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Reise-Chaos am Flughafen München: Experten geben Tipps - So schonen Sie Ihre Nerven

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Von: Dominik Göttler

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Die Sommer-Reisewelle steht vor der Tür. Viele Urlauber sind wegen des Chaos an Flughäfen verunsichert. Ein Überblick über die aktuelle Lage – und Tipps, wie man Kummer bei der Reise vermeidet.

Flughafen München - Nach zwei Jahren Corona-Flaute ist die Reiselust der Deutschen in diesem Sommer so groß wie lange nicht. Allein am Flughafen München haben die Airlines rund 40 000 Starts und Landungen für die Sommerferien angemeldet – fast doppelt so viele wie vor einem Jahr. Bis zu 900 Flugzeuge am Tag werden in den Ferien in München starten und landen. Doch seit die Fluggäste wieder um die Welt jetten, rumpelt und rumort es an vielen Flughäfen – lange Schlangen, stornierte Flüge und ein anhaltendes Koffer-Chaos sorgen regelmäßig für Schlagzeilen. Was heißt das für den Sommerurlaub?

Koffer-Chaos am Flughafen: Airlines haben Kundeansturm massiv unterschätzt

Warum es in der Branche kriselt 

Ganz offensichtlich haben Airlines und Flughäfen massiv unterschätzt, wie schnell und wie viel die Menschen heuer wieder reisen wollen. Sämtliche Prognosen wurden deutlich übertroffen, die Deutsche Flugsicherung (DFS) rechnet bis Ende des Jahres mit so vielen Flugbewegungen, dass 85 Prozent des Vor Corona-Niveaus erreicht werden. „Es geht bergauf – sehr viel steiler, als wir erwartet haben“, sagt DFS-Chef Arndt Schoenemann. Doch um diesen Andrang abzuarbeiten, fehlt es an Personal – von der Abfertigung über den Schalter bis zur Großküche. Die Abfertigungsprobleme an den verschiedenen Flughäfen verstärken sich gegenseitig. Dazu kommen Verzögerungen bei der Lieferung von Ersatzteilen für die Flugzeuge und erbitterte Tarifverhandlungen inklusive Streiks. Auch die Luftraumsperren wegen des Ukraine-Kriegs und technische Umstellungen bei der französischen Flugsicherung wirbeln den Verkehr im europäischen Luftraum durcheinander. An vielen Airports wurden deswegen die Flugpläne ausgedünnt.

Banger Blick auf die Abfluganzeige: Auch am Flughafen München hat die Lufthansa eine ganze Reihe von Verbindungen gestrichen.
Banger Blick auf die Abfluganzeige: Auch am Flughafen München hat die Lufthansa eine ganze Reihe von Verbindungen gestrichen. © picture alliance / Sven Simon

Was wurde aus dem Saisonarbeiter-Plan? 

Um die vom Personalmangel gebeutelte Gepäckverladung an den deutschen Flughäfen zu stabilisieren, sollten auf Initiative der Bundesregierung bis zu 2000 Mitarbeiter aus der Türkei befristet angestellt werden. Auch der Flughafen München hat Interesse an der Beschäftigung solcher Mitarbeiter bekundet. Die Details seien allerdings noch in Klärung, heißt es beim Airport. Das Problem: Für die Arbeit am Flughafen ist eine sogenannte Zuverlässigkeitsüberprüfung notwendig. Recherchen der „Welt“ zufolge liegen derzeit aber noch keine entsprechenden Anträge bei den zuständigen Behörden vor. Mit einer Verbesserung der Situation sei deshalb erst im Oktober zu rechnen, sagte Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbands ADV, der „Welt“. Flughafenmitarbeiter fürchten, dass sich das Chaos mindestens bis Mitte nächsten Jahres hinziehen könnte.

Chaos an Flughäfen in Deutschland: Problem bei Gastarbeitern aus Türkei

Was passiert, wenn der Flug gestrichen wird? 

