"Reiche kaufen sich ihr Urteil"

Frau vergewaltigt: Großkotz (19) muss in den Knast

+
„Besondere Schwere der Schuld“: Carl H.

München - Am Freitag war die Öffentlichkeit dabei, als Carl H. (19) vor Gericht stand. Am Freitag sprach Jugendrichter Reinhold Baier das Urteil gegen den geständigen Vergewaltiger.

Wie ein scheues Reh schaut er drein. Setzt sich, steht wieder auf, zupft an seinem Karohemd, streicht sich durchs blonde Stoppelhaar. Denn dieses Mal ist die Öffentlichkeit dabei, als Carl H. (19) vor Gericht steht.

Am Freitag sprach Jugendrichter Reinhold Baier das Urteil gegen den geständigen Vergewaltiger. Für drei Jahre und neun Monate muss er in den Knast!

45 Minuten lang begründet Baier seinen Schuldspruch. Betont dabei nicht nur die verzögerte Entwicklung von Carl H., sondern auch dessen selbstgerechtes Weltbild. Und erklärt die Geschichte hinter der Vergewaltigung! Am Vortag seiner Tat fährt H. mit Freunden von Ulm nach München, um in seinen 18. Geburtstag hinein zu feiern. Er selbst hat mit Mühe die Hauptschule geschafft, mit dem Geld der Eltern lebt er auf großem Fuß. Am 7. Juli 2013 lädt er in einer Disco in der Maxvorstadt für 1100 Euro zu Champagner und Wodka ein. Gegen vier Uhr fährt er mit dem Taxi in ein Luxushotel, das er am Goetheplatz gebucht hat. In der Nähe will er einen Strip-Club besuchen, aber findet ihn nicht. Auf dem Rückweg begegnet er um 4.40 Uhr seinem Opfer Maria C. (32, Name geändert).

Wie brutal Carl H. sie vergewaltigt hat, wird erst am Freitag richtig klar. Im Flur ihres Wohnhauses würgt er sie bis zur Ohnmacht, zerrt sie an den Haaren in den Keller, reißt ihr Hose und Slip weg. Als sie sich übergeben muss, sagt er: „Kotz mir nicht auf die Schuhe, die kosten 1000 Euro!“

Entblößt liegt Maria C. später vor der Haustür. Vom Taxi aus sehen Passanten, wie H. sie missbraucht und rennen hin. Da flieht er übers Vordach, versteckt sich in einer Streukiste. Dort schläft er ein.

„Ich wette um 20 000 Euro, dass ich frei komme. Reiche kaufen sich ihr Urteil“, soll er Wärtern in der U-Haft gesagt haben. Sein Urteil nimmt er regungslos hin – es scheint, als begreife er es nicht. Und verlässt das Gericht über die Tiefgarage. Haftbefehl wurde nicht erlassen, weil keine Fluchtgefahr bestehe! Wann er einsitzen muss, erfährt Carl H. per Post.

A. Thieme

Auch interessant

Meistgelesen

S-Bahn: Fahrbetrieb normalisiert sich wieder
S-Bahn: Fahrbetrieb normalisiert sich wieder
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine
Flohmärkte in München: Hier finden Sie alle Orte und Termine

Kommentare