"Dafür habe ich KEIN Verständnis"

Münchnerin kritisiert Bahn auf Facebook: 70.000 Likes

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Erst eine strapaziöse ICE-Fahrt, dann ein Erlebnis in der S-Bahn München.

München - Eine Frau schreibt der Deutschen Bahn über ihre ICE-Fahrt: Verspätung, kaputte Klimaanlage, überfordertes Personal. Doch der größte Aufreger kommt in der S-Bahn. Der Facebook-Post hat schon mehr als 50.000 Likes.

Die Deutsche Bahn ist Beschwerden und Beleidigungen auf ihrer Facebook-Seite gewohnt. Sanft und geduldig antworten die Social-Media-Manager den Kunden. Auch die Münchnerin Anke schreibt der Bahn, bekommt mehr als 70.000 Likes (Stand: Donnerstag, 16.50 Uhr) und eine Antwort von der Bahn. Ankes Facebook-Post ist lang, sehr lang. 337 Wörter. Das, was Anke aufregt, regt offenbar auch viele andere Bahnreisende auf.

Sie schreibt über ihre anstrengende ICE-Fahrt am vergangenen Sonntag: Sie habe ihr Ziel mit 55 Minuten Verspätung erreicht, ihre Sitzplatzreservierung sei entfallen, weil der Wagen nicht bereitstand, die Klimaanlage sei bei 40-Grad-Außentemperatur kaputt gewesen, im Bordbistro habe sie keine gekühlten Getränke kaufen können und das Personal sei "mit der Gesamtsituation einfach unzufrieden" gewesen und habe das die Reisenden wissen lassen. Für die Strapazen und Unfreundlichkeiten habe Anke "IMMERZU VERSTÄNDNIS". Doch das habe sie nicht in folgender Situation, in der sie wegen einer verpassten Anschlussverbindung in der S-Bahn saß.

Anke wollte Frau ohne Ticket in der S-Bahn helfen

Sie habe ihr DB-City-Fahrticket vorgezeigt und dann den Kontrolleuren bei der Arbeit zugeschaut. Diese standen vor einer offenbar mittellosen Frau, die keinen gültigen Fahrschein hatte. Anke wollte einspringen, bot ihr übertragbares MVV-Abo an. Was dann folgte, erstaunte sie:

"(...) anstatt diese Lösung zu akzeptieren, hat Ihr Angestellter es für besser erwachtet, mir die MVV-Richtlinien und die Prozessabläufe der Kontrollen zu erklären. Er hat es vorgezogen, dieser Frau, die nachts durch München läuft, um Pfandflaschen für 10 Euro zu sammeln, einen Bußgeldbescheid über 60 Euro auszustellen…und hier meine Frage…was ist eigentlich mit Ihrem Unternehmen los und wann wollen Sie damit anfangen, ein bisschen von dem Verständnis zurückzuzahlen, das Ihnen Ihre Kunden jeden Tag entgegen bringen? 2 Fahrgäste und 2 gültige Tickets…und nur weil Ihr Kollege bereits sein Erfassungsgerät in der Hand hatte, war es nicht mehr möglich, die Bußgelderhebung zu stoppen. Dafür habe ich KEIN Verständnis."

Ihren Facebook-Post schloss Anke mit der ironischen Bemerkung: "Ich freu' mich auf zukünftige Streikmaßnahmen und sicherlich bald anstehende Preisanpassungen meines Monatsabos."

So reagiert die Bahn auf den Facebook-Post

Ein Bahn-Mitarbeiter antwortet Anke auf ihren Facebook-Beitrag. Zunächst entschuldigt er sich für die unangenehme Fahrt. Dann schreibt er:

"Ich glaube, dass der Tag gestern für alle anstrengend war, die reisen mussten. Wenn der Wagen, in dem Sie reserviert hatten, gefehlt hat, können Sie sich Ihre Reservierung im Reisezentrum natürlich erstatten lassen. Es ehrt Sie sehr, dass Sie einer anderen Person helfen wollten, die kein gültiges Ticket hatte und sich anscheinend auch keins leisten konnte. Der soziale Umstand eines Schwarzfahrers ändert aber nichts daran, dass derjenige vorsätzlich eine Leistung erschleichen wollte bzw. hat."

Die Bahn stellte klar, dass sie Ankes Mitleid und Unverständnis durchaus verstehen könne, "allerdings werden solche Leute es dann grundsätzlich immer wieder versuchen. Wenn man immer ein Auge zudrückt oder immer jemand da ist, der in dieser Situation helfen möchte, so wie Sie, wäre ja grundsätzlich gar kein Ticketkauf notwendig."

Darauf reagierten wiederum viele Bahn-Kunden verärgert, auch Anke.  

Hype um Facebook-Nachricht an die Deutsche Post

In der vergangenen Woche war es ein Beitrag einer Post-Kundin, der auf Facebook mehrere Tausend Male geteilt wurde. Darin begründete eine Anna, warum sie wegen des Post-Streiks ihren Job verlieren wird.

sah

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