Allein die Lufthansa hat in Frankfurt und München fast 6000 Flüge gestrichen – „um das Gesamtsystem zu entlasten“, wie Lufthansa-Sprecher Jörg Waber sagt. Betroffene Fluggäste würden umgehend informiert und nach Möglichkeit auf alternative Flüge umgebucht. Waber empfiehlt allen Reisenden, bei ihrer Buchung die Kontaktdaten mitanzugeben, damit kurzfristige Änderungen schnell beim Kunden ankommen. Wer umgebucht wurde, muss dieses Angebot nicht nutzen – eine Stornierung ist möglich, das Geld wird erstattet. Etwaige Ansprüche auf Schadenersatz regelt die EU-Fluggastrechteverordnung.

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Abflug: Wann muss ich am Airport sein?

Lange Schlangen am Checkin oder bei der Sicherheitskontrolle? Aktuell nicht ausgeschlossen. Der Flughafen München rät deshalb: Früh da sein! „Angesichts des erhöhten Verkehrsaufkommens und der aktuellen Turbulenzen im europäischen Luftverkehr sollten die Passagiere circa zweieinhalb Stunden vor Abflug im Terminal sein“, sagt ein Sprecher. Die Lufthansa rät außerdem dringend dazu, im Voraus online einzuchecken – und das Gepäck selbstständig am Automaten aufzugeben. Wer in Flughafennähe wohnt, könne mit dem Vorabend-Checkin zusätzlich Zeit sparen. 

Lufthansa streicht fast 6.000 Flüge: Flughafen München gibt Tipps

Reisen nur mit Handgepäck? 

Noch immer sind allein am Flughafen München mehrere tausend Koffer zwischengelagert, die nicht rechtzeitig bei ihren Besitzern angekommen sind. Aus der Branche heißt es, dass es vor allem beim Transfer Probleme mit der Verladung des Gepäcks gibt, Direktflüge seien seltener betroffen. Viele Passagiere neigen derzeit dazu, nur mit Handgepäck zu reisen, um sich ein Koffer-Chaos zu ersparen. Allerdings weist die Lufthansa daraufhin, dass sich bei viel Handgepäck auch die Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle erhöhen kann.

Den Koffer im Blick: Was bringt ein Tracker?

Wer wissen möchte, wo sich das eigene Gepäckstück gerade befindet, kann auf sogenannte Koffertracker zurückgreifen. Das sind kleine Geräte, die mit einer SIM-Karte ausgestattet sind und ein GPS-Signal senden können. Der AirTag von Apple hingegen arbeitet mit Bluetooth Signalen. Bei beiden Varianten lässt sich mit dem Smartphone nachvollziehen, wo der eigene Koffer ist. Sollte Gepäck verloren gehen, helfen Tracker oder AirTag aber nur bedingt weiter. Denn den Standort des Koffers wissen die Airlines in der Regel ohnehin durch den sogenannten „Bag-Tag“, also den Strichcode, mit dem das Gepäck beim Einchecken versehen wird. Wer sichergehen will, dass sein Koffer in jedem Fall wieder zu ihm zurückfindet, dem rät Lufthansa-Sprecher Jörg Waber: „Ein Namensschild außen sichtbar am Koffer anbringen – und in den Koffer gehört ein Zettel mit Namen, Telefonnummer und Reiseroute sowie Heimund Ferienadresse.“

Trotz Chaos: Flughafen München gut gerüstet für Sommerferien

Sicherheitskontrolle: München als Vorbild?

Der Airport im Erdinger Moos sieht sich trotz aller Probleme in der Branche gut gerüstet für die Sommerferien – auch wenn die Fluggäste wegen der aktuellen Situation immer wieder mit Wartezeiten rechnen müssen. Für die SPD hat der Flughafen München sogar Vorbildcharakter, weil dort die Sicherheitskontrollen von einer Luftsicherheitsgesellschaft organisiert werden, die zu 51 Prozent dem Freistaat gehört. Die SPD-Bundestagsabgeordnete Zanda Martens fordert, dass die Sicherheitskontrollen an allen deutschen Flughäfen wieder in staatliche Hand kommen. Dem „Handelsblatt“ sagte sie: „Das Experiment, mit dem vor Jahrzehnten hoheitliche Luftsicherheitsaufgaben in private Hände gelegt wurden, ist endgültig gescheitert.“ 

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