Prozess

Folter-Orgie: Überraschende Wende

Schongau/München – Überraschende Wende im Fall der angeblich bei einer Party sexuell misshandelten und gefolterten Schongauerin: Alle drei Angeklagte kamen auf freien Fuß. Zumindest einer aus dem Trio muss trotzdem ins Gefängnis – wegen eines anderen Vergehens.

Die Anklage klang schrecklich: Während einer privaten Party in Schongau sollen Gäste eine Frau (31) im August 2010 zusammengeschlagen und ihr die Kleider vom Leib gerissen haben.Die Täter – zwei 38 und 29 Jahre alte Männer sowie eine 33-jährige Frau – hätten sie brutal missbraucht und dann auch noch gezwungen, Katzenfutter zu essen.

Doch das vermeintliche Opfer, das aus der Haft vorgeführt wurde, weil gegen es ein Strafverfahren wegen Betrugs läuft, war offenbar nicht glaubwürdig: Bei ihrer stundenlangen Zeugenvernehmung am Amtsgericht München unter Ausschluss der Öffentlichkeit verstrickte sie sich nach tz-Informationen derart in Widersprüche, dass es für die Beteiligten nur einen Rückschluss gab: Entweder hat sie bei ihrer polizeilichen Vernehmung gelogen oder sie lügt vor Gericht. Deshalb stellte Richterin Ulrike Vittinghoff das Verfahren gegen die drei Angeklagten ein. Auf die 33-Jährige wartet jetzt voraussichtlich ein weiteres Strafverfahren wegen uneidlicher Falschaussage und falscher Verdächtigung.

Dass die Vorwürfe gegen das arbeitslose Trio für möglich gehalten wurde, zeigt sich zumindest an dem 29-Jährigen. Der Schwabsoiener stand nämlich vor rund einer Woche vor dem Amtsgericht Weilheim. Er hatte sich während des Spiels der Fußball-Europameisterschaft zwischen Deutschland und Portugal am 9. Juni mal wieder so richtig volllaufen lassen und war – wie schon so oft unter Alkoholeinfluss – straffällig geworden.

Schon als der 29-Jährige zur Halbzeitpause in eine Schongauer Bar kommt, hat er mit einem Freund gewaltig gebechert. In der Bar säuft er weiter. „Insgesamt habe ich so 15 Bier und Schnäpse getrunken“, sagte der 29-Jährige in der Verhandlung vor der Jugendkammer des Weilheimer Amtsgerichts. „Wir waren beide angetrunken, aber gut drauf“, sagte sein 42-jähriger Begleiter als Zeuge vor Gericht.

Dennoch eskaliert die Situation nach dem Fußballspiel: „Er ist mir durch aggressives Auftreten aufgefallen“, schilderte ein Zeuge, der damals ebenfalls Gast war. Als der Barkeeper den Angeklagten dann gegen 23.15 Uhr aus der Bar schickt, pöbelt dieser die Gäste an, die in Grüppchen draußen stehen. Ein bis dahin unbeteiligter 17-Jähriger aus Schongau kommt hinzu, der Angeklagte torkelt auf ihn zu und verpasst ihm einen Schlag auf die Nase. Das Nasenbein des 17-Jährigen wird geprellt, er hat drei Tage Schmerzen und ist mehrere Wochen empfindlich an der Stelle.

Wie sich die Situation aus Sicht des Täters darstellt, wird man nie erfahren. „Ich kann mich an nichts mehr erinnern, ich hatte einen Filmriss“, sagte der 29-Jährige vor Gericht. Dieser Aussetzer reiht sich in eine ganze Riege von Straftaten ein, die der 29-Jährige unter Alkoholeinfluss bereits begangen hat: Da waren Trunkenheitsfahrten, eine versuchte räuberische Erpressung, Beleidigungen und mehrere sexuelle Nötigungen von damals 14- bis 15-jährigen Mädchen am Bahnhof in Peißenberg. Deswegen hat der 29-Jährige die Auflage, keinen Alkohol zu trinken, gegen die er aber immer wieder verstößt.

Er besucht sporadisch die Suchtberatung, sagt aber über sich selber, dass er wohl auf Alkohol nicht verzichten kann. Selbst Haftstrafen konnten am Verhalten des Angeklagten bislang nichts ändern. Nun muss der Schwabsoiener wieder ins Gefängnis: Richter Michael Eberle verurteilte den 29-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und drei Monaten ohne Bewährung wegen vorsätzlichen Vollrausches.

Kathrin Hauser und Eberhard Unfried

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