Jetzt spricht die Anwältin des Opfers

Freigelassener Vergewaltiger: "Seine Entlassung war ein Schock!"

Der mutmaßliche Vergwaltiger Paul K. (19): Am Dienstag steht er vor Gericht

München - Nur noch vier Tage, dann muss sich der mutmaßliche Vergewaltiger Paul K. (19, alle Namen geändert) seinem Prozess am Landgericht stellen!

Nur noch vier Tage, dann muss sich der mutmaßliche Vergewaltiger Paul K. (19, alle Namen geändert) seinem Prozess am Landgericht stellen! Ihn entließ das Oberlandesgericht am 6. August vorzeitig aus der U-Haft, weil die Jugendkammer zu lange brauchte, um den Verfahrenstermin anzusetzen. Peinlich: Danach vergaß das OLG sogar, Opfer Maria C. (32) über die Freilassung ihres Täters zu benachrichtigen, der sie am 7. Juli 2013 frühmorgens in der Goethestraße misshandelt und missbraucht haben soll. Doppelt bitter, denn vom Knast fuhr Paul K. direkt ins Ausland und machte Urlaub (tz berichtete).

Jetzt spricht die Anwältin des Opfers! Strafrechtlerin Antje Brandes (47) vertritt Maria C. (32) in dem Fall. Sie sagt: „Meiner Mandantin geht es schlecht, sie ist immer noch in ärztlicher Behandlung. Dass sie nicht benachrichtigt wurde, ist nicht hinnehmbar. Sie war sehr schockiert darüber.“ Und: „Schlimm genug, was ihr zugestoßen ist – sie war ein absolutes Zufallsopfer, dieses Verbrechen geht ihr sehr nahe. Nun hat sie das Gefühl, als Opfer vom Gericht nicht ernst genommen zu werden.“

Am Dienstag, 9. September, wird Maria C. ihrem Peiniger nun wohl erstmals wieder gegenüberstehen – wenn er denn kommt. Denn die Staatsanwaltschaft hat keine Handhabe mehr über Paul K., seit dessen Haftbefehl infolge einer Verfassungsbeschwerde aufgehoben wurde.

Grundsätzlich sei es zu befürworten, dass eine Haftprüfung stattfindet, sagt Antje Brandes. Im Fall von Paul K. war die vorzeitige Entlassung aber „nicht sinnvoll“, kritsiert die Anwältin. „Man hätte damit bis zum Prozess warten müssen.“

Aus Sicht des Opfers sei es enttäuschend, „dass weder die Justiz noch der Staat in der Lage sind, eine ordnungsgemäße Strafverfolgung zu leisten. Es kann nicht angehen, dass der Staat zu wenig Personal anstellt.“ Denn nur deshalb kam der Täter vorzeitig frei! „Man muss hier auch klarstellen: Die Entlassung geschah gegen jede Erwartungshaltung des Opfers sowie auch der Bevölkerung, die gerade durch derartige Täter geschützt werden muss.“

Im Prozess wird Antje Brandes als Nebenklägervertreterin agieren. Täter Paul K. hatte seine Tat in einer Vernehmung bereits gegenüber der Polizei gestanden. Für den Prozess gilt sein Geständnis aber nur, wenn er es vor dem Richter wiederholt. In diesem Fall wird ihm keine Justizlücke mehr helfen. Paul K. drohen bis zu zehn Jahren Haft.

Andreas Thieme

auch interessant

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion