Nach der Bombe

Die stillen Helden von Schwabing

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Nach der Sprengung der Bombe in Schwabing kehrt langsam wieder Normalität ein.

München - Nach der Sprengung der Schwabinger Bombe kehrt langsam wieder Normalität ein. Vor allem dank der Münchner Feuerwehr, dem THW und 40 Freiwilligen Helfern.

„Man sollte den Leuten von der Münchner Feuerwehr und vom Technischen Hilfswerk ein Denkmal setzen. Die sollten bis zu ihrem Lebensende jeden Tag von der Stadt einen Kasten Bier spendiert bekommen“, sagte Kampfmittelräumer Andreas Heil (53) nach der Sprengung der Schwabinger Bombe, die einen der größten Feuerwehreinsätze seit dem Krieg zur Folge hatte.

An der Seite der Münchner Berufsfeuerwehrleute und der Polizisten schufteten tagelang Hunderte Ehrenamtliche von der Freiwilligen Feuerwehr, vom THW und den Rettungsdienstorganisationen Arbeiter-Samariter-Bund, BRK, Johanniter Unfallhilfe und Malteser Hilfsdienst . Auch ihnen verdankt die Stadt, dass die Bombensprengung trotz Millionenschäden glimpflich abging. Dass niemand verletzt wurde. Und die meisten Bewohner und Geschäftsbesitzer mittlerweile wieder zurückkehren konnten. Die tz würdigt das Engagement der stillen Helden, die keinen Cent bekommen, trotzdem ihre Freizeit opfern und Tag und Nacht für die Münchner da sind:

THW packt an

Der Münchner THW-Chef und Vermessungs-Ingenieur Max Berthold (2. von rechts) ist wirklich stolz auf seine Super-Truppe: „Der Job war diesmal nicht ungefährlich, die Gefahren schwer einzuschätzen. Trotzdem gab es innerhalb unserer Gruppe keine einzige Diskussion.“ Zwei Tage lang stapelten die 100 Freiwilligen des THW direkt neben der Bombe mehrere Wagenladungen Strohballen und 10 000 Sandsäcke – jeder einzelne wiegt 15 Kilo! Sie nagelten die schweren Holzverschalungen zum Schutz der Fassaden und Schaufenster zusammen und schichteten nach Anweisung der Sprengmeister den riesigen Erdwall zur Ableitung der Druckwelle auf. Und am Ende räumten sie den ganzen Dreck auch wieder auf.

Freiwillige vor!

40 Freiwillige Helfer des Arbeiter-Samariter-Bundes standen von Montag bis Mittwoch für alle Fälle mit Rettungsfahrzeugen und einem Notarzt bereit. Die Hauptaufgabe der ASB-Retter bestand darin, den Anwohnern in den Unterkünften beizustehen. Sven Müller (im roten Sweatshirt) ist Polizist und engangiert sich ehrenamtlich als ASB-Rettungsassistent: „Wir haben 170 Anwohner betreut und mit Decken und Verpflegung versorgt. Während der Evakuierung der Häuser haben wir auch bettlägrigen oder gehbehinderten Anwohnern geholfen.“ Der ASB stellt zudem das Kriseninterventionsteam – psychologisch geschulte Mitarbeiter, die nervlich schwer belasteten Menschen helfen.

3957 Stunden freiwillig schwitzen

Den heißesten Job absolvierten 595 Frauen und Männer der

Freiwilligen Feuerwehr München, die in den Einsatz­tagen 3957 (!) Stunden schufteten. Kommandant und Stadtbrandrat Rupert Saller (von Beruf Versicherungsmakler) ist „stolz wie Oskar“ auf seine Truppe. „Wieder einmal haben sie ihre Professionalität und Schlagkraft auf Augenhöhe mit den hauptberuflichen Einsatzkräften bewiesen.“ Die Freiwilligen stellten bei der Sprengung acht Löschzüge, halfen den Bewohnern vor und nach der Evakuierung, besetzten vier Lautsprecherwagen und zwei Motorrad-Kuriere. Die Landwirte aus den eigenen Reihen brachten die Strohballen in die Stadt. Und trotzdem waren während der ­Sprengung noch alle zehn Wachen der Berufsfeuerwehr mit Fahrzeugen der Freiwilligen besetzt. Respekt!

 

Dorita Plange

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