei Facebook entdeckte. Um Urheberrechtsverletzungen zu vermeiden, schrieb sie den Satiriker an. „Ich habe ihm mein Drehbuch geschickt und gefragt, ob ich meine Idee filmisch trotzdem umsetzen kann, ohne seine Idee geklaut zu haben“, berichtet Mai. „Er war einverstanden und meinte sogar, dass ich einzelne Textpassagen von ihm übernehmen dürfe.“

Oktoberfest-Satire: Kurzclip binnen eines Tages abgedreht

Gesagt, getan. Mit ihrer Crew war sie am 30. September auf der diesjährigen Wiesn unterwegs, um zu zeigen, wie hart das Leben derjenigen ist, die aus dem Alltagswahnsinn fliehen. Fast sieben Stunden dauerten die Dreharbeiten auf dem Oktoberfest. Geholfen haben ihr Leute aus ihrem Schauspieler-Freundeskreis, die die beiden Hauptrollen übernahmen. Ihren Vater brachte sie ebenfalls zum Mitspielen. „Eigentlich wollte er nur zuschauen, aber wenn er schon da ist, kann er auch gleich mitmachen“, lautete die Devise von Mai.

Ihr war es wichtig, bewusst die Klischees zu verdrehen. So berichtet die deutsche Schauspielerin als Dunkelhäutige über die weißen bemitleidenswerten Realitätsflüchtlinge und die schlechten Bedingungen. Außerdem suchte sie den Wiesn-Wirt, „den die meisten übergewichtig und urbayerisch erwarten“, als schlanken Spargeltarzan aus. Ein weiterer Punkt war, dass die Wiesn vom hygienischen Standard und dem extremen Gedränge im Zelt mit der Situation in Asylbewerberheimen vergleichbar sei, findet sie.

Flüchtlingskrise: Deshalb drehte Mai das Video

Doch wie kam Mai auf die Idee? Die deutsche Schauspielerin indischer Abstammung hat selbst rassistische Erfahrungen in ihrem Leben gemacht und will mit dem Video vor allem zum Nachdenken anregen. „Meine Botschaft ist Solidarität für Flüchtlinge. Wir sitzen alle in einem Boot,“ findet sie. „Und gerade die Leute, die die Flüchtlinge für ihr Verhalten kritisieren, sind nicht besser als sie, machen sogar die gleichen Fehler und benehmen sich selbst beispielsweise auf dem Oktoberfest daneben. Deshalb habe ich in diesem Umfeld den Film gedreht.“

Sie appelliert, dass sich kein Mensch arrogant über andere erheben soll. „Denn uns kann es vielleicht auch wieder mal so ergehen“, ergänzt sie. „Wenn wir zusammenhalten, Flüchtlinge und die Heimischen, dann werden wir auch diese Krise schaffen“, ist Mai sich sicher. Die Probleme der Wohnungsnot oder der sozialen Schieflage sind nicht erst durch die Flüchtlinge entstanden, glaubt sie, sondern werden durch die aktuelle teils kritische Situation erst aufgedeckt.

Rubriklistenbild: © Screenshot YouTube.com

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