Ausufernde Bürokratie für Wirte

Irrer Streit um Freischankflächen in der Au: Warum Gäste auf dem Gehsteig sitzen

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Die Tische vor dem Franziskaner in der Au dürfen nur auf dem Gehweg stehen. Für die freie Kiesfläche hat Wirt Andreas Waloßek keine Genehmigung.

Die Tische vor dem Franziskaner in der Au reihen sich auf dem Gehweg um einen freien Platz. Auf der einen Seite parken Autos, auf der anderen flitzen Radler vorbei. Nur die Fläche in der Mitte, direkt unterm Baum – die ist gähnend leer. Zum Leid der Wirte.

München - „Wir hätten eine wunderschöne Freifläche“, klagt Andreas Waloßek. Der ehemalige Koch des FC Bayern betreibt das Franziskaner in der Au seit etwa einem Jahr mit seinem Bruder Peter. „An heißen Tagen würde der Baum Schatten spenden.“ Würde. Denn die aufgekieste Fläche ist Sperrzone! Die Brüder haben keine Genehmigung, dort Tische und Stühle aufzustellen. Die Stadt habe einen Antrag der Vorpächter für eine Freischankfläche abgelehnt. Begründung: Der Baum auf der „Grünfläche“ könne Schaden nehmen. Ein KVR-Sprecher bestätigt, dass die Fläche als Grünfläche ausgewiesen sei. „Grün sehe ich hier zwar nicht“, meint Waloßek. Seines Wissens nach hatte die Stadt versucht, Rasen anzusäen. „Aber es ist nichts geworden, weil der Baum Schatten gemacht hat. Also hat man aufgekiest.“

Franziskaner in der Au: Viel Bürokratie für Gastronomen

Rückhalt erhalten die Brüder vom Verpächter. „Die Brauerei hat sich ans KVR gewandt“, so Waloßek. Der KVR-Sprecher teilt mit, dass dem Eigentümer erläutert worden sei, welche Unterlagen für einen Freischankflächenantrag nötig seien. „Danach werden die Fachdienststellen um eine Stellungnahme gebeten.“ 

Entscheide der Bezirksausschuss positiv, müsse diese Entscheidung an die Lokalbaukommission weitergegeben und eine Baugenehmigung beantragt werden. Viel Bürokratie - die schon am Apothekensterben in München einen großen Anteil hat - für Gastronomen. „Grundsätzlich gelte, dass das wirtschaftliche Interesse der Freischankflächen-Betreiber hinter den Belangen von Sicherheit und Verkehr zurückzustehen habe“, so der KVR-Sprecher. 

Café 36: Auch im Gärtnerplatzviertel wird es eng

Bei strahlender Sonne durchs Gärtnerplatzviertel spazieren, an einem Café Halt machen und einfach mal die Beine ausstrecken… Klingt  traumhaft? Ist aber nicht erlaubt! Mirela Georgescu betreibt das Café 36 in der Klenzestraße und weist ihre Gäste jetzt per Aushang daraufhin, ihre Beine nicht über die weißen Punkte auf dem Boden zu strecken. „Sonst muss ich Ordnungsgeld zahlen“, sagt sie. 

Klenze 36 und die Freischankfläche. Im Bild Gast Anna Schweda.

Grund: Das Kreisverwaltungsreferat schreibt Markierungen für Freischankflächen vor - damit genug Platz auf dem Gehweg bleibt, etwa für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer. So bleibt in dem Café eine 90 Zentimeter breite Sitzfläche. Anna Schweda ist Gast und findet die Punkte irrsinnig: „Meine Mutter ist körperlich eingeschränkt und braucht mehr Platz. Die Stadt sollte lieber schauen, dass keine E-Scooter auf den Gehwegen stehen.“

Das Gasthaus Limm in Münsing am Starnberger See gibt es seit 1873. Kürzlich musste das Traditionswirtshaus schließen. Warum? „Der Staat behandelt Wirte wie Verbrecher.“

D. Schmitt

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