Vom Cockpit bis zur Koje

Die tz nimmt neuen Airbus A 350 unter die Lupe

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Das ist der neue Airbus A-350.

München - Eine Wohlfühl-Atmosphäre wie in einem schicken Luxushotel herrscht im A350 XWB, dem neuen Supervogel von Airbus. Die tz wirft einen Blick ins Innere des modernsten Langstreckenflugzeugs der Welt.

Edles Parkett im Eingangsbereich, harmonische Lichtspiele, komfortables Platzangebot und Full-HD-Bildschirme finden sich im A350 XWB. XWB? Das ist mehr als nur ein Modellname. „EXtra Wide Body“, zu Deutsch: extra breiter Rumpf. Damit kündigt der französische Flugzeugbauer schon im Namen an, was bei näherem Betrachten ins Auge sticht: überall jede Menge Platz. Zwei Tage machte der jüngste Spross der Airbus-Familie am Münchner Airport halt.

Die Lufthansa hat kürzlich 25 Flugzeuge vom Typ Airbus A350-900 bestellt. Ab Ende 2016 wird der erste A350, der mit besonders geräuscharmen Triebwerken ausgestattet ist, regelmäßig im Liniendienst ab München eingesetzt. Weltweit steht der neue Airbus bei 40 Fluggesellschaften auf dem Einkaufszettel. 780 Stück sind schon bestellt. Einzelpreis: knapp 300 Millionen Euro!

Technik der Superlative

Noch sind Messstationen an Bord für die Testphase.

Den Jungfernflug absolvierte der neue Airbus am 14. Juni 2013. Seit Dezember 2014 ist er auch ganz offiziell in der Luft unterwegs. Mit 67 Metern Länge, 65 Metern Flügelspannweite und einer Höhe von 17 Metern bricht der neue Airbus keine Rekorde. Auch wenn das Startgewicht von monströsen 270 Tonnen beeindruckt. Auf einer Flughöhe von etwa 11 Kilometern ist der A350 mit rund 910 km/h unterwegs. Erstaunlich ist die Effizienz der zwei kraftvollen Rolls Royce-Motoren. Bis zu 15.000 Kilometer kann der Jet dadurch zurücklegen. Sparsam ist das Flugzeug auch durch seine intelligente Leichtbauweise. So besteht der Rumpf der Maschine überwiegend aus Kohlefaser – ein extrem stabiler Verbundwerkstoff, der beispielsweise auch in der Formel 1 zum Einsatz kommt. Dadurch braucht der neue Airbus 25 Prozent weniger Kerosin, auch bei den Ausstößen erreicht er rekordverdächtige Tiefstwerte.

Hightech im Innenraum

Hoher, breiter, weiter: Viel Platz ist auch in der Economy-Klasse.

So viel Hightech und Luxus gab’s in der „Holzklasse“ wohl noch nie! Auch wer „nur“ Economy fliegt, darf sich vieler Annehmlichkeiten erfreuen. Jeder Passagier hat ein modernes Repertoire an Unterhaltungselektronik zur Verfügung. Wenn’s mal wieder länger dauert, einfach gemütlich einen Film auf einem der riesigen Bildschirme anschauen. Natürlich alles in Full-HD! Neueste LED-Technologie in den Deckenbeleuchtungen sorgen für Behaglichkeit. Durch das sogenannte „Moodlighting“ können mithilfe von 6,7 Millionen Farben unterschiedliche Tageszeiten nachempfunden werden. „Auch Sonnenuntergänge lassen sich simulieren“, erklärt Roland Naudy, Kommunikationsmanager bei Airbus.

Economy-Klasse

Hier lässt es sich aushalten. Besonders Langstreckenflüge sind oft der Horror für viele Passagiere. Grund: Keine Beinfreiheit und viel zu enge Sitze. Im A 350 ist damit Schluss. Wegen seines extrabreiten Rumpfes war es den Ingenieuren möglich, die Sitzfläche für jeden Passagier zu vergrößern – geballte 46 Zentimeter Freiheit über den Wolken. Auch besonders leise soll es während eines Fluges in der Kabine sein. Grund dafür sind neuartige Dämm-Materialien in der Verkleidung. Der Fluggast profitiert von der Verbreiterung des Rumpfes zudem in der Kopffreiheit und hat auch in den Gepäckablagen mehr Stauraum. Sitzplätze in der Economy-Klasse: 210. Bei Bedarf können weitere 35 geschaffen werden.

Business-Klasse

So wird Fliegen zur Entspannung: die Business-Klasse.

Beim Probeliegen wurde es deutlich: Ein Flug über den großen Teich lässt sich wohl kaum entspannter verbringen als in der Business-Class. Ganz ohne Arbeit, versteht sich. Die Beinfreiheit? Beinahe grenzenlos! Zur Schlafenszeit lässt sich der Sitz ganz einfach zum Bett umfunktionieren. Ein kuscheliger Teppichboden erhöht den Wohlfühlfaktor erheblich. Aber: Exklusivität hat natürlich ihren Preis. Nur 42 Personen haben in diesem Bereich Platz. Insgesamt kann der Airbus also 252 Menschen transportieren.

Cockpit

tz-Reporter Johannes Heininger (r.) hat Pilot Martin Hoell getroffen – natürlich im Cockpit.

Und er fliegt den sparsamen Supervogel: Pilot Martin Hoell durfte den neuen Airbus A350 XWB bereits zwei Mal durch die Lüfte manövrieren. Und das soll möglichst noch nicht der letzte Flug gewesen sein. Hoell: „Ich durfte bereits in Toulouse am Simulator Erfahrungen sammeln. Aber in der Realität ist alles noch viel beeindruckender. Er lässt sich super fliegen, eine tolle Erfahrung!“ Auch das Cockpit hat es ihm angetan: „Es ist wirklich sehr gelungen, alles topmodern.“ Zwar gibt es immer noch viele Schalter, Hebel und Knöpfe, aber auch in die Steuerzentrale moderner Flugzeuge hat der technische Fortschritt Einzug gehalten. Mit einer Maus, ähnlich wie die eines PCs, kann der Pilot die Maschine steuern, auf hochauflösenden Bildschirmen werden ihm die aktuellen Messstände übermittelt.

Testphase

Der Supervogel ist nicht im Linienbetrieb. Er wird von Airbus noch zu Testzwecken genutzt. Deshalb hat die Maschine auch noch keine Sonderlackierung. Das graue Geflecht am Heck des Flugzeugs soll Kohlefaser darstellen – der Grundwerkstoff und Symbol technischen Fortschritts. Weil bei neuen Modellen, ähnlich wie bei Autos, immer wieder Verbesserungsbedarf besteht, hat man im Inneren eine Art Messstation eingebaut. Hier werden während des Fluges Daten wie beispielsweise die Lautstärke im Inneren der Kabine, die Temperatur oder die Luftfeuchtigkeit gemessen und ausgewertet. Insgesamt fünf Testflugzeuge dieses Typs hat Airbus im Einsatz.

Johannes Heininger

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