In Freimann bleibt's sittlich

Neue Studenten-Buden statt edle Sex-Burg

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Für dieses Firmengelände (l.) gab es Pläne für ein Groß-Bordell, die Politik lief Sturm – offenbar mit Erfolg: Jetzt sollen dort 450 Studenten-Apartments entstehen

München - Die Aufregung war riesig in Freimann, als ein Großinvestor vor vier Jahren seine Pläne für ein Bordell-Hotel vorstellte. Doch jetzt gibt’s eine neue Entwicklung:

 Auf dem Areal sollen sittliche Bleiben für Hochschüler entstehen: Studenten-Buden statt Sex-Burg!

In der ehemaligen Medikamentenfabrik an der Freisinger Landstraße sollten 20 Bordell- sowie 160 „Hotel“-Zimmer entstehen. BA-Chef Werner Lederer-Piloty (SPD) befürchtete: „Der Investor wird hier kaum ein völlig normales Hotel planen, in dem nebenbei noch ein Bordell läuft.“ Damit wäre das Freudenhaus größer gewesen als das größte Europas, das „Pascha“ in Köln mit seinen 126 Zimmern. Der Investor hatte schon einmal zuvor einen Antrag gestellt, in dem von einem einzigen Großbordell die Rede war. „So eine Institution hat hier in unmittelbarer Nachbarschaft unseres Wohngebiet nichts zu suchen“, empörte sich Lederer-Piloty.

Und der für die CSU im Unterausschuss Bauen des BA 12 sitzende Gerd Schäffler schimpfte: „Genau gegenüber dieses geplanten Hauses befindet sich eine Schulbushaltestelle. Ein Bordell ist nicht gerade der Anblick, den man seinen Kindern täglich bieten will.“ Der CSU-Bundestagsabgeordnete Johannes Singhammer warnte sogar davor, dass Freimann das „ zentralen Rotlichtviertel Süddeutschlands“ werden würde. Die Münchner Polizei empfahl der Stadt schließlich, den Bauantrag abzulehnen. Der Protest zeigte Wirkung: Der Stadtrat leitete schon 2008 ein Bebauungsplanverfahren ein, der die Entwicklung an der Freisinger Landstraße in geordnete Bahnen lenken soll – weg vom Gewerbegebiet zu einer Ausweitung des benachbarten Wohnviertels.

Und der Investor stampfte seine Puff-Pläne ein und disponierte um. Jetzt soll auf dem 1,45 Hektar großen Grundstück östlich der Freisinger Landstraße nördlich des Josef-Wirth-Weges ein Studentenwohnheim mit 450 Appartments entstehen. Damit verspricht sich die Stadt eine „Aufwertung der gegenwärtig unbefriedigenden städtebaulichen Situation“, am Garchinger Mühlbach und dem abzweigenden Werkkanal sollen neuen Fußgängerwege entstehen. Lederer-Piloty ist erleichtert: „Die Studentenwohnungen machen zwischen dem Campus in Garching und Schwabing Sinn."

Johannes Welte

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