Agnesstraße 48

Für 23 Millionen Euro: Münchner Stadtrat rettet Literatenhaus in Schwabing

Das Haus Agnesstraße 48. Der Stadtrat hat nun einem Kauf zugestimmt.
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Das Haus Agnesstraße 48. Der Stadtrat hat nun einem Kauf zugestimmt.

Die Polizei hatte schon anrücken müssen, um das Haus zu schützen. Jetzt ist es im Besitz der Stadt. Der Stadtrat hat am Mittwoch in nicht-öffentlicher Sitzung zugestimmt, das Gebäude Agnesstraße 48 zu kaufen.

Das Haus steht seit 2019 leer, hat aber dennoch für Furore gesorgt. Nachdem das Uhrmacherhäusl in Giesing illegal abgerissen worden war, ließ die Stadt das Haus an der Agnesstraße von der Polizei bewachen. Vorsorglich. Denn der Investor hatte zwischenzeitlich einen Antrag auf Abriss gestellt.

Das sogenannte Literatenhaus ist Teil der Schwabinger Geschichte. Das Gebäude ist über 100 Jahre alt, es beherbergte zuletzt 15 Wohnungen mit insgesamt 1639 Quadratmetern und verteilt auf fünf Stockwerke. Die Mieten waren lange günstig, dafür bezahlten die Mieter Sanierungen selbst. Im November 2019 beendete das Landesamt jedwede Abrissgedanken. Es stellte das Haus unter Denkmalschutz.

Agnesstraße 48: Neuer Eigentümer wollte schon wieder verkaufen

Offenbar plante der neue Eigentümer wohl auch daher schon wieder einen Verkauf, der Stadtrat hat sich aber nun eingeschaltet. Denn die Fläche liegt in einem Erhaltungssatzungsgebiet, dort genießt die Verwaltung ein Vorkaufsrecht – und zwar zu deutlich günstigeren Konditionen. Es sei denn, der Käufer unterzeichnet eine Abwendungserklärung und verpflichtet sich damit beispielsweise, auf Luxussanierungen zu verzichten.

Wie aus der nicht-öffentlichen Vorlage hervorgeht, hatten Verkäufer und Kaufinteressent einen Kaufpreis von rund 35 Millionen Euro ausgemacht. Laut Verwaltung liegt diese Summe aber um rund 54 Prozent über dem Verkehrswert. Wenn der vereinbarte Kaufpreis den Verkehrswert überschreitet, hat die Kommune die Möglichkeit, preislimitiert zu kaufen: also zum Verkehrswert.

Stadt investiert 23 Millionen Euro für Haus in Schwabing

Das hat der Stadtrat nun beschlossen, für rund 23 Millionen Euro würde die städtische Wohnungsgesellschaft Gewofag das Haus übernehmen und wieder bewohnbar machen. Laut städtischen Gutachtern besteht sogar die Möglichkeit, zwei weitere Wohnungen einzurichten. Allerdings birgt das Vorgehen Gefahren, denn der Verkäufer könnte klagen. Der Ausgang ist ungewiss, weil der Stadt damit noch keine Erfahrungen gemacht hat.

In diesem Jahr hat der Stadtrat für rund 71 Millionen Euro bereits neun Gebäude mittels Vorkaufsrecht erworben, lediglich in zwei Fällen mit Preislimitierung. Im Vorjahr investierte die Stadt etwa 147 Millionen Euro für 21 Häuser.

Das Haus an der Agnesstraße war schon Gegenstand von Protesten.

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