58-Jähriger machte Haus zur Sexfalle

Fünf Buben missbraucht? Waldorf-Lehrer schweigt

Gerd Ludwig P.

Augsburg - Gerd P., Lehrer an der Waldorfschule in Schwabing, soll zwei Kinder in seinem Haus bei Landsberg begrapscht haben. Am Montag begann in Augsburg der Prozess.

Die dürre Gestalt zittert am ganzen Körper, als sie den Raum 170 am Landgericht Augsburg betritt. Ein Justizbeamter führt Gerd Ludwig P. mit Handschellen vor. Der 58-Jährige hält sich einen Aktenordner vor den Kopf. Der Lehrer an der Schwabinger Waldorfschule will sein Gesicht nicht zeigen. Er ist des schweren sexuellen Missbrauchs an fünf Buben angeklagt.

Bevor es zur Verlesung der Anklage kommt, stellen seine Anwältinnen einen Befangenheitsantrag. Der Angeklagte lehnt die Richter der Strafkammer ab, weil sie nicht „vorurteilsfrei“ seien. Es sind die gleichen Richter, die Monate zuvor die Haftbeschwerde gegen den Lehrer abgelehnt hatten. Die Richter schmettern den Antrag wegen Formfehlern ab.

So kann die Staatsanwältin die Anklage verlesen. Und die hat es in sich. Die Augsburger Behörde wirft dem Ex-Waldorfschullehrer sexuellen Missbrauch von Kindern und zugleich Schutzbefohlenen in 22 Fällen vor – einen der Fälle wertet die Staatsanwalt als schweren Fall. Doch der Beschuldigte schweigt eisern!

Der heute 58-Jährige soll von Mai 1998 bis Juni 1999 sowie von Mai 2011 bis zu den Sommerferien 2012 fünf Buben, darunter vier seiner Schüler, an ihren Geschlechtsorganen gestreichelt haben. Die Opfer waren zur Tatzeit zwischen zehn und elf Jahre alt. Besonders perfide: Ludwig P. soll sich vor allem an Kinder von alleinerziehenden Müttern herangemacht haben – in dem er sich deren Vertrauen erschlich. Die Kinder sollen dann zu Besuch im Haus des Pädagogen in einem kleinen Ort im Landkreis Landsberg gewesen oder gemeinsam mit ihm auf Klassenfahrt gegangen sein. Unfassbar: Wenn seine mutmaßlichen Opfer zu ihm nach Hause kamen, soll er seine Frau einfach weggeschickt haben. Ludwig P. hat selbst zwei Söhne und eine Tochter.

Das Strafgesetzbuch sieht für schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes Haftstrafen von bis zu fünfzehn Jahren vor, für sexuellen Missbrauch von Kindern Strafen von bis zu zehn Jahren.

Eine Mutter eines mutmaßlichen Opfers sagte geschockt zur tz: „Ich hoffe, dass er in Sicherungsverwahrung kommt. Denn der wird nie damit aufhören!“

Jacob Mell

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