Fünf Krankenhäuser machen dicht!

+
Die Frauenklinik mit internationalem Ruf muss nach Großhadern in ein neues Mutter-Kind-Zentrum.

München - Die Unikliniken stehen vor einem riesigen Umbau. Fünf altehrwürdige Krankenhäuser werden geschlossen, hunderte Betten gestrichen. Dafür gibt's eine Portalklinik.

Das wird ein tiefer Einschnitt für die Innenstadt: Die Unikliniken stehen vor einem riesigen Umbau. Fünf altehrwürdige Krankenhäuser werden geschlossen, hunderte Betten gestrichen. Gleichzeitig will die Uni die Münchner in einer neuen Portalklinik besser versorgen. Und was wird aus den alten Mauern? Da gibt es nur Ideen.

Im Zentrum will die Uniklinik Notfall-Patienten künftig vor allem untersuchen und diagnostizieren. Kleinere Eingriffe soll es vor Ort in der neuen Portalklinik mit 200 Betten geben, für große Operationen kommen die Kranken nach Großhadern. Am Mittwoch befindet der Stadtrat über die Pläne, dann muss sich der Landtag mit der Finanzierung befassen, in fünf bis sieben Jahren soll das Klinikum der Ludwig-Maximilians-Universität umgebaut sein.

Die neue Portalklinik wird nicht mehr nach medizinischen Abteilungen aufgebaut sein, sondern soll sich an den Patienten orientieren: Eigene Bereiche gibt es etwa für Menschen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden, für Patienten mit ansteckenden Krankheiten, für Schwangere, für Senioren. 90 Millionen Euro soll der fünfstöckige Neubau kosten, die Hälfte stemmt die Uniklinik selbst, der Rest der Freistaat. Der Neubau entsteht entlang der Nußbaumstraße, ein altes Bettenhaus wird wohl abgerissen.

„Wir wollen unser komplettes Angebot in der Innenstadt halten“, sagt Prof. Burkhard Göke, Ärztlicher Direktor der Uniklinik. Und der Kaufmännische Direktor, Gerd Koslowski, ergänzt: in der Breite ja, aber nicht im vollen Umfang.

Die Klinik muss abspecken – auch angesichts von sechs Millionen Euro Miesen im vergangenen Jahr: Unterm Strich fällt in der Innenstadt jedes dritte Bett weg – von 750 bleiben noch 500, die 1500 Betten in Großhadern werden erhalten. Im Betonklotz am Stadtrand kann die Klinik effizienter wirtschaften als im denkmalgeschützten Altbau.

Darum sollen fünf Krankenhäuser mit zum Teil über 100-jährigen Traditionen nicht mehr genutzt werden: die Frauenklinik in der Mai­straße, das Haunersche Kinderspital, die Chirurgie in der Nußbaumstraße, die Poliklinik und die Hals-Nasen-Ohren-Klinik in der Pettenkoferstraße.

Über die Zukunft der alten Mauern ist noch nicht entschieden: Die Stadt fordert eine wissenschaftliche Nutzung, die sich die Uniklinik zur Ausbildung von Medizinern gut vorstellen kann. Der Bezirksausschuss hofft dagegen auf Seniorenwohnungen, die schwer möglich sein werden. Die gute Nachricht: Künftig wird es keinen Hubschrauber-Krach mehr geben, weil auch der Landeplatz wegfällt.

David Costanzo 

Chirurgische Klinik

Vor fünf Jahren wurden noch die OPs für 12 Millionen Euro saniert, bald machen sie dicht. Was mit dem Zenetti-Altbau von 1889 geschieht ist unklar.

Haunersche Kinderklinik

Seit 165 Jahren werden hier Kinder geheilt, bald ist der Ort Geschichte: Das Spital zieht ins „Neue Hauner“ in Großhadern. Wann gebaut wird, ist offen.

HNO-Klinik

Die Hals-Nasen-Ohren-Klinik in der Pettenkoferstraße 4a wird künftig nicht mehr genutzt. Ambulante Patienten werden in der neuen Portalklinik behandelt.

Poliklinik

Hier steht der erste Umbau im April an: 35 Betten der Inneren Medizin ziehen in die Klinik in der Ziemssenstraße. Bald zieht die Poliklinik ganz aus.

Frauenklinik Maistraße

Viele Münchner wurden seit 1916 hier geboren: Die Frauenklinik mit internationalem Ruf muss nach Großhadern in ein neues Mutter-Kind-Zentrum.

Neubau: Portalklinik

90 Millionen kostet der 200 Betten-Bau: Die Portalklinik richtet sich nach den bis zu 50 000 Patienten pro Jahr und nicht nach medizinischen Abteilungen.

David Costanzo

auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
So soll der Express zum Flughafen doch vor 2037 gelingen
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Großeinsatz in Flüchtlingsunterkunft am OEZ
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager
Das Sex-Rätsel um den Top-Manager

Kommentare