Neuer Fair-Teiler

Foodsharing: Teilen von Lebensmitteln liegt im Trend

+
Über das Internet können überschüssige Lebensmittel vermittelt werden.

München - Teilen ist im Trend: Viele Leute teilen ihre übrig gebliebenen Lebensmittel, anstatt sie wegzuwerfen. Für sie gibt es in München ab Montag ein neues Angebot.

Babynahrung gibt es zum Beispiel in Riem, grünen Tee in Schwabing und wer Brot, Brezen und Teilchen möchte, kann sich das in der Altstadt besorgen: Foodsharing ist im Trend. Gemeinsam kämpft München gegen die Verschwendung von Lebensmitteln. Die Idee hinter der Bewegung ist einfach: Wer Lebensmittel hat, die er nicht braucht, stellt sie für die Allgemeinheit zur Verfügung. Sei es das restliche Essen von einer Party, übriges Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten oder Lebensmittel, die einem selbst nicht schmecken. Denn irgendjemand findet sich sicher, der die Lebensmittel gerne nutzen würde.

Auf der Internetseite von Foodsharing haben sich in Deutschland, Österreich und der Schweiz schon 60.000 Menschen angemeldet. Jeder Nutzer kann Essenskörbe mit Lebensmitteln verschenken und abholen. Auf einer Landkarte ist sichtbar, wo welche Lebensmittel angeboten werden. Hat man etwas gefunden, was man braucht, kontaktiert man den Anbieter und bespricht mit ihm persönlich alles Weitere. Allein in München sollen auf diese Weise schon 6447,75 Kilo Lebensmittel "gerettet" worden sein, sagen die Betreiber der Plattform. 

Lebensmittel genau unter die Lupe nehmen

Die Foodsharer vernetzen sich auch über soziale Netzwerke. Die Foodsharing-Gruppe für München  hat in Facebook schon über 2800 Mitglieder. Dort werden ebenfalls übrige Lebensmittel an den Mann und an die Frau gebracht. Auch Lebensmittel, die eigentlich noch absolut in Ordnung sind, aber bei denen das Mindesthaltbarkeitsdatum schon abgelaufen ist, werden teilweise noch verschenkt. Denn das Mindesthaltbarkeitsdatum ist das Datum, bis zu dem der Hersteller garantiert, dass die Lebensmittel mindestens haltbar sind. Es ist aber kein Verfallsdatum, wie die Verbraucherzentrale Hamburg erläutert. Darum bedeutet es nicht, dass alle Lebensmittel schlecht schmecken oder nicht mehr genießbar sind, wenn sie abgelaufen sind.

Wichtig ist, dass die Verbraucher, bevor sie abgelaufene Lebensmittel essen, diese genau unter die Lupe nehmen. Sie sollten untersuchen, ob sich Schimmel gebildet hat und ob das Produkt seltsam riecht oder komisch aussieht. Auch bei Lebensmitteln, auf denen kein Mindesthaltbarkeitsdatum, sondern ein Verfallsdatum oder der Zusatz "verbrauchen bis" aufgedruckt ist, ist Vorsicht geboten: Sie sollten nach Ablauf des Datums nicht mehr verwendet werden, weil sich Keime bilden können.

Viele Lebensmittel landen trotzdem sofort im Abfall, wenn sie abgelaufen sind. Laut einer Studie der Universität Stuttgart wirft jeder Deutsche im Schnitt zwischen 71 und 92 Kilo Lebensmittel weg. Bei allen deutschen Haushalten kommen so 5,8 bis 7,9 Millionen Tonnen Lebensmittelabfälle im Jahr zusammen. 47 Prozent davon wären vermeidbar, 18 Prozent immerhin teilweise vermeidbar. Dadurch gibt jeder Deutsche im Schnitt jährlich zwischen 200 bis 260 Euro zusätzlich aus.

Lange Öffnungszeiten bis 23 Uhr

Das will die Münchner Freiwilligen-Plattform Foodsharing ändern. Sie eröffnet deshalb am Montagabend im EineWeltHaus in München einen weiteren Fair-Teiler, es ist mittlerweile der vierte. Das ist ein Ort, zu dem Münchner ihre übrigen Lebensmittel bringen können. An den Lebensmitteln kann sich dann jeder bedienen, der sie braucht. Zugangsbeschränkungen gibt es keine, man muss nichts mitbringen und es kostet nichts. "Wir sind kein Tauschladen. Uns geht es darum, den Überschuss dorthin zu verteilen, wo er Verwendung findet, um der Verschwendung von genießbaren Lebensmitteln entgegen zu wirken", erklärt Marius Diab von Foodsharing. Drei weitere Fairteiler gibt es schon in München: In Haidhausen im Nachbarschaftshilfeverein, in Neuhausen im Canesisraum des Leonrodhauses und in Giesing in den Räumlichkeiten des Nachbarschftstreffs am Walchenseeplatz.

Der neue Fair-Teiler aber ist ein Novum: Er hat sehr lange Öffnungszeiten. Montag bis Freitag, sowie sonntags kann man von neun bis 23 Uhr Lebensmittel abgeben und abholen, samstags sogar von neun bis 24 Uhr.

cla

Welche Lebensmittel sind wie lange haltbar?

auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn-Chaos: Auch am Dienstag lief es nicht rund
S-Bahn-Chaos: Auch am Dienstag lief es nicht rund
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich
Blitzeis-Bilanz: Münchner kratzten, rutschten und verletzten sich

Kommentare