Startbahngegner geben Seehofer kontra

Kommt die 3. Startbahn durch die Hintertür?

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München - Horst Seehofer strebt einen bayernweiten Volksentscheid über den Bau der 3. Startbahn am Münchner Flughafen an. Startbahngegner geben dem Ministerpräsidenten wegen seiner Pläne nun kontra.

Vor zwei Jahren schien klar, dass die Pläne für die 3. Startbahn begraben sind. Am 17. Juni 2012 stimmten die Münchner in einem Bürgerentscheid mit 54,3 Prozent gegen das 1,3-Milliarden-Euro-Projekt. Doch während die Stadt das Votum respektiert, treibt Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) die Planungen weiter. Grund genug für das Anti-Startbahn-Bündnis AufgeMUCkt, zum zweiten Jahrestag des Bürgerentscheides seine Kampfbereitschaft eindrucksvoll zu demonstrieren.

Gestern demonstrierte das Bündnis AufgeMUCkt: „Wir sind immer noch da und kampfbereit!“

Seehofer erwägt einen bayernweiten Volksentscheid über den Ausbau des Münchner Flughafens, der auch im Landesentwicklungsplan vorgesehen ist. „Vor einer Bürgerbefragung wäre uns nicht einmal unbedingt bange“, betont AufgeMUCkt-Sprecherin Helga Stieglmeier. „Während rund um den Flughafen und in München die Akzeptanz nicht sehr groß ist, haben die Bürger in Nordbayern auch keinen besonderen Wunsch nach einer 3. Startbahn in München. Sie sehen mit Argusaugen, wenn Geld einmal mehr in München investiert wird, außerdem fliegen die Franken von Frankfurt aus.“

Trotzdem fürchtet Freisings zweite Bürgermeisterin Eva Bönig (Grüne): „Das Damoklesschwert der 3. Startbahn schwebt nach wie vor über der Region und den betroffenen Menschen.“ Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hatte im Februar alle Klagen gegen das Milliardenprojekt abgewiesen und keine Revision zugelassen. Laut Bönig wollen die Gegner eine Nichtzulassungsbeschwerde in Leipzig einreichen. Manfred Drobny, Flughafenreferent der Stadt Freising, zweifelt an der Notwendigkeit der 3. Startbahn: „Die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass alle Prognosen zu den Flugbewegungen falsch waren.“ Voriges Jahr habe es im Erdinger Moos nur 380 000 Flugbewegungen gegeben, weniger als 2014. Auch heuer seien bis Juni 1,7 Prozent weniger Starts und Landungen gemessen worden. Die Zahl der Umsteiger sei sogar um satte 18 Prozent gesunken.

Christian Hierneis vom Bund Naturschutz warnt: „Eine 3. Startbahn im Erdinger Moos zu betonieren ist in Zeiten der fortschreitenden Umweltzerstörung nicht tragbar.“ Münchens Grünen-Chefin Katharina Schulze stellt klar: „Die bayerische Staatsregierung und die Stadt München müssen endgültig die Ausbaupläne des Münchner Flughafens ad acta legen.“

Johannes Welte

Fakten zum Airport

Der Franz-Josef-Strauß-Flughafen liegt etwa 28 Kilometer von München entfernt im Erdinger Moos. Er wurde am 17. Mai 1992 in Betrieb genommen, nachdem der alte Flughafen in München-Riem (wurde bereits 1939 eingeweiht) an seinen Kapazitätsgrenzen gestoßen war. Auch die Anwohner sollten vor dem Lärm geschützt werden.

Von den ersten Ideen bis zur Einweihung vergingen knapp 23 Jahre – so lange hatten die Planungen für den neuen Flughafen gedauert! Ursprünglich hatte der Flughafen München nur ein Terminal, das zweite wurde 2003 in Betrieb genommen. Mit 50 Millionen Fluggästen pro Jahr und 90 Flugbewegungen pro Stunde zählt der Airport zu den wichtigsten Drehkreuzen.

Momentan laufen die Arbeiten für das dritte Terminal, den sogenannten Satelliten: Mit dem Neubau wird das von der Flughafen München GmbH (FMG) und der Deutschen Lufthansa AG betriebene Terminal 2 erweitert. Der Flughafen gewinnt dadurch eine zusätzliche Abfertigungskapazität für elf Millionen Fluggäste.

2015 soll der Satellit fertig sein.

Konkurrenz auf der Straße und der Schiene wächst

Viele Fernverkehrsstrecken der Bahn werden schneller.

Während Bayern die Pläne für die 3. Startbahn vorantreibt, nimmt die Konkurrenz auf Straße und Schiene zu. Die Bahn baut viele Strecken aus, und der Fernbusverkehr boomt dank der Liberalisierung. Millionen Reisende nutzen schon dieses neue Angebot. Zum Teil bleiben viele Passagiere ganz auf dem Boden oder sie können ohne Zubringerflüge anreisen. Hier die Projekte der Bahn:

  • Die Fahrzeit auf der ICE-Strecke Stuttgart–München verkürzt sich dank Stuttgart 21 ab 2021 von jetzt 2:19 Stunden auf 1:42 Stunden.
  • Auf der ICE-Strecke München-Berlin verkürzen sich die Fahrzeiten ab 2017 von jetzt 6:05 auf 3:45 Stunden.
  • Die Fahrzeit nach Zürich soll bis 2020 von 4:08 auf 3:15 Stunden reduziert werden.
  • Der Brenner Basistunnel verkürzt voraussichtlich ab 2025 die Fahrzeit nach Verona von jetzt 5:18 auf 3 Stunden.
  • Auch die Strecke nach Wien soll ausgebaut werden, die Fernzüge sollen über den Münchner Flughafen nach Mühldorf und Salzburg rollen. Die Neufahrner Spange soll dann ab 2016 den Airport an die Regensburger Strecke anschließen.

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