Die Horror-Mutter von Moosach

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Horror-Mutter Ramata S. wird in den Gerichtssaal geführt: Für die von ihr mit heißem Wasser gequälte Stieftochter äußerte sie keinerlei Mitgefühl.

München - Eine junge Frau hat gestanden, ihrer Stieftochter absichtlich mit siedend heißem Wasser verbrüht zu haben. Das war jedoch nicht die einzige Misshandlung. Was die Frau zu der Tat getrieben hatte:

Der heiße Wasserstrahl traf das kleine Mädchen am Bauch, zwischen den Oberschenkeln. Baina (7, Name geändert) schrie vor Schmerzen wie am Spieß, doch Stiefmutter Ramata S. (23) kannte keine Gnade. Minutenlang, wie sie am Montag vor Gericht zugab, spritzte die Senegalesin das Kind in der Badewanne in ihrer Moosacher Sozialwohnung mit heißem Wasser ab. Erst nach fünf Tagen unsäglicher Qualen brachte der Vater das Kind in eine Klinik. Es war dem Tod schon sehr nahe.

Den Erzieherinnen im Kindergarten waren seit Dezember 2008 häufig Verletzungen an Baina aufgefallen: Verbrühungen, Schnittwunden, eine verbrannte Hand (hatte die Mutter auf die heiße Herdplatte gedrückt), blaue Flecken, Schwellungen an den Lippen. Immer wieder konnte Ramata S. diese als Unfall darstellen. Sieben brutale Übergriffe listet Staatsanwalt Andreas Franck in seiner Anklage auf. Einmal trampelte die Stiefmutter mit den Schuhen auf Baina herum. „Weil sie die Wände angemalt hat“, erklärte die Angeklagte. Und warum kam es zu dem Gewaltexzess unter der Dusche am 4. Mai 2010? „Sie hat in Bett gemacht“, rechtfertigt die Frau diese Tat. Laut Anklage schrie sie das Mädchen an: „Du sollst tot sein, ich habe ein eigenes Kind.“

Die Horror-Mutter schaltete erst die dampfend heiße Brause ab, als die Verletzungen nicht mehr zu übersehen waren. „Die Haut löste sich ab“, so die Angeklagte. Sie habe danach die Wunden mit einer Creme behandelt, ein Mittel gegen die höllischen Schmerzen gab sie dem Mädchen nicht. Als der Vater Alhassane K. (42) von der Arbeit heimkam, sah er keinen Anlass, das Kind zum Arzt zu bringen. Erst am 9. Mai, als das Herz seiner Tochter jagte und die Durchblutung von Händen und Füßen stockte, brachte er Baina in die Klinik. Er ist jetzt wegen Misshandlung in Mittäterschaft angeklagt. Das Paar wurde am 21. Mai verhaftet.

Der frühere Aufseher im Schloss Nymphenburg ist inzwischen wieder frei, seine Frau sitzt weiter in Untersuchungshaft. Sie hat im Gefängnis einen Sohn zur Welt gebracht. Die Behörden nahmen dem Paar alle Kinder weg, sie wachsen jetzt in Pflegefamilien auf. Baina wird ein Leben lang unter schlimmen Narben leiden, die psychischen Folgen sind nicht absehbar. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Eberhard Unfried

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