Franka: Münchens schillerndster CSD-Star

+
Dieses Kostüm besteht aus unzähligen rosa und gelben Strohhalmen.

Er trägt Nylonstrümpfe, Glitzerkleider und Lippenstift: Frank K. aus München ist eigentlich gelernter Friseur – zum Christopher Street Day (CSD) wird sich der 49-Jährige allerdings in eine schräge Drag Queen verwandeln.

Und wieder der große Star der Homo-Demo sein!

Eine ganz gewöhnliche Wohnung in Milbertshofen: Der kleine Balkon ist liebevoll mit Margeriten bepflanzt, das Wohnzimmer geschmackvoll eingerichtet. Nur die Nähmaschine und der rosa Tüll auf dem Esstisch verraten die Leidenschaft des 49-Jährigen. „Ich liebe die Selbstdarstellung“, sagt er und zündet sich eine Zigarette an. „Als Franka bin ich dramatisch und divenhaft – als Frank geht das nicht.“ 14 Tage im Jahr stylt er sich zur Drag Queen, stöckelt bei Schwulen-Events auf Stilettos und in schrillen Kleidern durch die Straßen. Und ist mittlerweile ein Star: In einer Frauenzeitschrift wurde Franka sogar irrtümlicherweise mit Lilo Wanders verwechselt!

Drei Stunden dauert die Verwandlung: Rasieren, Duschen, Make-up auflegen. „Für mich ist das eine Zeremonie, ich genieße jede Sekunde.“ Die Kleider näht der homosexuelle Frisör alle selbst – zum diesjährigen CSD geht er als Kalorienbombe – im rosa Glitzerkleid mit riesigem Schaumkuss auf dem Kopf und Plastik-Schokolade auf den ausgestopften Brüsten. In der U-Bahn wird Franka so wieder für jede Menge Aufsehen sorgen: „Zwei Freunde tragen mein Kostüm. Ganz umziehen kann ich mich erst dort, sonst würde ich nicht durch die Tür passen. Auch der Gang zur Toilette ist umständlich – zum Glück hab ich eine gute Blase.“

Seine 100 Kostüme bewahrt Frank K. in der Galerie seines doppelstöckigen Wohnzimmers auf – er nennt es „Fummelstudio“. Schwierig ist allerdings der Schuhkauf. Frank trägt Größe 43 – nicht unbedingt das, was man zarte Damenfüße nennt: „Da haben’s Frauen eindeutig leichter – meine High Heels sind aus Spezialgeschäften.“

Aus seiner Homosexualität hat der Frisör nie ein Geheimnis gemacht, aufgewachsen ist er mit vier Geschwistern auf einem Bauernhof bei Ingolstadt: „Meine Familie hat auf mein Outing sehr tolerant reagiert, das war toll“, erzählt er. Auch seine Kunden haben damit kein Problem, im Gegenteil: „Viele kommen heute sogar zur Parade.“

Der 49-Jährige liebt es, Menschen um sich zu haben, besucht regelmäßig seine Mama und trifft sich mit Freunden. „Momentan habe ich keinen Partner, meine Freunde sind meine Ersatzfamilie.“ Sein größter Wunsch: „Die Gesellschaft muss Homosexuellen gegenüber toleranter werden. Wir möchten genauso akzeptiert werden wie jeder andere Mensch auch.“

Start: Samstag, 11 Uhr

Brücken bauen – zu jedem Ufer: Das ist das Motto des diesjährigen Christoph Street Days (CSD) in München. Die zweitägige Homosexuellen-Demo startet am Samstag um 11 Uhr mit dem Politischen Auftakt am Marienplatz. Um 12 Uhr fällt dann der Startschuss zur großen CSD-Politparade, OB Christian Ude wird den Zug persönlich anführen.

Wegen Bauarbeiten in der Residenzstraße wurde die Streckenführung im Vergleich zum vergangenen Jahr verändert: Nach dem Start geht es weiter über die Dienerstraße, dann über den Promenadeplatz und die Pacellistraße zum Lenbachplatz, anschließend wie in den letzten Jahren über Stachus, Sendlinger Tor, Fraunhoferstraße und Gärtnerplatz bis zum Isartor und über das Tal zurück zum Marienplatz.

Sowohl Samstag als auch Sonntag findet das Straßenfest von 12 bis 23 Uhr statt. Auf dem Marienplatz erwartet die Besucher am Samstag ein bunt-gemischtes Kulturprogramm mit den Musikstars Men, Paula, dem Scream Club und Zeigeist. Der Sonntag steht ganz im Zeichen des legendären Pumps Race: Um 17 Uhr liefern sich hier zehn schrille Teilnehmerinnen auf hohen Pumps ein Wettrennen rund um die Mariensäule.

Für alle Feierwütigen findet außerdem heute abend ab von 22 bis 5 Uhr das 6. CSD-Rathausclubbing mit sechs Tanzflächen statt, bei der Open-Air-Disko am Rindermarkt legen Szene-DJs auf.

Quelle: tz

Auch interessant

Meistgelesen

Nach Berliner Vorbild: Neues System soll Münchner U-Bahnen revolutionieren
Nach Berliner Vorbild: Neues System soll Münchner U-Bahnen revolutionieren
Wunder von Freimann: Lkw überfährt Elfjährige auf Schulweg - dann kommt die große Erleichterung
Wunder von Freimann: Lkw überfährt Elfjährige auf Schulweg - dann kommt die große Erleichterung
Neue Partylocation in München: Das steckt hinter der auffälligen Fassade
Neue Partylocation in München: Das steckt hinter der auffälligen Fassade
Unglaublich: Münchner (14) läuft aus Versehen ganzen Marathon: „Als ich merkte, dass ich falsch bin ...“
Unglaublich: Münchner (14) läuft aus Versehen ganzen Marathon: „Als ich merkte, dass ich falsch bin ...“

Kommentare