tz-Bürgeranwalt hilft

Frist ums Testament: Langes Warten auf das Erbe

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Bürgeranwalt Dietmar Gaiser kümmerte sich um die Erbangelegenheit von Barbara F.

München - Der tz-Bürgeranwalt hilft jeden Freitag bei Themen rund um das Recht. Dieses Mal beantwortet er Fragen zum Thema Fristen beim Testament.

Ich habe eine kleine Erbschaft gemacht, bin aber gar nicht zufrieden, wie die Sache gelaufen ist. Wenn mich nicht eine Bekannte, die auch geerbt hat, informiert hätte, dass auch ich zu den Erben gehöre, hätte ich es möglicherweise nie erfahren. Außerdem wurde ich zur Testamentseröffnung nicht eingeladen. Erst als ich mich mehrfach telefonisch an das Gericht gewendet hatte, bekam ich ein Schreiben, in dem aber die Mit­erben geschwärzt waren. Geht das alles mit rechten Dingen zu?

Barbara F. (72), Rentnerin aus München

Auch uns kam das ungewöhnlich vor. Also schalteten wir den Anwalt für Familienrecht Matthias Zachmann ein. Er erklärte uns den Ablauf. Zuerst wird das Nachlassgericht vom Standesamt, das den Tod beurkundet hat, benachrichtigt. Dann muss das Nachlassgericht prüfen, ob bei Gericht überhaupt ein Testament hinterlegt ist. Wenn das der Fall ist, werden die gesetzlichen Erben ermittelt. Das kann unter Umständen einige Zeit dauern, wenn diese beispielsweise im Ausland leben. Erst wenn das alles erledigt ist, wird das Testament eröffnet.

„Zur Testamentseröffnung werden die Beteiligten in der Regel nicht eingeladen. Das Nachlassgericht schreibt Briefe sowohl an die Erben und Begünstigten als auch an die Personen, die als Ehegatten oder Verwandte zum Kreis der gesetzlichen Erben gehören“, erklärte uns der Jurist. Da beim Nachlassgericht viele solcher Fälle bearbeitet werden müssen, kann das einige Zeit dauern. Matthias Zachmann meint, dass es nicht ungewöhnlich sei, wenn die tz-Leserin mehrere Monate warten musste.

Namen geschwärzt? Das kann es bedeuten

Im Fall von geschwärzten Namen mahnt Zachmann zur Vorsicht: „Wenn Namen gestrichen wurden, kann das für das Vorliegen entsprechender Ausschlagungen sprechen. In solchen Fällen ist es ratsam, beim Nachlassgericht nachzufragen, ob man Einsicht in die Nachlassakte nehmen kann, denn bei einer Erbeinsetzung sollte sich der Erbe im Klaren darüber sein, ob er die Erbschaft möglicherweise nicht besser ausschlagen soll. Dabei warne ich aber vor allzu voreiligem Ausschlagen wegen der Angst vor einem überschuldeten Nachlass. Bei der richtigen Handhabung kann die Gefahr der Haftung für einen überschuldeten Nachlass auf diesen begrenzt werden.“ Bei geschwärzten Namen sollten also im Kopf rote Warnlampen angehen. Dann kann professionelle Hilfe notwendig sein.

Erben ist eben gar nicht so einfach. Und unter Umständen braucht man dazu auch Geduld, wie unser Fall zeigt. Denn die Mühlen der Justiz mahlen langsam.

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