Amsel, Grünfink, Spatz

Freud und Leid der Wintervögel

München - Seit nunmehr zehn Jahren helfen die tz-Leser dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) bei der großen, bundesweiten Wintervogelzählung. Hier lesen Sie die neuesten Vogeltrends in der Stadt.

Seit nunmehr zehn Jahren helfen die tz-Leser dem Landesbund für Vogelschutz (LBV) bei der großen, bundesweiten Wintervogelzählung. In dieser Zeit hat der LBV eine ganze Reihe neuer Erkenntnisse über das Verhalten der Vögel im Winter gewonnen. Zum Beispiel, welche Arten im Winter eher in der Stadt oder häufiger in den Randbezirken sind. Welchen Einfluss die Winterfütterung auf das Verhalten hat. Und welche Vögel kommen, welche selten und welche häufiger geworden sind. Immer wieder tauchen auch Überraschungsgäste auf, und manchmal gibt es kleine Sensationen – wie zum Beispiel im Winter 2008, als plötzlich sieben Kraniche über das Stadtgebiet München zogen. Und auch ein paar Sorgenkinder – wie zum Beispiel die frechen Münchner Spatzen – gibt es leider. Die neuesten Vogeltrends in der Stadt:

Dorita Plange

Star

Da hat die dicke Amsel nichts mehr zu melden:Der kecke Star scheint sich – genauso wie Hausrotschwanz und Mönchsgrasmücke – gerade in der „Findungsphase“ bezüglich des Zugverhaltens zu befinden. Ob die Stare nur kurzfristig ihr Verhalten auf milde oder harte Winter ausrichten, wird sich erst mit Hilfe der Zählungen in den nächsten Jahren feststellen lassen. Der LBV ist gespannt.

Amsel

Das für Vögel tödliche Ustutu-Virus und ein feuchtes, kaltes Frühjahr im Jahr 2013 hat den Amsel-Populationen mancherorts stark zugesetzt. Für diese Krankheit waren die Stadtamseln offenbar anfälliger als die Waldamseln, die heute noch im Winter in den milderen Süden ausweichen. Darum haben Vogelexperten die Entwicklung der Amsel-Population sehr genau im Blick.

Spatz

Kleiner Spatz, du machst uns Sorgen: Die Bestände des früher allgegenwärtigen Stadtvogels nehmen dramatisch ab – speziell in der Innenstadt. Nur noch am Marienhof tschilpen ein paar Spatzen. Seitdem dort die Hecken gerodet wurden, ist auch das Überleben dieser ehemals großen Kolonie gefährdet. In der Spatzenfibel (www.lbv-muenchen.de/spatzenfibel) ist nachzulesen, was den Spatzen hilft.

Stieglitz

Für ein paar schöne Samen – speziell die der Disteln – macht er fast alles: Alte Gärten, Friedhöfe, Alleen, Parks und nicht allzu sehr aufgeräumte Naturgärten sind die Refugien des frechen Stieglitzes. Das Leben in der Stadt behagt diesen bunt gefärbten Schönheiten nicht sonderlich. Aber am Stadtrand besteht eine gute Chance, ihn zu beobachten. Dort lässt er sich auch gern am Futterhaus sehen.

Elster & Co.

Futtermangel in ausgeräumten Agrarlandschaften treibt Elstern, aber auch Rabenkrähen und die kleinen Feldsperlinge immer näher an die Stadtränder, während sie aus den offenen Feldfluren zunehmend verschwinden. Den Rabenvögeln scheint der Umzug in die Stadt mittlerweile wegen des Jagddrucks auf dem Lande attraktiv. Dazu trägt auch die großzügige Winterfütterung der Menschen bei.

Schwanzmeise

Nur vorüberziehende Gäste sind die zarten Schwanzmeisen, die aus dem hohen Norden hergezogen sind. Sie schließen sich hier den Trupps der heimischen Exemplare an und lieben Meisenknödel. Unterscheiden kann man sie am Köpfchen: Statt schwarz-weißer Streifen tragen die Gäste der skandinavischen Unterart ein Mützchen in rein Weiß. Im Frühling fliegen sie zurück in ihre nordische Heimat.

Grünfink

Man sieht sie oft. Doch die Grünfinken-Trupps werden seit Jahren immer kleiner: Im letzten Jahr gab es in München einen Bestandseinbruch um etwa 25 Prozent. Schuld daran ist ein Parasit, der sich an Tränken und Futterstellen verbreitet. Der LBV empfiehlt: Futterplätze sauber halten und auf kranke Tiere achten. Dann muss die Fütterung sofort eingestellt werden.

Heckenbraunelle

Auch die zarte Heckenbraunelle scheint sich wie der Star (siehe oben) noch nicht klar entschieden zu haben, ob sie im Winter wegziehen oder bleiben will. Die Beobachtungen der nächsten Jahre werden zeigen, für welche Variante sich die Heckenbraunellen letztlich entscheiden werden. Mag sein, dass auch die gute Winterfütterung sie darin bestärkt hat, in Bayern zu überwintern.

Gewinnen Sie tolle Preise

Zum 10. Mal in Folge startet der Landesbund für Vogelschutz vom 9. bis 11. Januar die Wintervogelzählung in Deutschland und Österreich. Beobachten Sie an einem dieser Tage eine Stunde lang die Vögel am Fenster, am Futterhaus, im Garten oder im Park. Notieren Sie die Ergebnisse im Meldebogen, den Sie in der Ausgabe vom Freitag, den 9. Januar aus Ihrer tz ausschneiden können. Unter allen Teilnehmern verlost der LBV ein Swarovski-Fernglas, eine Fehmarn-Reise mit Birdingtours, zehn Futtersäulen, 20 Vogel-DVDs sowie Gutscheine (Hofpfisterei; Foto Wilhelm). Beratungen gibt’s im LBV-Naturschutzzentrum in der Klenzestraße 37 in München (Mo bis Fr., 13 bis 18 Uhr).

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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